Zwei neue Schnüffler in bester Holmes-Manier
Allgemein / 8. Januar 2017

Sherlock Holmes und sein Kompagnon Watson haben Konkurrenz bekommen. Ganz in der Manier der klassischen englischen Kriminalromane geschrieben – und auch in dieser Zeit spielend – betreten Sidney Grice und March Middleton die Bühne. Grice genauso verschroben wie das Original, Middleton hingegen erfrischend anders als Watson, was zu einem Großteil daran liegt, dass sie eine Frau ist. In ihrem ersten gemeinsamen Fall geht es genauso geheimnisvoll und verwirrend zu wie in den Holmes-Fällen. Ein Mord geschieht, ein Verdächtiger wird gefunden, verurteilt, gehängt und entpuppt sich schließlich als der Falsche. Die Jagd nach dem wahren Mörder ist überaus unterhaltsam und erfrischend, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass die Sprache der Zeit angepasst ist. Dort in jenem Jahrhundert klang selbst das Fluchen noch vornehm. Der Autor schafft es auf sehr geschickte Weise, das, was man von Sherlock Holmes kennt auf seine Protagonisten zu übertragen. Fast ist man geneigt zu glauben, dass die beiden vor dem berühmten Duo zugange waren, vor allem dann, als am Ende ein Arzt auftaucht, der seine Liebe zur Schriftstellerei gesteht. Sein Name: Arthur Conan Doyle. Könnte als also sein, dass besagter Mr. Doyle nichts anderes tat, als die Fälle von Sidney Grice und March Middleton aufzuschreiben, um damit berühmt zu werden?…

„In der gläubigen Hingabe an das Netz zeigt sich die Praxis der Unbildung in ihrer religiösen Gestalt“
Allgemein , Zum Nachdenken , Zum Studieren / 15. Februar 2015

Nach der Theorie ist es jetzt also die Praxis der Unbildung, die uns Konrad Paul Liessmann anschaulich darlegt und mit zahlreichen Beispielen untermauert. Die Gutgläubigkeit in das „Netz“, das ja alles Wissen beinhaltet, und wegen dem man sich auch nicht mehr mit totem Wissen belasten muss, ist nur eines von vielen Schaufenstern, in die uns der Autor blicken lässt. Die permanente Messbarkeit von Leistung hat dazu geführt, dass das Angebot eben so aufbereitet wird, dass es messbar wird, sprich: Wissen um seiner selbst willen, ist kein messbarer Begriff, Bildung ohne dass daraus eine Kompetenz entsteht nutzlos. Was sich daraus letztendlich für eine Gesellschaft entwickeln wird, ist nicht absehbar, kann aber mit einigem Argwohn beobachtet werden. Einmal mehr brilliert der Autor mit seinem Wissen und auch seiner Sorge um das Bildungswesen, allen voran die Universitäten, die zu Ausbildungsstätten für die Wirtschaft verkommen. Es mag vielleicht in einigen Punkte allzu pessimistisch dargestellt sein, dennoch ist man angehalten seine Sinne zu schärfen und das Szenario aufmerksam zu verfolgen. So sehr die Praxis der Unbildung um sich greift, mit dem vorliegenden Buch wird ihr ein Stück weit etwas entgegen gehalten. Geisterstunde – die Praxis der Unbildung von Konrad Paul Liessmann, IBSN: 978-3552-05700-5

Warum Kafka zum Selbstmord führt und Pinocchio einem das Leben retten kann
Allgemein , Zum Nägel kauen / 27. Juni 2012

Jon Campelli wird eines Tages darüber informiert, dass sein Vater verstorben ist. Libri de Luca – ein Antiquariat in Dänemark wurde zur Todesfalle für seinen Besitzer. Doch die genauen Umstände sind mehr als mysteriös, vor allem als Jon in die Hintergründe von Luca Campellis Begeisterung für alte Bücher eingeweiht wird. Luca Campelli war ein Sender, ein Lettori – ein Mensch, der andere Menschen durch das Vorlesen eines Textes beeinflussen kann. Bald schon ist klar, dass Jon auch diese Fähigkeit besitzt, allerdings in einer Intensität, wie sie niemand für möglich gehalten hätte. Kann es also sein, dass Luca Campelli gar nicht eines natürlichen Todes gestorben war, sondern „in den Tod gelesen“ wurde? Gemeinsam mit Iversen und Katharina, den beiden Angestellten des Antiquariats begibt sich Jon auf eine gefährliche Suche, denn neben den Lettori gibt es auch noch Empfänger, die Gefühle verstärken können … und es gibt ganz offensichtlich eine geheime Schattenorganisation. Die Idee zum Buch ist im Bereich der Geheimbünde angesiedelt und klingt an vielen Stellen, als wären die Illuminati im Spiel. Das macht die Grundsatzidee dieses Buches ein wenig zunichte, denn die Vorstellung, dass man durch das Lesen eines Buches plötzlich seine Meinung zu einer Sache ändert, oder eben andere…

Man muss schon Engländer sein …
Allgemein / 17. November 2011

… um viele Dinge, die Stephen Fry in seinem Buch beschreibt, zu verstehen. So schildert er beispielsweise bis ins Detail das Leben in Cambridge, das – wenn man nicht in England aufgewachsen ist und genau null Ahnung hat – eigentlich langweilig ist. Ebenso verhält es sich mit den Persönlichkeiten, die Stephen Fry im Laufe seines Lebens kennengelernt hat. Viele Namen sind mir persönlich gänzlich unbekannt, dürften aber in England doch Berühmtheiten sein. Nun: es liest sich eben nur halb so spannend, wenn man nicht weiß, um was es geht. Nichts desto trotz: Stephen Fry ist ein brillianter und äußerst unterhaltsamer Schreiber. Seine eloquente Sprache erheitert und beeindruckt gleichermaßen. Ich mag den Autor vorbehaltlos, nur leider bin ich eben keine Engländerin … Ich bin so fry von Stephen Fry, ISBN: 978-3-351-02733-9

Stalins Erbe
Allgemein , Zum Nägel kauen / 27. August 2011

Dr. Fluke Kelso ist Historiker und Spezialist für russische Geschichte. Auf einem Symposium in Moskau begegnet er einem Mann, der behauptet, dass er wisse, wo Stalins geheimes Notizbuch versteckt sei. Jenes Relikt, nachdem seit dem Tod des charismatischen Anführers der Russen sowohl seine Anhänger als auch seine Gegner verzweifelt gesucht hatten, da angenommen wurde, dass es brisante und mitunter bedeutsame Geheimnisse enthielt. Kurz nachdem der Unbekannte sich bei Kelso aussprach wird er auch schon tot aufgefunden, damit ist klar, dass das Interesse an dem Notizbuch auch Jahrzehnte nach Stalin besteht. Der Historiker  begibt sich also auf die Suche, findet die Tochter des Unbekannten und hebt letztendlich dank ihrer Hilfe den vielversprechenden Nachlass von Stalin. Doch was die beiden da schließlich in Händen halten ist alles andere, als das, was sie erwartet hatten. Robert Harris ist bekannt dafür, dass er Geschichte mit Fiktion vermischt und daraus eine neue durchaus realistische Geschichte zu schaffen vermag. Auch in dem vorliegenden sehr spannenden Thriller  gelingt ihm dies hervorragend und man stellt sich als Leser schon die Frage: „Was, wenn dies tatsächlich so passiert wäre?“ Das Buch werden jene besonders lieben, die diese typischen dunklen Beschreibungen eines desolaten und durch und durch korrupten Russland mögen…