Es ist vernünftig Hoffnung zu haben …
Zum Nachdenken / 15. Januar 2018

Wir befinden uns am Ende einer Epoche. Es ist dies der Übergang in eine neue Zeit. Die alles verändernde Technologie, das schnelle Wachstum der Weltbevölkerung, die Klimaveränderung … Veränderungen dieser Dimension machen Angst und bringen Unsicherheit, weil man sie spürt, ohne sie greifen zu können, ohne zu verstehen, dass dieser Übergang auch ein Bereich voller Chancen ist. Nathalie Knapp erklärt anhand von Vergleichen mit der Natur, was es mit Übergängen auf sich hat. Ökoton, so nennt man diese Bereiche, beispielsweise zwischen Wald und Wiese, wo am meisten Artenvielfalt herrscht, weil dieser schmale Streifen von zwei Welten gespeist wird – vom Wald und von der Wiese. Auch für Menschen gibt es solche Übergänge, beispielsweise vom Kind zum Jugendlichen, vom Erwachsenen zum Alten, von der Schule ins Berufsleben, usw. Diese Veränderungen passieren meist schleichend, machmal in Form von Schicksalsschlägen auch sehr plötzlich. Und dann gilt es als Mensch zu erkennen: dass es jene Veränderungen sind, die das größte Potenzial in sich bergen. Was wir dafür brauchen ist ein größeres Maß an Unsicherheitstoleranz. Nathalie Knapp nimmt uns also mit auf eine Reise quer durch die Geschichte, die Philosophie, eines ganzen Lebens um am Ende festzustellen: „Es ist klug davon auszugehen, dass wir unsere Sache…

„Jeder hat Anspruch darauf, nicht verletzt zu werden.“
Zum Nachdenken / 1. Oktober 2017

„Anstand ist der Sinn für Gerechtigkeit, ein grundsätzliches Gefühl für Solidarität mit anderen Menschen, für Fairness, also für den Gedanken, dass man sich an die Regeln auch dann hält, wenn grad keiner hinguckt.“ So steht es ziemlich am Anfang von Axel Hackes Buch, in dem er den Versuch unternimmt, diesem Begriff ein Fundament zu geben. Denn – so scheint es – der Anstand gerät zusehends in Vergessenheit. Was die Gründe dafür sind, das versucht der Autor im Dialog mit einem (fiktiven) Freund herauszufinden. Dabei durchstreift er in Gedanken allerlei gesellschaftliche Probleme, gibt sich selbst eine Gedankenrichtung, um diese dann auch wieder umgehend zu verlassen. Kurzum: die Gedanken drehen sich mehr oder weniger Kreis. Dennoch schafft es der Autor, zumindest gewisse Eckdaten zu erfassen, wenn er sagt: „Es geht um ein gewissen Unbehagen, wenn man sich die gesellschaftliche Entwicklung ansieht.“ Da hat er wohl nicht unrecht, ebensowenig mit der Aussage, dass „es darum geht, dass Dinge ins Rutschen geraten.“ Ja, einmal mehr skizziert ein Schreiber und Denker, was man als halbwegs aufmerksamer Mensch selber fühlt: dass dieses Ideal – der Anstand – im Moment gerade nicht sehr hoch im Kurs steht. Ein paar Sätze aus dem Buch: „Wenn man von Anstand redet, sprach…

Alter ist vor allem Ansichtssache.
Für die Seele , Zum Nachdenken / 20. August 2017

Es kommt der Tag, da beginnt es zu zwicken und zu zwacken – nicht nur körperlich, sondern auch mental. Man merkt, dass man nicht mehr gewillt ist, gewisse Dinge hinzunehmen, oder aber, dass es immer öfter Dinge gibt, die einen schlichtweg nerven. Ist es das Alter, dass uns da zu schaffen macht? Wird die Seele, der Geist, mit dem Alter träge? Ist es nicht nur der Körper, der dem Zerfall ausgesetzt ist, sondern sind es auch die Gedanken? Uwe Böschemeyer nimmt in seinem neuen Buch, die Wehwehchens genauer unter die Lupe. Das Gute dabei: er nimmt sie nicht allzu ernst! Vielmehr versucht der bekennende Logotherapeut und Theologe uns auf jenen Pfad zu führen, der da lautet: es geht auch anders –  und zwar immer – und zwar in jedem Alter. Ja, man kann sich über vieles Sorgen machen, man muss aber nicht. Und ja, man kann sich immer öfter die Sinnfrage stellen, oder darauf vertrauen, dass der Sinn ein uns durchflutendes Energetikum ist, dass man nur finden muss. Sicher, jene, welche gerade in einer Krise stecken, mögen vielleicht die Stirn runzeln. Aber der Autor sagt mit keinem Wort, dass es leicht wäre. Er zeigt vielmehr in ganz vielen Sätzen auf,…

Stell dir vor, es ist Geschichte und keiner hat Bock drauf.
Zum Nachdenken / 5. August 2017

Digitalisierung, Klimawandel, Völkerwanderungen – die Gesellschaft hat es derzeit nicht leicht, wird sie doch von vielen Seiten subtil bedroht. Es passiert schleichend und doch spüren es viele: das Leben, so wie wir es führen, ist auf die Dauer nicht mehr tragbar. Die Ressourcen der Erde werden über die Maßen strapazier – heuer im Jahr 2017 war es der 2. August, der jenen Stichtag markierte, ab dem wir „auf Pump“ leben. Die Digitalisierung – so sehr sie eine Errungenschaft darstellt – ist vielmehr eine Revolution. Doch anders als bei der letzten (der industriellen) werden nicht Jobs verloren gehen und andere geschaffen, sondern diesmal wird der Mensch durch Roboter ein für alle Mal ersetzt. Die Prognosen sprechen davon, dass in absehbarer Zeit 40 % keine Arbeit mehr finden werden. „Jede politische Partei, die jetzt noch Vollbeschäftigung in ihr Wahlprogramm schreibt, arbeitet am Problem vorbei“ – davon ist der Autor überzeugt. Doch es geht um sehr viel mehr. Es geht darum, dass der Kitt, der unsere Nachkriegsgesellschaft zusammenhält, der Konsum ist. Solange die Menschen Befriedigung darin finden, wenn sie sich etwas kaufen, solange wird jeder darauf bedacht sein, dass das System funktioniert, das allen etwas bringt. Doch: nach dem dritten Fernseher lässt das Glückgefühl zwangsläufig nach. Es gibt…

Traut man sich das heute überhaupt noch? Laut nachzudenken?
Zum Nachdenken / 17. Mai 2017

Hans Rauscher ist vielen bekannt als Journalist des Standard. Es ist Vertreter jener Journalistenzunft, die noch Wert darauf legt, dass Fakten doppelt und dreifach auf den Wahrheitsgehalt geprüft werden, bevor sie in einem Medium erscheinen. Dass man aber mittlerweile vieles unter dem fadenscheinigen Argument der „Political Correctness“ nicht mehr sagen darf, obwohl es den Fakten entspricht, das ist etwas mit dem Hans Rauscher seine Probleme hat. Darum hat er auch dieses Buch hier geschrieben, dass sich mit lauter heißen Eisen befasst. Allem voran ist das Thema der Zuwanderung ein roter Faden im Buch, ist sie doch der Grund für ganz vieles, das jetzt nicht mehr so gut läuft, wie früher. Sei es die Politik, die darauf Profit schlägt, sei es generell die Stimmung und die Angst in der Gesellschaft. Man muss schon auch mal den Mut haben in Ruhe darüber zu lesen, bevor man gleich wieder „Zündler“ schreit. Ja, er hat schon Recht, der Hans Rauscher, leicht ist es nicht, über manche Dinge einmal ohne Emotionen zu reden. Natürlich geht es auch um andere Themen, wie beispielsweise die Rechte der Frauen, den Zerfall der EU oder darüber, dass gerade jene, die ständig fordern (z.B. die Gewerkschaften) ebensolche sind, die es…

Roboter sind nicht unbedingt die besseren Menschen.
Zum Nachdenken / 23. April 2017

Mr. Sapien hat sich in einem Strandhaus eingemietet. Er ist in einem desolaten Zustand. Der linke Arm fehlt, die rechte Hand ist nur noch ein simple Greifklaue. Mr. Sapien ist ein alter Roboter, der noch von Menschen gebaut wurde, als diese Spezies noch den Planeten beherrschte. Heute sind sie eine Rarität. Geduldet, aber nicht geschätzt. Und für manche eine Studienobjekt, um jenen Teil zu erforschen, der Robotern irgendwie versagt ist: die Welt der echten, tiefen Gefühle. Das Herrenhaus, zu dem das Strandhaus gehört, wird von einer Roboterfamilie bewohnt und ganz offenbar gibt es auch einen Menschen in diesem Haus. Mr. Sapien erkundet die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner und lernt auch im echten Leben die Protagonisten kennen. Dabei stellt sich bald heraus, dass sich Mensch und Roboter nur in einem unterscheiden: Roboter können ewig leben, wenn sie wollen. Doch in punkto Grausamkeit, Hass und Gier stehen sie sich in nichts nach. Verworren ist die Geschichte von Mary Asimov 3000 und ihrem Bruder Kent, sowie einem weiteren Roboter namens Clarke. Und tragisch jene von Mr. Blackstone, jenem Menschen, der in seinem Sterbebett liegt. Die Geschichte ist düster, aber durchwegs faszinierend, weil sie die Welt aus Sicht der Roboter zeigt. Hier betrinkt…

Der „Weltenerklärer“ denkt über die Ära Trump nach
Zum Nachdenken / 12. Februar 2017

Hugo Portisch ist für mich der beste Geschichtsprofessor, den Österreich hat. Kaum einer kennt die Zusammenhänge so gut und war bei so vielen politischen Weltereignissen hautnah dabei. Will man die Welt verstehen, fragt man am besten den mittlerweile 90jährigen Journalisten. Schon sein Buch „Was jetzt“, das das Grundprinzip der Europäischen Union anschaulich erklärt, hat mich sehr beeindruckt, ja sogar belehrt. In seinem aktuellen Buch „Leben mit Trump“ analysiert er den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten und alle Politiker, die mit ihm die nächsten Jahre bestimmen werden. Und was man da für Gestalten kennenlernt ist alleine schon Grund genug zur Sorge. Nicht nur, dass alle Personen aus dem engen Politik-Kreis von Trump unermesslich reich sind, sie sind auch noch auf ihre Art extrem. Sei es die Bildungsministerin, die Waffen in Schulen befürwortet, oder der General, der jetzt als Verteidigungsminister angelobt wird, obwohl ein Kriterium für den Posten des Verteidigungsministers immer jener war, dass er eine Zivilperson sein müsste. Oder der Mann, der jetzt das Umweltressort leitet und dabei im Wahlkampf nichts anderes im Sinn hatte, als genau jenes Amt kalt zu stellen. Aber Hugo Portisch wagt auch den Blick in die Zukunft und versucht zu analysieren, wo es mit Trump hingehen wird….

Der Mensch im Zeitalter der Überforderung taumelt von einem Kontrollverlust zum nächsten
Zum Nachdenken / 5. Februar 2017

Wir spüren es alle – die Welt gerät mehr und mehr aus den Fugen. Da wird ein gefährlicher Narzisst plötzlich zum Präsidenten der Vereinigten Staaten angelobt. Da beschließt ein ganzes Land in Europa aus dem größten Friedensprojekt der Nachkriegsgeschichte – der EU – auszusteigen. Da stehen von heute auf morgen Zigtausende Menschen vor der Grenze und verunsichern mit ihrer Massenankunft die Bürger. Mit einem Wort: Wir sind überfordert. Und da kommt Gabor Steingart ins Spiel, der zunächst einmal sagt: Nur wer die Überforderung versteht, kann ihr begegnen. Kein Schönreden, kein Augen zu und durch, sondern ein aufmerksamen Hinschauen auf die Gegebenheiten ist gefragt. Und gleichzeitig erinnert er uns daran, sich die „Sensibilität des historischen Hinhörens“ zu erhalten, sprich: sich zu erinnern, was in der Geschichte bereits passiert ist, was funktioniert hat oder eben nicht. Er macht keinen Hehl daraus, dass wir auf dem besten Weg sind, eine Menge zu verlieren. Die Schuldfrage ist ebenso vielschichtig, wie die Frage, warum der Politik zu den aktuellen Themen so wenig einfällt. Und weil es so kompliziert geworden ist, arbeitet der Autor die Probleme nach Kapiteln ab: Amerika (und sein historisches Verschulden am Chaos im Nahen Osten, der uns heute die Terroristen ins Land bringt), Europa (und…

In welchem Glauben findet man Halt?
Zum Nachdenken / 15. Dezember 2016

Rudolf Taschner ist eigentlich Mathematiker. Umso erstaunlicher, dass er sich mit einem Thema beschäftigt, dass so gar nicht mit Formeln belegbar ist – dem Glauben. In seinem Werk nimmt er uns mit auf eine Gedankenreise zu den möglichen Standpunkten des Glaubens: Ist es die Geschichte, an die man glaubt? Oder die Kunst? Ist es die Natur oder die Kirche? Ist es der Genuss oder das Ich? Der Autor zwingt einem dabei keineswegs ein Endergebnis seiner Gedanken auf, sondern lässt vielmehr Raum für die eigenen Gedanken und die Frage: Ja, woran glaubst du eigentlich? Was gibt dir Halt in schweren Zeiten? Was macht dir Mut? Rudolf Taschner führt den Leser unterhaltsam, wertfrei und mit offenem Geist durch die Vielfalt an Glaubensrichtungen, die es einem Menschen ermöglichen, seinem Leben einen Anker zu geben. Ein paar interessante Sätze aus dem Buch: „Man fühlt sich frei, wenn man weder inneren Druck noch inneren Widerstand spürt.“ „Es scheint schwer zu fallen, das Leise zu ertragen, weil es den Horizont der eigenen Existenz allzu intensiv erweitert, die Belanglosigkeit fühlen lässt.“ „Das Gewissen ist das Wissen um das Gute.“ „Der Forschergeist des Menschen will vom Staunen zum Wissen gelangen, von der Ahnung zur Klarheit.“ „Die Geschichte ist mächtig….

Wirtschaftswachstum – ein suizidales Programm
Zum Nachdenken / 5. Dezember 2016

Im Jahr 1968 wurde der Club Of Rome gegründet. Er ist der Zusammenschluss von Experten aus unterschiedlichen Disziplinen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit zu sorgen. Schon 1972, als der erste Report mit dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ herauskam, sorgte der Club of Rome für Aufsehen. Jetzt – fast 45 Jahre – später rüttelt ein neues Buch an den Grundfesten des derzeitigen Systems der freien Marktwirtschaft. Dabei geht es in keiner Weise um Polemik, sondern um fundierte Zahlen, die belegen: das marktradikale Denken hat nicht zum erhofften Wohlstand aller geführt, sondern nur einigen Wenigen Geld in die Tasche gespült. So ist es beispielsweise erwiesen, dass die Löhne zurückgehen. Hinzu kommt, dass wir vor einem veritablen Klimakollaps stehen. Selbst wenn wir sofort damit aufhören würden CO2 in die Athmosphäre zu pusten, würde sich die Erde dennoch um 2 Grad erwärmen. Egal, werden manche sagen, doch die Auswirkungen sind derart dramatisch, dass man daran nicht mehr vorbeischauen kann. Auch das ist Thema des vorliegenden Buches mit dem Titel „Ein Prozent sind genug“. Hauptargument der Experten ist demnach, dass wir dringend aufhören sollten unseren Erfolg am Wirtschaftswachstum zu messen. Besagtes Wachstum – gemessen am BIP…