Geschäft mit der Angst oder: wie schützt man sich vor irrationalen Entscheidungen
Zum Studieren / 10. August 2015

Gerd Gigerenzers Buch räumt auf mit (falsch interpretierten) Statistiken! Von der Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs zu sterben bis hin zur Beweisführung vor Gericht zeigt er anhand unterschiedlicher Darstellung von Fakten, wie eine Statistik zu falschen oder richtigen Ergebnissen führen kann – und das, was da raus kommt ist erschütternd! Die Panikmache vor Brustkrebs, die Frauen massenweise zum Mammografie-Screening treibt, das falsche Ergebnis bei einem HIV-Test, das Menschen in den Tod getrieben hat, die vermeintlich sichere DNA-Probe, die Unschuldige ins Gefängnis bringt. Nichts ist wirklich so sicher, wie es uns vorgegaukelt wird. Und – wie der Autor selbst sagt – schon gar nicht ist es so, dass man zwischen Gewissheit und Risiko entscheidet, wenn man sich dazu entschliesst einen medizinischen Test zu machen oder zu unterlassen. „Es sind immer nur zwei Risiken, zwischen denen wir uns entscheiden“. Das Buch sollten viel mehr Ärzte lesen! Das Einmaleins der Skepsis: Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken von Gerd Gigerenzer, ISBN: 978-3-83330041-7

Wenn Zerstörung zum Leitfaden wird …
Zum Studieren / 4. Juli 2015

Ein deutscher Journalist verbringt ein halbes Jahr in Silikon Valley und macht sich auf die Suche nach dem Geheimnis des Erfolges. Wie kann so unbedeutendes Gebiet nahe San Franzisko so dermaßen innovative Köpfe anziehen und zum Epizentrum allen digitalen Geschehens werden? Wie ist es möglich, dass von dort so viele einschneidene Innovationen zu vermelden sind, Dinge, die die Welt in jeder Hinsicht verändert haben? Apple und Google, um die zwei größten zu nennen, aber auch viele andere, die dort ihren Ursprung hatten. Er zeigt aber auch auf, wo diese Innovationen hinführen und warum sie weder in Deutschland noch sonst wo in Europa hätten entstehen können. Er zeigt die wahrlich zerstörerische Kraft auf, die von jenen ausgeht, die grundsätzlich alles in Frage stellen und verändern wollen, ohne Rücksicht auf Verluste. Es ist einerseits ein posivitives Buch, das nur so vor Energie sprüht, es ist aber auch ein kritisches Buch, mitunter sogar ein Appell, die Dinge mit etwas mehr Skepsis zu betrachten. Wer gewinnen wird, scheint klar zu sein … Silicon Valley: Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt von Christoph Keese, ISBN: 978-3-81350556-6

„In der gläubigen Hingabe an das Netz zeigt sich die Praxis der Unbildung in ihrer religiösen Gestalt“
Allgemein , Zum Nachdenken , Zum Studieren / 15. Februar 2015

Nach der Theorie ist es jetzt also die Praxis der Unbildung, die uns Konrad Paul Liessmann anschaulich darlegt und mit zahlreichen Beispielen untermauert. Die Gutgläubigkeit in das „Netz“, das ja alles Wissen beinhaltet, und wegen dem man sich auch nicht mehr mit totem Wissen belasten muss, ist nur eines von vielen Schaufenstern, in die uns der Autor blicken lässt. Die permanente Messbarkeit von Leistung hat dazu geführt, dass das Angebot eben so aufbereitet wird, dass es messbar wird, sprich: Wissen um seiner selbst willen, ist kein messbarer Begriff, Bildung ohne dass daraus eine Kompetenz entsteht nutzlos. Was sich daraus letztendlich für eine Gesellschaft entwickeln wird, ist nicht absehbar, kann aber mit einigem Argwohn beobachtet werden. Einmal mehr brilliert der Autor mit seinem Wissen und auch seiner Sorge um das Bildungswesen, allen voran die Universitäten, die zu Ausbildungsstätten für die Wirtschaft verkommen. Es mag vielleicht in einigen Punkte allzu pessimistisch dargestellt sein, dennoch ist man angehalten seine Sinne zu schärfen und das Szenario aufmerksam zu verfolgen. So sehr die Praxis der Unbildung um sich greift, mit dem vorliegenden Buch wird ihr ein Stück weit etwas entgegen gehalten. Geisterstunde – die Praxis der Unbildung von Konrad Paul Liessmann, IBSN: 978-3552-05700-5

Könnte ich eine Tasse Wasser durch Umrühren zum Kochen bringen?
Zum Studieren / 4. Februar 2015

Randall Munroe ist ein sehr kluger Kopf – und ein bisschen schräg. Als Roboteringenieur bei der NASA konnte er sein Wissen unter Beweis stellen, doch das alleine genügte ihm nicht. Er wollte, dass die Menschen, die Welt verstehen. Womit er wohl nicht gerechnet hat, waren die Fragen, die die Leute so allgemein an ihn gestellt haben: „Kann man mit einer Atombombe einen Supervulkan zum Erlöschen bringen?“ „Wenn man in luftleerem Raum einen Pfeil abschießt, wie weit fliegt der dann?“ „Wann wird Facebook mehr Profile von Toten als von Lebenden enthalten?“ „Wenn jeder Mensch auf der Welt einen Laserpointer auf den Mond richtet, würde dieser dann seine Farbe verändern?“ „Was wäre, wenn ein Glas Wasser tatsächlich halb leer wäre?“ Also beschloss Randall Munroe kurzerhand selbst die verrücktesten Ideen wissenschaftlich zu hinterfragen und aufzuklären. Mehr noch: damit das ganze besser verständlich ist, zeichnete er Skizzen dazu – Strichmännchen ist prekären wissenschaftlichen Situationen. Das Buch wird jenen gefallen, die gerne wissenschaftliche Bücher lesen und kein Problem damit haben, dass dies mit einer gehörigen Portion schrägen Humor portioniert wird. Sehr spaßig! What if? von Randall Munroe ISBN: 978-3-81350652-5

Zukunft definiert sich dadurch, dass wir nicht mitkommen …
Zum Studieren / 30. Dezember 2013

… sie raubt uns immer den Atem. – das ist eine von vielen Antworten, die uns Matthias Horx in Bezug auf die Zukunftsangst anbietet. Durch seinen lockeren Streifzug mit biografischen Elementen berührt er alle Aspekte des Lebens, die in irgendeiner Weise immer mit der Zukunft zusammenhängen. Sei es die Frage nach dem tieferen Sinn unseres Daseins, die Flucht in das Magische, dem Wesen des Krieges, der Evolution und ihrem Ziel u.v.m. Am Ende der Reise bleibt eine gewisse Entspannung übrig, eine neue Coolness, sofern man erkennt, dass Zukunftsangst nichts anderes als eine Fantasie der Entwicklungen ist, die so eintreten kann, aber nicht muss. Dass man niemals den gesamten Kontext erfassen kann und es daher müßig ist, diesen als Abgrund wahrzunehmen. Ja, man darf sich zurücklehnen und locker nach vorne blicken, denn die Apokalypse findet meist nur in unserem Kopf statt. Dieses Buch wird jenen gefallen, die nicht ihre eigene These von der Zukunft bestätigt sehen wollen, sondern bereit sind einen Schritt zurückzutreten, um einen größeren Blickwinkel zu erfassen. Zukunft wagen von Matthias Horx, ISBN: 978-3-421-04444-0

Du musst hart an dir arbeiten, um deine Gedanken so zu ordnen, dass sie einfach werden …
Zum Studieren / 15. August 2013

Dieses Zitat, das von Steve Jobs stammt, erklärt den Beweggrund von Gerd Gigerenzer ein Buch über das Risiko zu schreiben. Denn – so die Überzeugung des Autors – unsere Welt ist zwar vernetzter geworden, was nicht gleichbedeutend damit ist, dass wir über mehr Wissen verfügen. Denn schließlich ist Wissen nicht Gewissheit, ebensowenig wie Glaube Ungewissheit ist. Dass Finanzsysteme dennoch den Eindruck vermitteln Gewissheit darüber zu haben, wie sich die Wirtschaft entwickelt oder welche Richtung die Börse einschlägt, ist eines von vielen Beispielen anhand denen uns Gerd Gigerenzer vor Augen führt, wie wir systematisch mit falschen Informationen Entscheidungen treffen. Kaum ein Arzt oder ein hochrangiger Manager versteht etwas von Statistik oder darüber, wie man sie zu kommunizieren hat. Da wird mit Zahlen und Prozenten hantiert, ohne ihre Zusammenhänge zu hinterfragen. Da werden im Gesundheitssektor Überlebensraten als Erfolgsmeldung verkauft, ohne über die Sterberate zu sprechen (Stichwort Früherkennung). Wer das Buch liest, braucht kein Mathematiker zu sein, um zu erkennen, was falsch läuft. Und wer das Buch liest, wird nie wieder einfach so auf das Wort seines Arztes oder auf die Empfehlung seines Bankberaters in Sachen Anlageformen vertrauen. Dabei ist das Ziel des Buches nicht, Panik oder Zweifel zu streuen, vielmehr geht es…

Einem Phänomen und Menschenschlag auf der Spur
Zum Studieren / 9. März 2013

Der gemeine Nerd ist als Menschenschlag erst in der jüngeren Geschichte mit diesem Namen etikettiert worden, geben tut es ihn als Phänomen schon seit Anbeginn der Geschichte. In der Antike trat er unter dem Begriff Philosoph verstärkt auf. Archimedes, Heraklit und Diogenes waren nur einige Zeitgenossen, die sich nicht nur durch intelligente Gedanken, sondern auch durch ihr seltsames Gehabe hervortaten. Von mangelner Körperhygiene bis zu seltsamen Essgewohnheiten sind die Parallelen zum uns bekannten Nerd nicht von der Hand zu weisen. Selbst leicht autistische Züge und latent asoziales Verhalten, die dem Nerd nachgesagt werden, waren bei diesen genialen Köpfen festzustellen. Und so weist uns der Autor in seinem wirklich unterhaltsamen und sehr lesbaren Buch durch das Geäst der Zeit, um uns in jeder Epoche mit genialen Nerds bekannt zu machen. Nietzsche, Kant, Wittgenstein, Einstein, Marie Curie – bis hin zu den bekannten Zeitgenossen Mark Zuckerberg, Bill Gates und dem leider verstorbenen Steve Jobs. Auf diese Weise etwas über eine Vielzahl genialer Menschen zu lesen macht Spaß und ist durchaus lehrreich! Nerds – Wo eine Brille ist, ist auch ein Weg von Jörg Zittlau, ISBN: 978-3-548-37464-2

Sechs Stildimensionen, die unser Leben bestimmen
Zum Studieren / 29. August 2012

Warum reagiere ich auf Wendungen, die das Leben bringt anders, als ein anderer Mensch? Warum „hänge“ ich in einer Sache drin, während mein Partner spielend mit einer Situation fertig wird? Warum habe ich das Gefühl, dass mein Leben sich in tausend Bestandteile aufteilt und ich kaum noch den Überblick habe? Und warum grüble ich überhaupt so viel nach? Fragen wie diese waren der Ausgangspunkt des Autors und Forschers, sich dem Thema Emotionen auf eine gänzlich neue Weise zu nähern. Statt wie viele Ratgeber das Heil im Sphärischen zu suchen, hat sich Richard Davidson auf den Weg nach innen gemacht – konkret bis zum Gehirn. Denn – so seine These – absolut alles, was wir fühlen wird dort auf sehr physische Weise produziert. Neuronale Netze verbinden Teile des Gehirns miteinander, denen ganz konrekte Aufgaben – MESSBAR – zugewiesen sind. Der Fluchtgedanke, die körperliche Reaktion, Wut, aber auch gute Gedanken wie etwa Mitgefühl oder Liebe. In gut 20jähriger akribischer Forschungsarbeit mit zahlreichen Feldversuchen hat Davidson letztendlich 6 grundlegende emotionale Stile definiert, in die alle Gefühlsregungen hineinpassen: Resilienz – die Fähigkeit sich schnell oder langsam von belastenden Erlebnissen zu lösen Grundeinstellung – Wie lange können positive Emotionen gehalten werden? Soziale Intuition – Wie…

Schreibst du schon oder stotterst du noch?
E-Book , Zum Studieren / 4. Januar 2012

Glaubt man dem Autor, so werden von den großen Verlagen stets nur die ersten vier Seiten eines Manuskripts gelesen. Gelingt es einem in diesen paar Zeilen nicht, den Lektor zu überzeugen, landet man unweigerlich auf dem Stapel mit dem großen „P“ für Papierkorb. Aus den Fehlern anderer zu lernen ist eine sehr effiziente Möglichkeit seine eigenen Fehler schonungslos aufzudecken – oder aufgedeckt zu bekommen. So hat der der Autor zahlreiche Seiten verschiedenster Manuskripte auf Lager in dem veranschaulicht wird, • dass Rückblenden den Leser herausreißen • dass es ohne Konflikte keine Spannung gibt • das Adjektive und Adverben den Text verwässern • dass die Beschreibung des Hintergrunds nicht die Geschichte ist, die den Leser interessiert usw. Darüber hinaus gibt es am Ende des Buches ein Lexikon mit Fachbegriffen aus der Schreibstube wie z.b. Protagonist/Antagonist, Cliffhanger, Flashback, Drehbuch, Braiden, Hook, Infodump, u.v.m. Damit man aus dem ganzen auch wirklich was lernt, lädt der Autor zusätzlich ein, Übungen zu machen. Mal gilt es den eigenen Text (sofern man einen besitzt) nach bestimmten Kriterien zu durchsuchen und umzuschreiben, mal lautet die Aufgabe einen Manuskript-Text zu verbessern, dann wieder beschäftigt man sich eingehend mit den Figuren und schreibt deren Lebensläufe als Übung. Das Buch…

Warum die Welt 2012 nicht untergehen wird – vermutlich
Zum Studieren / 26. Dezember 2011

Allein schon der Titel des Buches ist verlockend, stellt sich doch jeder, der sich für das Thema Weltuntergang ein wenig interessiert die Frage, ob und vor allem wann es mit unserer Welt wohl zu Ende gehen wird. Thomas Grüter versucht den Zugang zum Thema auf drei Arten: Die Religion, die Philosophie/Psychologie und die Wirklichkeit. Dabei muss ganz ehrlich gesagt werden, dass die Kapitel 1 und 2 wohl eher trocken sind, gespickt mit Namen, Göttern und Zeitaltern, die man sich unmöglich merken kann. Der dritte Teil hingegen ist es wert gelesen zu werden, denn da werden die möglichen Untergangsszenarien, im Detail beschrieben und nach einer Wahrscheinlichkeitsskala bewertet. Eingeteilt wird in zwei Gruppen – dem Grad der Zerstörung (vom Ende der Kultur, bis zum Ende der Welt) – und der Wahrscheinlichkeit des Eintretens (von 0,5 Prozent innerhalb der nächsten 100 Jahre bis zu mehr als 50 Prozent). Und so mag es wohl kein Wunder sein, dass die größte Gefahr von uns selbst ausgeht, nämlich die nukleare Katastrophe, die es zumindest schaffen kann die Menschheit zu vernichten (wenn auch nicht die Welt!). Ein Meteoriteneinschlag würde demnach zwar die Erde vom Himmel fegen, ist aber nach der Wahrscheinlichkeitsskala eher undenkbar… Wer sich also vom…