Spitzenthriller aus dem Gerichtssaal

Richter Rusty Sabich sitzt vor dem Bett seiner Frau – seiner toten Frau. Er sitzt dort über 20 Stunden ehe er seinen Sohn darüber informiert, dass seine Mutter tot ist …
Nach diesem dramatischen Prolog beginnt die eigentliche Geschichte gut 17 Monate vorher und wird von den verschiedenen Protagonisten geschildert. Einmal aus Sicht von Rusty Sabich, einmal aus Sicht einer jungen Frau names Anna, einmal aus Sicht des Sohnes, dann des Staatsanwalts. Auf diese Weiser verknüpfen sich die Ereignisse und steuern auf das Ende zu, dass dann ganz anders ist als erwartet. Unterstützt wird dieser Schreibstil durch eine Zeitleiste am Kopf jedes Kapitels, die ersichtlich macht, zu welchem Zeitpunkt dieses oder jenes Ereignis stattfand, das letztendlich zu einem Jahrhunderprozess führen wird, und genau das ist es, was dieses Buch so spannend macht: Es ist als würde man zwei Gewitterzellen sehen, die sich nähern, um sich an einem bestimmten Punkt zum Jahrhundert-Unwetter zu vereinen.
Ich habe die Vorgeschichte „Aus Mangel an Beweisen“ nicht gelesen, was nicht unbedingt ein Nachteil ist, weil man trotzdem erfährt, warum Richter Rusty Sabich und Staatsanwalt Tommy Molto eine gewisse Hass-Liebe verbindet. Allerdings zieht sich eben diese Vorgeschichte wie ein roter Faden durch das Buch und man fragt sich als „Unwissender“ unweigerlich, was denn damals eigentlich genau passiert ist.
Das Buch ist unglaublich spannend von der ersten Seite weg. Genau so stelle ich mir einen Gerichtsthriller vor. Ich werde mir auf alle Fälle das erste Buch auch noch besorgen, damit ich endlich weiß, warum es der Justiz bis heute nicht gelang Rusty Sabich einen Mord zu beweisen.

Der letzte Beweis
von Scott Turow, ISBN: 978-3-89667424-1

Gute Gefühle können zur Gewohnheit werden …

… das ist nur eine von vielen „Lebensweisheiten“, die der Autor für uns parat hat. Das Schöne daran ist, dass man diese Sätze einfach annehmen kann, weil sie eben nicht wie eine Weisheit daherkommen, sondern ganz beiläufig geschrieben stehen. Eckart von Hirschhausen hat mit seinem Ratgeber einen Spagat geschafft. Er hat ein Buch zu einem Thema geschrieben an dem sich andere schon die Zähne ausgebissen haben, eben WEIL er es locker angegangen ist. So ist die Grafik des Buches schon eine Besonderheit für sich. Der Autor selbst fordert uns dazu auf, das Buch zu benutzen – also die darin enthaltenen Bastelbögen rauszuschneiden und zu verwenden. Darüber hinaus portioniert er das Thema Glück in Bereiche, in denen sich jeder da oder dort wiederfindet. Vom Glück, das man mit anderen teilt, über das Glück, das per Zufall kommt bis zum Glück, das durch Nichts-Tun entsteht: der Blickwinkel auf ein und das selbe Thema ist immer ein anderer und die Perspektiven sind oftmals überraschend.

Ein Satz hat es mir ganz besonders angetan: „Auf die Dauer nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an.“ – Na bumm: wer da noch finster denken kann ohne ein schlechtes Gewissen zu haben …
Da kam mir der abschließende Gedanke des Autors gerade recht: „Beginne den Tag mit einem Lächeln, dann hast du es hinter dir.“
In diesem Sinne – das Buch zu lesen OHNE zu lächeln, ist unmöglich. Es ist ein Glückgriff in jeder Hinsicht.

Glück kommt selten allein
von Eckart von Hirschhausen, ISBN: 978-3-49802997-5

Mein Leben geschieht, ob ich mir nun Sorgen mache oder nicht …

Es ist eine ganz besondere Reise auf die wir uns mit Henry N. Brown begeben: Zum einen eine Reise durch die Zeit – beginnend mit der Geburtsstunde des kleinen Bären mit „annähernd brauner Farbe“ im Jahr 1921. Zum anderen eine Reise durch viele Länder Europas beginnend mit dem viktorianischen England über das kriegerische Deutschland bis hin zu Ungarn kurz vor dem Fall des eisernen Vorhangs. Aus den Augen eines Bären betrachtet erleben wir dabei nicht nur eine ganz besondere Studie der menschlichen Seele – wer sonst kommt so nah an die Gefühle eines Menschen ran, als ein Teddybär – wir erleben auch Schicksale, die berühren, An- und Einsichten, die uns nachdenklich machen können und nicht zuletzt: wir erleben, was die Liebe ist – für Menschen und für Teddybären!

Das Buch werden jene mögen, die „Lachen und Weinen“ in einer Geschichte vereint wissen wollen. Es ist manchmal brutal, weil das Leben nicht in Watte gepackt ist. Es ist manchmal herzlos, weil das Leben auch Enttäuschungen bereithält. Es steckt voller Überraschungen, weil das Leben eben keine geradlinige Autobahn ist. Es steckt voll Liebe, weil die Geschichte des Bären einen ganz besonderen Schatz in sich birgt …
Das Buch ist ein absolutes Highlight!

Das unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown
von Anne Helene Bubenzer, ISBN: 978-3-85179028-3

Die Ewigkeit ist eine immerwährende Wohltat …

… diese Erkenntnis hat Molly Marx, die kürzlich verstorben ist, erst am Ende des Buches. Bis es jedoch so weit ist, muss sie herumgeisternder Weise herausfinden, was genau sie in diese „Lage“ gebracht hat. Und so begleiten wir als Leser ihre Reisen zu den Hinterbliebenen, erfahren nach und nach mehr von Molly Marx, als sie noch unter den Lebenden weilte, lachen mit ihr, trauern mit ihr, ärgern uns mit ihr und freuen uns mit ihr – kurzum: Wir er“leben“ eine Geschichte, der es an nichts mangelt.
Dieses Buch werden jene mögen, die David Safiers „Mieses Karma“ geliebt haben. Es ist warmherzig, kurzweilig, gut geschrieben und wenn man das Buch fertig gelesen hat, ruft es jenes Gefühl hervor, das nur wirklich gute Bücher erzeugen können: „Schade, dass es schon zu Ende ist“

Ich, Molly Marx, kürzlich verstorben

von Sally Koslow, ISBN: 978-3423247252

Lässt die Herzen bibliophiler Menschen höher schlagen

Das Buch ist ein echtes Sammlerexemplar. Nicht nur, dass es in einer limitierten Auflage von 7.777 Stück erschienen ist, auch die Verarbeitung ist vom Allerfeinsten. Weicher Ledereinband, zwei verschiedenfärbige Kapitelbänder, dünnes Bibelpapier, Goldprägung, hochwertiger Schuber, die obligate Karte, die am Ende des Buches eingesteckt ist – all das zeugt von höchster Qualität, wie sie eben nur von echten Bücherliebhabern erkannt und geschätzt wird.
Wer das Buch nur lesen will, soll sich die grüne Taschenbuchausgabe kaufen. Wer das Buch aber BESITZEN will, es sein eigen nennen will – seinen Schatz! – ja, der sollte sich schleunigst ein Exemplar sichern, bevor die limitierte Auflage weg ist.

Herr der Ringe, Sammlerausgabe
von J.R.R. Tolkien, ISBN: 978-3608938302

Die Wahrheit ist das, was die Mehrheit dafür hält …

Don Salvador ist ein betagter Herr, der auf einem Flughafen Putzdienst macht. Hauptsächlich unterhält er jedoch die Fluggäste mit seinen Geschichten, die – so scheint es – allesamt wahr sind. Nicht wenige davon haben sogar an diesem Flughafen ihren Anfang oder ihr Ende genommen. Und so begleitet der Leser den sympathischen Geschichtenerzähler von Kapitel zu Kapitel in denen Liebesgeschichten, Reisegeschichten, Gar Abenteuerliches und manchmal Verwirrendes erzählt wird.
Bis sich schließlich am Ende die wahre Identität von Don Salvador entpuppt …

Das Buch ist ein Kleinod unter den Romanen, das sich schleichend das Herz des Lesers erobert, bis man am Ende traurig darüber ist, dass man nicht noch mehr Geschichten erfährt. Für mich reiht sich der Roman in die Liga einer „Bücherdiebin“ oder eines „Firmin“ ein, allesamt Bücher mit einem Hauch Melancholie und Wehmut. Das Buch eignet sich mit Sicherheit ganz wunderbar als Lektüre, wenn man auf einem Flughafen sitzt und darauf wartet, dass die Reise endlich los geht … sehr empfehlenswert!

Salvador und der Club der unerhörten Wünsche
von Alberto Torres Blandina, ISBN: 978-3-42104448-8

An der Sprache können wir unsere Zeit studieren …

Dieses Buch ist keine Lesebuch sondern ein Schleifstein. Stück für Stück wird die Oberfläche unserer Muttersprache von grammatikalischen Fehlern und irregeleiteten Wörtern gesäubert, bis der Blick frei ist auf die vollkommene Schönheit dessen, was man Ausdrucksweise nennt.
Der Autor schafft es im Leser eine subtile Schwingung zu erzeugen, die uns empfänglicher macht für das was gutes Deutsch ausmacht – oder eben verhindert.
Und während wir uns im Alltag damit begnügen kurze Mitteilungen via SMS zu versenden, während E-Mail Verkehr dem in einer Großstadt immer ähnlicher wird, erhebt Wolf Schneider mit einem Zwinkern den mahnenden Zeigefinger und gebietet uns doch ab und an innezuhalten und den Sinn des soeben Gelesenen zu hinterfragen.
Dieses Buch wird jenen gefallen, die Sprache mögen, für die Worte nicht einfach nur Hülsen sind, sondern Häuser in denen Leben herrscht. Bücher wie diese sollten im Deutschunterricht Pflichtlektüre sein. Es ist erfrischend und überaus lesenswert.

Gewönne doch der Konjunktiv
von Wolf Schneider, ISBN: 978-3-49962463-6

Sinn kann (nur) gefunden werden

Mit diesem ersten Band einer längereren Reihe gewährt uns die Autorin einen ersten Einblick in die Logotherapie nach Viktor Frankl. Sie beleuchtet dabei hauptsächlich den Aspekt der Depression und wie sich diese nicht nur selbst in den letzten Jahren verändert hat, sondern wie sich auch die Therapien verändern.

Anhand anschaulicher Beispiele erläutert sie die Unterschiede zwischen endogener Depression (jemand KANN aufgrund fehlender Neurotransmitter nicht mehr nach dem Sinn suchen), reaktiver Depression (jemand WILL nicht mehr nach dem Sinn suchen – meist nach einem Verlusterlebnis), neurotische Depression (jemand sucht nach dem FALSCHEN.) Die noogene Depression (der Mensch sieht, dass er nicht seinem ureigensten Wesen gemäss leben) nach Frankl hingegen ist jenes geistige Vakuum, wenn man einfach keinen Sinn mehr sieht. Das können ältere Menschen sein, die nicht mehr wissen, wozu sie gut sind, das können auch Menschen sein, die lange arbeitslos sind oder jene, denen mehrere Schicksalsschläge den Glauben daran genommen haben, dass das Leben überhaupt Sinn macht. Man könnte es auch Wertevakuum über einen längeren Zeitraum nennen.
Elisabeth Lukas zeigt dem interessierten Leser nicht nur die Unterschiede, sondern auch die Wege aus der jeweiligen Problematik und offenbart uns damit einen neuen und überaus sympathischen Zugang zur Psychotherapie.

In vielen sehr schönen Phrasen offenbart sich uns das Menschenbild, das Viktor Frankl geprägt hat:
„Lebenssinn kann nur gefunden werden, wie man eine Blume am Wegrand findet – man muss danach Ausschau halten.“
„Glück ist ein Nebeneffekt eines sinnumwobenen Wirkens.“
„Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Leben muss man es aber vorwärts.“
„Man muss sich von sich selbst nicht alles gefallen lassen.“
„Jeder Beruf verlangt ein inneres Bei-der-Sache-sein – eine Präsenz mit Kopf und Herz.“
„Die Verwirklichung von schöpferischem Wert, Erlebniswert und Einstellungswert ergibt ein Leben voller Sinnbezüge.“

Das Buch wird jenen gefallen, die sich mit der menschlichen Psyche auseinandersetzen wollen – sei es, um sich selbst zu helfen – oder anderen. Es ist leicht verständlich, bedarf keiner Vorkenntnisse umd macht Lust darauf, sich vertiefend auf die Materie einzulassen.

Wertfülle und Lebensfreude / Logotherapie bei Depressionen und Sinnkrisen
von Elisabeth Lukas, ISBN: 978-3-89019612-1

Mache Dinge passieren deshalb, weil man sich auf sie konzentriert und sie damit ins Zentrum des Bewußtseins rücken …

Ein dramatischer Wetterumschwung kündigt in Neuseeland einen nie dagewesenen Kälteeinbruch an – die südliche Hemisphäre scheint in Schnee und Eis zu versinken. Jon Foster, Wetterfrosch bei einem lokalen Fernsehsender, wird zudem in einen dubiosen Fall verwickelt, bei dem es um einen Wissenschaftler geht, der angeblich Experimente mit den Gedanken der Menschen gemacht hat. Dass ausgerechnet Foster darin verwickelt wird hat gute Gründe: er selbst war einmal Teil eines solchen Forschungsteams. Bald schon geraten die Dinge in allen Richtungen aus dem Ruder: das Wetter spielt verrückt, ein Wissenschaftler stirbt in einem Isolationstank, ein scheinbar Verrückter glaubt mit einem Cloudbuster das Wetter beinflussen zu können und eine Großmacht versucht eine Waffe zu entwickeln, die bald schon eine Gefahr für den Planeten darstellt…

Bernd Steinhardts Thriller erinnert in seiner visionären Art stark an Frank Schätzings „Der Schwarm“. Auch wenn es in diesem Buch nicht um eine außerirdische Lebensform geht, so spielt doch eine bestimmte Lebensform eine große Rolle – die unseres Bewusstseins und was wir damit (mehr oder weniger absichtlich) verändern.
Wir hören von primordialer Lebensenergie (die ursprünglichste Form von Energie). Wir hören von Hirnwellen des Planeten und letztendlich vom Quellcode unsere Bewusstseins. Die These: das Bewusstsein ist kein Empfänger sondern ein Sender und was der Mensch damit anzurichten vermag, wird in diesem Buch nur allzu anschaulich dargestellt …

Ich bin zutiefst beeindruckt von den Theorien mit denen hier ein überaus spannender Plot geschrieben wurde. Ständig musste ich nebenbei in Wikipedia nachlesen, was von diesen Theorien wahr ist, nur um festzustellen, dass sie erschreckend real sind.
Ich kann nur hoffen, dass so etwas nie Realität wird, obwohl es durchaus realisierbar zu sein scheint.
Wer sich also mit einer Verschwörung der ganz neuen Art auseinandersetzen möchte, dem ist dieses Buch wärmstens zu empfehlen.

Impact
von Bernd Steinhardt, ISBN: 978-3-47135035-5

Phänomen Facebook: Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt

Facebook hier, Facebook da – unser Leben scheint ohne das virtuelle Pendant nicht mehr vollständig zu sein. Zwei Millionen Österreicher (25 %) und knapp zehn Millionen Deutsche (12 %) haben eine Facebook-Identität. Dabei ist die Mehrzahl der User 13 bis 30 Jahre alt! Und der Großteil von ihnen veröffentlicht Privates und vor allem private Meinungen ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Kaum einer hatte bis vor kurzem eine Vorstellung davon, wie transparent diese virtuelle Welt eigentlich ist. Erst als die ersten Probleme auftraten (jemand verlor seinen Job wegen abfälliger Bemerkungen, ein Schüler konnte seine Matura nicht machen, weil er sich negativ gegenüber einem Lehrer geäußert hat und am schlimmsten: ein 17jähriges Mädchen fiel einem Triebtäter zum Opfer), sickerte es schön langsam durch: was immer man in Facebook veröffentlicht ist NICHT GEHEIM!
Jakob Steinschaden analysiert in seinem Buch den Werdegang von Facebook, seine Stärken gegenüber anderen Portalen, seinen Konkurrenzkampf gegen Google, seine Machtposition aufgrund der vielen Daten der User, die weltweit gesammelt werden und nicht zuletzt die großen Gefahren, die sich hinter dem sozialen Netzwerk verbergen.

Wer bislang vertrauensvoller User auf Facebook war, sollte das Buch ebenso lesen, wie jemand, der aufgrund des sozialen Drucks in die Situation gerät Mitglied im größten sozialen Netzwerk der Welt werden zu müssen.
Es ist sachlich, fachlich fundiert und zeigt beide Seiten der Medaille auf.
Am Ende des Buches werden die Nutzungsbedingungen von Facebook auch noch im Detail erläutert, damit keiner mehr sagen kann, er hätte nicht gewußt, worauf er sich einlässt.

Phänomen Facebook
von Jakob Steinschaden, ISBN: 978-3-80007488-4