In Paulstadt gibt es einen Friedhof, den alle nur „das Feld“ nennen. Hier liegen sie – die Gründerväter, die Altvorderen, jene, die den Aufstieg und Fall von Paulstadt in großen und kleinen Katastrophen miterlebt haben. Ein Mann sitzt auf einer Bank und blickt über das Feld. Er glaubt, die Stimmen der Verstorbenen hören zu können und lauscht ihren Erinnerungen von der Kindheit, von ihren Begegnungen, von ihrem Sterben. Und...

Wann immer irgendwo in der westlichen Welt ein terroristischer Anschlag verübt wird, herrscht Entsetzen und die planke Angst. Die Bösewichte sind schnell definiert und werden fortan als Achse des Bösen bezeichnet, gegen die zu Felde gezogen wird. Doch blickt man genauer hinter die Beweggründe, so kommt stets das Selbe zutage. Allen Anschlägen geht eine lange Leidensgeschichte voraus und wirklich immer haben die Amerikaner ihre Finger dran. I...

Dem Tod ein Schnippchen schlagen, das scheint ein anhaltender Trend zu werden. Fitness, Wellness, Vorsorgemedizin, Rundum-Checks, Tracker, Apps, die unsere Gesundheit überwachen. „Viele, die vom Gesundheitswahn erfasst wurden, sind trotzdem gestorben“, meint die Autorin Barbara Ehrenreich lapidar. Und dann erklärt sie uns, wie sinnlos dieser Versuch eigentlich ist, mit aller Gewalt das Leben verlängern zu wollen oder sich Zeit seines Leben...

Künstliche Intelligenzen umgeben uns bereits. Der Schachcomputer der Menschen besiegt. Eine Suchmaschine, die alles findet, was wir als Frage in das Suchfeld eingeben. Ein Handy-Assistant, der auf sprachliche Befehle reagiert. Alexa. Und doch ist das den Menschen nicht genug. Sie wollen eine Intelligenz erfinden, die in allen Belangen und in jedem Bereich um Welten klüger ist als wir. Eine Superintelligenz eben. Dass dies durchaus das letzte gr...

Den Pessimisten unter uns ist klar, dass die Welt vor die Hunde geht. Beginnend bei der Ausbeutung unseres Planeten bis hin zu Digitalisierung, die uns als Menschen ohnehin obsolet macht. Optimisten bejubeln die Innovation, das Disruptive an der Veränderung, das endlich alle Grenzen sprengt und uns frei macht. Und die Denker? Die versuchen diese beiden Komponenten gegenüberzustellen und einen möglichst realitätsnahen Konsens zu erkennen. Rich...

Donald Trump kann es selber nicht glauben. Gerade eben wurde der zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Das war beileibe nicht sein Plan. Er wollte einfach nur die Bekanntheit und das Getöse nutzen, um sich selber noch bekannter zu machen – um Geld damit zu machen. Jetzt hat er plötzlich politische Verantwortung am Hals, sollte nachdenken, sich informieren, lesen. Nichts davon ist seine Stärke. Das Lesen nicht, das nachde...

 … unter diesem Aspekt lehrt uns der Autor den Blick zu schärfen, für die Veränderungen, die in unserem „System“ passieren. Gemeint ist damit im kleineren Sinn das Wirtschaftssystem, das aber nicht isoliert betrachtet werden kann, weil es ja Teil eines Gesellschaftssystems ist und das wiederum ist Teil eines Ökosystems. Denn, so der Autor, alles hängt immer irgendwie zusammen. Systeme haben generell ein gewisses Talent zur Selbstrep...

Andreas Hock könnte man als depressiven Menschen einstufen. Und es ist auch kein Wunder, beschäftigt er sich doch mit dem Niedergang eines der wichtigsten Kulturgüter überhaupt: der Sprache. Die Anglizismen sind es diesmal, die ihm Sorgen bereiten, weil sie sich nicht nur in Wörtern wie „cool“ längst in unseren Wortschatz eingebrannt haben, sondern weil sie neuerdings die Speisekarten jedes Gasthauses verfremden, sodass man nich...

Wir befinden uns am Ende einer Epoche. Es ist dies der Übergang in eine neue Zeit. Die alles verändernde Technologie, das schnelle Wachstum der Weltbevölkerung, die Klimaveränderung … Veränderungen dieser Dimension machen Angst und bringen Unsicherheit, weil man sie spürt, ohne sie greifen zu können, ohne zu verstehen, dass dieser Übergang auch ein Bereich voller Chancen ist. Nathalie Knapp erklärt anhand von Vergleichen mit der Natur...

„Anstand ist der Sinn für Gerechtigkeit, ein grundsätzliches Gefühl für Solidarität mit anderen Menschen, für Fairness, also für den Gedanken, dass man sich an die Regeln auch dann hält, wenn grad keiner hinguckt.“ So steht es ziemlich am Anfang von Axel Hackes Buch, in dem er den Versuch unternimmt, diesem Begriff ein Fundament zu geben. Denn – so scheint es – der Anstand gerät zusehends in Vergessenheit. Was die G...

Für bibliophile Menschen und solche, die es werden wollen
Für Bücherliebhaber / 1. Januar 2011

Das Buch ist kein Lesebuch im klassischen Sinn. Es ist vielmehr eine Hommage. Ein Loblied auf das gedruckte Werk, das Jahrhunderte überdauert hat und man dem man sich – als Jäger und Sammler – wahrlich ein ganzes Leben lang beschäftigen kann. Umberto Ecos Bibliothek führt 30.000 Exemplare und kann ohne Zweifel als eine unglaubliche Sammlung einer Privatperson angesehen werden. Mit diesem Buch gibt der Autor zum Einen Ein...

Sehnsucht nach einem anderen Leben?
Zum Zeitvertreib / 1. Januar 2011

Peter Mayle und seine Frau sind Engländer und dementsprechend anspruchslos, was Wetter und Essen anlangt. Für sie muss es wohl eine Offenbarung gewesen sein, als sie sich entschlossen in der Provence ein kleines Häuschen zu kaufen, um fortan dort zu leben. Mit ungemeinem Charme und Humor schildert der Autor ein Jahr voller Umbrüche – im wahrsten Sinne! Das Haus bedarf Renovierungsarbeiten, was sich als ganz und gar langwierige...

Ein Weg aus der Midlife Crisis
Für die Seele / 29. Dezember 2010

Man weiß ja nie genau, wann sie einen erfasst, die Midlife Crisis. Manche erwischt es früher, andere später. Aber eines ist klar: wenn man sich mit dem WARUM? nicht auseinander setzt, dauert sie länger! Ich habe das Buch genau zur rechten Zeit gefunden – die Frage nach dem WARUM BIN ICH HIER? wird beispielsweise mit einer sehr interessanten Gegenfrage konfrontiert: „WAS SOLL VON DIR BLEIBEN? Und damit ist man auch schon ...

Eine Geschichte so wild wie das Land
Zum Zeitvertreib / 29. Dezember 2010

Eine Frau flieht vor ihrem Schicksal und landet am Ende der Welt – in der Normandie. Hier weht der Wind rauer als es im Leben überhaupt möglich ist und das Meer nimmt sich, was ihm passt. Genau der richtige Ort um zu trauern und zu sich zurückzufinden. Eines Tages steht ein Fremder im Ort und erkundigt sich nach einer Geschichte, die 40 Jahre zurückliegt. Damals starb eine Familie in den tückischen Strömungen, angeblich, wei...

Fröhliche Niedergeschlagenheit
Zum Heulen / 29. Dezember 2010

Zu Beginn des Buches war ich skeptisch, weil ich eigentlich nichts über den 2.Weltkrieg lesen wollte. Und die Erzählweise ist mir im ersten Teil des Buches auch zu „distanziert“ – ja, der Tod blickt einem über die Schulter und beschreibt was er sieht. Doch dann verdichtet sich alles. Menschen, die man zu Beginn für herzlos hielt, zeigen menschliche Züge, und ehe man sich’s versieht lebt man mittendrin in ein...

Spitzenthriller aus dem Gerichtssaal
Zum Nägel kauen / 26. Dezember 2010

Richter Rusty Sabich sitzt vor dem Bett seiner Frau – seiner toten Frau. Er sitzt dort über 20 Stunden ehe er seinen Sohn darüber informiert, dass seine Mutter tot ist … Nach diesem dramatischen Prolog beginnt die eigentliche Geschichte gut 17 Monate vorher und wird von den verschiedenen Protagonisten geschildert. Einmal aus Sicht von Rusty Sabich, einmal aus Sicht einer jungen Frau names Anna, einmal aus Sicht des Sohnes,...

Gute Gefühle können zur Gewohnheit werden …
Für die Seele / 26. Dezember 2010

… das ist nur eine von vielen „Lebensweisheiten“, die der Autor für uns parat hat. Das Schöne daran ist, dass man diese Sätze einfach annehmen kann, weil sie eben nicht wie eine Weisheit daherkommen, sondern ganz beiläufig geschrieben stehen. Eckart von Hirschhausen hat mit seinem Ratgeber einen Spagat geschafft. Er hat ein Buch zu einem Thema geschrieben an dem sich andere schon die Zähne ausgebissen haben, eben ...

Mein Leben geschieht, ob ich mir nun Sorgen mache oder nicht …
Zum Heulen / 26. Dezember 2010

Es ist eine ganz besondere Reise auf die wir uns mit Henry N. Brown begeben: Zum einen eine Reise durch die Zeit – beginnend mit der Geburtsstunde des kleinen Bären mit „annähernd brauner Farbe“ im Jahr 1921. Zum anderen eine Reise durch viele Länder Europas beginnend mit dem viktorianischen England über das kriegerische Deutschland bis hin zu Ungarn kurz vor dem Fall des eisernen Vorhangs. Aus den Augen eines Bär...

Die Ewigkeit ist eine immerwährende Wohltat …
Zum Lachen / 23. Dezember 2010

… diese Erkenntnis hat Molly Marx, die kürzlich verstorben ist, erst am Ende des Buches. Bis es jedoch so weit ist, muss sie herumgeisternder Weise herausfinden, was genau sie in diese „Lage“ gebracht hat. Und so begleiten wir als Leser ihre Reisen zu den Hinterbliebenen, erfahren nach und nach mehr von Molly Marx, als sie noch unter den Lebenden weilte, lachen mit ihr, trauern mit ihr, ärgern uns mit ihr und freuen ...

Lässt die Herzen bibliophiler Menschen höher schlagen
Für Bücherliebhaber / 23. Dezember 2010

Das Buch ist ein echtes Sammlerexemplar. Nicht nur, dass es in einer limitierten Auflage von 7.777 Stück erschienen ist, auch die Verarbeitung ist vom Allerfeinsten. Weicher Ledereinband, zwei verschiedenfärbige Kapitelbänder, dünnes Bibelpapier, Goldprägung, hochwertiger Schuber, die obligate Karte, die am Ende des Buches eingesteckt ist – all das zeugt von höchster Qualität, wie sie eben nur von echten Bücherliebhabern e...