Alles ist eine Frage der Wollensstärke

Sie sind zurück – die Schafe von Glenkill und mit ihnen eine weiterer unheimlicher Mord, der nur mit einer Menge „Wollenstärke“ gelöst werden kann. Nachdem George der Schäfer lt. Testament verfügt hat, dass die Schafe die Welt sehen sollen, hat sich Rebecca (die Tochter des Schäfers und seine Nachfolgerin) mit der Herde nach Frankreich aufgemacht. Hier finden sie auf einem Chateau ein Winterquartier. Bald schon stellt sich heraus, dass der angrenzende Wald ein Untier beherbergt – einen Loup Garou, zu deutsch Werwolf. Und es dauert auch nicht lange, bis das erste Opfer zu beklagen ist. Miss Maple, Mopple the Whale, Sir Richard, Cloud und der Rest der witzigen Schafherde leisten wieder allerschwerste Detektivarbeit, bei der ihnen diesmal auch Ziegen tatkräftig unter die Hufe greifen. Der zweite Roman von Leonie Swann schließt nahtlos an den ersten an, hat wiederum jede Menge Witz, Charme und Schafsweisheiten zu bieten und ist ein echter Lesespaß.
Ich warte schon mit Freude auf einen weiteren Band, den es hoffentlich geben wird.

Zeit, die nicht den Uhren gehört …

… Gedanken, die nichts müssen, aber alles dürfen, das ist „Innehalten“, wie Alfred Komarek es versteht. Und schon auf den ersten Seiten erfasst einen die Sehnsucht nach der Untätigkeit, der ultimativen Stille, die – wie der Autor es treffend nennt – extrem störanfällig ist. Innehalten heißt nichts zu tun und vieles geschehen zu lassen, erst gar nicht den Versuch zu starten, der Zeit nachzulaufen …
Und so begleiten wir den sprachgewandten Autor durch seine Gedankenwelt, hören von Kindheitserinnerungen ebenso wie von Uhren und von Wörtern, die „so schlabbrig sind wie ein Jogging-Anzug“ – eben Heiteres, Satirisches und bisweilen Verärgertes.

Anstiftung zum Innehalten

von Alfred Komarek, ISBN-13: 978-3-22213297-1

Wer die Wahrheit liebt, bildet sich niemals ein sie zu besitzen

Richard D. Precht schafft es auch in seinem dritten Buch dem Leser auf recht spannende Weise den philosophischen Spiegel vorzuhalten. Diesmal entführt er uns in die moralische Ecke unseres Daseins und fragt: Ist der Mensch von Natur aus Gut oder Böse? Woher kommt das Gefühl das wir gemeinhin als „menschlich“ bezeichnen? Fürsorge, Mitgefühl, Altruismus, Hilfsbereitschaft …
Und: was hat sich daran in den letzten Jahrzehnten geändert?
Die Reise führt uns weit zurück bis zu den Urphilosophen der Antike, deren Erkenntnisse bis zum heutigen Tag nichts von ihrem Aktualitätswert eingebüsst haben. Aber – und das ist die herausragende Stärke des Autors – er bezieht auch die Biologie und Soziologie der Gegenwart in seine Gedanken mit ein. Dabei lässt er am Ende jedes Kapitels genug Fragen offen, über die sich der Leser selbst Gedanken machen kann.
Besonders den letzten Teil des Buches fand ich sehr spannend, denn hier versuchte Richard Precht sich als echter Vordenker und Visionaer, wenn er sich Gedanken ueber die Demokratie als Gesellschaftsstruktur macht. Durchaus kritisch aber niemals ohne Hoffnung und schon gar nicht polemisch zeigt er auf, was falsch läuft und wie es besser sein könnte.
Menschen wie er haben das Talent einem alles ins Gesicht zu sagen, ohne dass man sich beleidigt fühlen muss.

Ein paar Zitate:
Egoist ist man nicht selbst. Das sind immer die anderen.
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Der souveraene Gebrauch der Sprache schliesst die Kunst des Schweigens mit ein.
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Was Wahrheit ist, ist eine Frage der Erkenntnis.
Was Moral ist, eine Frage der Erfahrung.
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Wenn wir schlau sind, lernen wir unsere Begierden und unsere Einsichten in Einklang zu bringen.
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Ein erfuelltes Leben ist an ein positives Selbstbild gebunden.

Die Kunst, kein Egoist zu sein
von Richard D. Precht, ISBN-13: 978-3-442-31218-4

Das A bis Z der Berufe, von denen wir noch nie gehört haben …

… von Barometermachern und Drahtziehern, von Planetenverkäufern und Seifensiedern – das Kompendium entführt uns auf eine Reise in die Vergangenheit, die bei genauerer Betrachtung noch gar nicht so lange her ist. Es ist ein spaßiger Ausflug, bei dem wir in lexikonartiger Form alte Berufe erkunden können. Ergänzt wird das Werk durch zahlreiche alte Kupferstiche und Bilder, die altes Handwerk wieder zum Leben erwecken.

Verschwundene Arbeit
von Rudi Palla, ISBN-13: 978-3-85033-327-6