Die Situation hat ihre Autorität verloren, wenn jemand pupst

Die Ich-Erzählerin, nennen wir sie Sarah, steckt in einer Krise. Das Kaninchen ist tot, der Freund bei der Verwandtschaft und es ist Silvester. Kurzerhand lädt sie wildfremde Leute, die sie im Supermarkt oder auf dem Weg dorthin trifft, zu einer Party ein. Doch das ist nicht die Geschichte – eigentlich. Vielmehr geht es um das Gedankenchaos in Sarahs Kopf, in dem sich allerlei zum Thema Scheitern ansammelt.
„Wenn man es nicht schafft, an sich selbst zu scheitern, dann sucht man sich jemanden, der einem dabei hilft“, so ihre Erkenntnis, während sie das streitende Ehepaar beobachtet, das auf ihrer Wohnzimmercouch sitzt. Silvester ist die Nacht der gescheiterten Existenzen und des existenziellen Scheiterns, daran hat die Protagonistin keinen Zweifel.
Vieles, was Sarah von sich gibt, ist lustig, einiges richtig tiefsinnig, manches oberflächlich, kurzum: es nettes Buch zum Lesen.
Ein paar Sätze, die durchaus Potenzial haben:
Es sind nie die Klugen, die laut sind, es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Lautstärke und Dummheit.
Es ist seltsam, wenn man sagt, jemand sei verstorben. Das klingt so als hätte er etwas falsch gemacht. Als hätte er sich im Datum vertan und wollte erst morgen sterben.
Mit 30 hat man die erste Stufe der Unumkehrbarkeit erreicht.
Manchmal merkt man erst sehr spät und zufällig, dass man an etwas gescheitert ist.
Man kann Kritik umgehen oder mit Kritik umgehen.
Ich bin sehr hübsch, das sieht man nur nicht so
von Sarah Bosetti, ISBN: 9783499633171