Da sitzt ein Tintifax im weißen Haus

Donald Trump kann es selber nicht glauben. Gerade eben wurde der zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Das war beileibe nicht sein Plan. Er wollte einfach nur die Bekanntheit und das Getöse nutzen, um sich selber noch bekannter zu machen – um Geld damit zu machen. Jetzt hat er plötzlich politische Verantwortung am Hals, sollte nachdenken, sich informieren, lesen. Nichts davon ist seine Stärke. Das Lesen nicht, das nachdenken schon gar nicht. Und so zieht in das weiße Haus eine Truppe wild zusammengewürfelter Menschen ein, die fortan die politischen Geschicke einer Weltmacht lenken sollen und zu einem Großteil weder politische Erfahrung haben, noch das Talent zur Politik. Jeder macht was ihm richtig erscheint, allen voran Trumps Tochter Ivanka und ihr Mann Jared Kushner. Und natürlich Steve Bannon, der es auf wundersame Weise geschafft hat, dass Trump überhaupt gewählt wurde. Um im Gegensatz zu Trump verfolgt er sehr wohl große politische Ziele, die kurz umrissen so aussehen: alles soll sich ändern und zwar rasch.

Die Querelen im weißen Haus, die Machtkämpfe, die Pannen und nicht zuletzt das hochnotpeinliche Twittern von Donald Trump bestimmen seither die Schlagzeilen. Meist wird darüber gelacht. Dann taucht plötzlich dieser Koreaner auf und prahlt mit seinen Atomraketen. Und schon sind die Twitter-Nachrichten des Donald Trump nicht mehr so lustig, sie machen eigentlich Angst. Ein Verrückter sitzt im weißen Haus, ein Tintifax, der nichts anders im Sinn hat als sich selbst. Der nichts anderes will als geliebt werden. Der keine Kritik erträgt und auch keine Belehrungen. Der sich um nichts schert und dessen Reden, sobald er sie im Stegreif zu halten beginnt im Fiasko enden. Doch ist es wirklich Donald Trump vor dem wir uns fürchten müssen? Oder ist es dieser Steve Bannon, der letztendlich den Machtkampf verloren hat und das weiße Haus verlassen musste und seither Vorträge haltend durch Europa tingelt um – wie er selbst sagt – die starke rechte Szene zu studieren. Dieser Mann ist der eigentliche Untergangsprophet, auf den wir vielleicht mehr schauen sollten als auf den Zauberer, der mit schepperndem Geräusch die Bühnen dieser Welt bespielt. Es ist das Krokodil im Hintergrund auf das wir schauen sollten.

Das vorliegende Buch erzählt die Geschichte von Trumps Sieg, beschreibt die chaotischen Szenen im weißen Haus, die Russland-Affäre, die an der Trump-Familie klebt wie Kaugummi, erzählt von den vielen Menschen, die an Bord geholt wurden und ebenso schnell im Kielwasser landeten. Es ist ein Sammelsurium an Namen und Unfähigkeiten, die es in dieser Art wohl noch nie gegeben hat.
Mit „Feuer und Zorn“ hat Donald Trump übrigens dem Koreaner gedroht, sollte er sein Atomprogramm weiterführen und die USA mit einer Rakete bedrohen.

Feuer und Zorn
von Michael Wolff, ISBN 978-349809465-2

Man kann zwar Probleme beheben, nicht aber Veränderungen. Ihnen kann man sich nur anpassen …

 … unter diesem Aspekt lehrt uns der Autor den Blick zu schärfen, für die Veränderungen, die in unserem „System“ passieren. Gemeint ist damit im kleineren Sinn das Wirtschaftssystem, das aber nicht isoliert betrachtet werden kann, weil es ja Teil eines Gesellschaftssystems ist und das wiederum ist Teil eines Ökosystems. Denn, so der Autor, alles hängt immer irgendwie zusammen.
Systeme haben generell ein gewisses Talent zur Selbstreparatur, sprich: wenn sie halbwegs flexibel sind, dann versucht ein System immer die „Sache“ (was auch immer das ist) wieder ins Lot zu bringen. In der Natur geschieht das andauernd, vor allem dann, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass eine Katastrophe nur subjektiv betrachtet eine solche ist. Objektiv gesehen, ist es der Druckausgleich, den ein System braucht, um weiter zu funktionieren. Wichtig sind dabei auch die Rückkopplungseffekte, von einem Teil des Systems zum nächsten, ähnlich einer Lawine. Und was wissen wir von einer Lawine? Sie findet den Weg ins Tal und: sie macht das mit zunehmender Intensität!
Der Autor versucht uns also einzuführen in das Verständnis und Funktionieren von Systemen. Dazu greift er nicht selten auf wirtschaftliche oder physikalische Gesetze zurück, auf Formeln, bei denen ein Normalsterblicher mit Sicherheit aussteigt. Doch darüber muss man einfach hinweglesen und kann dies auch tun, ohne Angst haben zu müssen, den Faden im Buch zu verlieren.
Was also wird erklärt?
Zunächst einmal wird erklärt, warum man überhaupt vom Seneca-Effekt spricht. Gemeint ist damit eine Aussage des Philosophen Seneca, der bereits erkannt hat, dass Dinge eine lange Zeit brauchen, um zu wachsen, jedoch in vergleichsweise kurzer Zeit kollabieren und verschwinden können.
Dann geht es ins Detail: Wie funktioniert ein System? Welche Energien wirken darauf ein?. Warum kann es plötzlich kollabieren? Gibt es dafür Vorzeichen und kann man einen sich abzeichnenden Kollaps umgehen? Und wann es Zeit ist zur akzeptieren, dass der Kollaps eben unvermeidlich ist?
Erklärt wird das anhand mehrerer Beispiele:
• Der Untergang des römischen Imperiums (Wie konnte so eine Großmacht letztendlich völlig verschwinden?)
• Das Aussterben der Dinosauier, die nicht an den Folgen eines Asteroideneinschlags starben, sondern eher an magmatischen Großeflächenereignissen, die einen immensen Gasausstoß zur Folge hatten und die Atmosphäre verseuchten.
• Anhand der sogenannten Gaia-Hypothese:
Unser Ökosystem verfügt über eine gewissen Fähigkeit, Bedingungen zu schaffen und aufrechtzuerhalten, und Leben zu ermöglichen. Und unsere Erde verhält sich zeitweilig selbst wie ein Lebewesen. Gaia hält die Homöostase des Planeten aufrecht, sodass das Ökosystem in der Lage ist große Katastrophen zu vermeiden und sich von unvermeidbaren zu erholen. Biosphäre, Hydrosphäre, Geosphäre, Atmosphäre – wenn Teilbereiche Systemveränderungen ausgesetzt sind, beginnen Rückkoppelungen mit anderen Systeme und in der Folge dann eben eine radikale Veränderung. Diese wird den Planeten nicht unbewohnbar machen – zumindest nicht für alle Spezies, wohl aber für den Menschen und sein System. Dennoch: Kollaps ist kein Defizit, sondern eine Eigenschaft, die Dinge wieder ins Lot bringt.
• Und schließlich gibt es da noch die Resilienz. Wir kennen das Wort eher aus dem psychologischen Bereich, dabei hat es seinen Ursprung in der Wirtschaft. Egal, wofür man es einsetzt, Resilienz bedeutet immer das Gleiche, nämlich die Fähigkeit sich von einem Negativereignis wieder zu erholen und/oder gestärkt daraus hervorzugehen. Zwei Fähigkeiten von Resilienz scheinen hier besonders wichtig zu sein: a) das Unvermeidliche zu akzeptieren, b) sich aus den Trümmern zu erheben.
Warum uns der Autor das erzählt?
Weil er der Meinung ist, dass man auch in der Wirtschaft und im Handel, im speziellen im Verbrauch von Ressourcen erkennen sollte, ab wann es keinen Sinn mehr hat noch mehr Energie hineinzustecken, weil das „System“ schlicht und ergreifend bereits in eine andere Richtung zieht, und es somit klüger, sich den Veränderungen anzupassen.
Wer sollte dieses Buch lesen?
Menschen, die die größeren Zusammenhänge begreifen wollen.
Der Seneca-Effekt, von Ugo Bardi, ISBN: 9783960060109

Vong Sprache her ein Desaster

Andreas Hock könnte man als depressiven Menschen einstufen. Und es ist auch kein Wunder, beschäftigt er sich doch mit dem Niedergang eines der wichtigsten Kulturgüter überhaupt: der Sprache. Die Anglizismen sind es diesmal, die ihm Sorgen bereiten, weil sie sich nicht nur in Wörtern wie „cool“ längst in unseren Wortschatz eingebrannt haben, sondern weil sie neuerdings die Speisekarten jedes Gasthauses verfremden, sodass man nicht mal mehr Gasthaus sagen darf, geschweige denn versteht, was einem eigentlich serviert wird. Darüber hinaus trauert er unter anderem auch dem handgeschriebenen Brief nach, der so viel mehr zu erzählen hat, als nur von der momentanen Gefühlswelt. Selbst die erschein in einem verfassten Brief wesentlich tiefer und ausdrucksstärker, als es ein Emoji jemals ausdrücken könnte. Warum? Weil sich der Verfasser wirklich Zeit nehmen muss, um das zum Ausdruck zu bringen, was ihn bewegt, anstatt auf vorgefertigte Icons zurückzugreifen. Dies sind nur einige Beispiele dessen, was Andreas Hock in die Verzweiflung treibt und unsereins gemahnen sollte, doch ein bisschen sorgsamer in der Sprache umzugehen – vong Prinzip her!
Wenn du mich frägst, macht das in keiner Weise Sinn
von Andreas Hock, ISBN 978-3742-30251-9

Es ist vernünftig Hoffnung zu haben …

Wir befinden uns am Ende einer Epoche. Es ist dies der Übergang in eine neue Zeit. Die alles verändernde Technologie, das schnelle Wachstum der Weltbevölkerung, die Klimaveränderung … Veränderungen dieser Dimension machen Angst und bringen Unsicherheit, weil man sie spürt, ohne sie greifen zu können, ohne zu verstehen, dass dieser Übergang auch ein Bereich voller Chancen ist. Nathalie Knapp erklärt anhand von Vergleichen mit der Natur, was es mit Übergängen auf sich hat. Ökoton, so nennt man diese Bereiche, beispielsweise zwischen Wald und Wiese, wo am meisten Artenvielfalt herrscht, weil dieser schmale Streifen von zwei Welten gespeist wird – vom Wald und von der Wiese. Auch für Menschen gibt es solche Übergänge, beispielsweise vom Kind zum Jugendlichen, vom Erwachsenen zum Alten, von der Schule ins Berufsleben, usw. Diese Veränderungen passieren meist schleichend, machmal in Form von Schicksalsschlägen auch sehr plötzlich. Und dann gilt es als Mensch zu erkennen: dass es jene Veränderungen sind, die das größte Potenzial in sich bergen.
Was wir dafür brauchen ist ein größeres Maß an Unsicherheitstoleranz. Nathalie Knapp nimmt uns also mit auf eine Reise quer durch die Geschichte, die Philosophie, eines ganzen Lebens um am Ende festzustellen: „Es ist klug davon auszugehen, dass wir unsere Sache immer gut machen, wenn wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten aufrichtig bemühen.“
Was also können wir aus diesem Buch mitnehmen?
Es gewisse Demut vielleicht, dass wir eben trotz den unbändigen Wunsches ein Individuum zu sein, auch Teil eines großen Ganzen sind, dass einem „höheren Plan“ folgt.
Die Erkenntnis vielleicht, dass Monokulturen in der Natur keine Überlebenschance haben, sondern dass es der Austausch ist, der die Vielfalt bringt, sprich: Gemeinschaft statt Egotrip.
Das Vertrauen vielleicht, in die fünf Urkräfte, die uns Stabilität und Wandlung ermöglichen: Akzeptanz, Vertrauen, Hoffnung, Liebe, Lebendigkeit
Das notwendige Abbremsen eines Hochgeschwindigkeitszuges, der Leistungsgesellschaft heißt, um ein Umleiten in eine ressourcen- und naturschonende Gesellschaft zu ermöglichen.
Das Erkennen der Zeit, nicht nur als Abfolge von Terminen und Verfallsdaten, sondern manchmal auch als Kapseln, in denen man verweilen sollte.
Ein Buch zum Nachdenken also.
Der unendliche Augenblick, von Natalie Knapp
ISBN: 978-3-498-034030

Und diesmal ist die Zeitreise echt

In der Antarktis landet ein Raumschiff aus dem ein Außerirdischer entsteigt. Wäre nicht prompt zu jener Zeit ein Forschungsschiff in diesen Breiten unterwegs, um nach dem Einstieg zum Mittelpunkt der Erde zu suchen, wäre dieses Ereignis ohne Folgen geblieben. So aber findet eine ganze Mannschaft bis auf zwei Männer den Tod und ein Wesen aus den Weiten des Universums einen Weg in die Zivilisation. 70 Jahre später schreibt H.G.Wells einen Roman über den „Krieg der Welten“, die in London ihren Anfang findet, ein Mann, der seit zwei Jahren tot ist, erwacht zum Leben und will seiner Angebeteten einen unmöglichen Wunsch erfüllen und ein Außerirdischer beginnt seine Invasion, die durch nichts aufzuhalten ist. Und einmal mehr ist es unser wunderbarer Schriftsteller, der eine Lösung herbeiführen kann und diesmal ist alles an der Zeitreise echt …
Felix J. Palmas Fortsetzungsroman im viktorianischen London erzählt uns einmal mehr von den wundersamen Verknüpfungen des Schicksals, lässt uns Eintauchen in eine Science-Fiction-Vorstellung, ohne jemals gekünstelt zu wirken und wieder ist es die Schreibweise des Autors, die diesen Spannungsbogen bildet, indem er sich immer wieder direkt an den Leser wendet, um ihn aus der momentan aussichtslosen Situation herauszunehmen und einfach an einer anderen Stelle der Geschichte wieder abzusetzen. Auf diese Weise wirken 900 Seiten keineswegs langatmig, vielmehr fragt man sich, was wohl am Ende rauskommen mag, und: war das überhaupt das Ende?
Die Landkarte des Himmels, von Felix J. Palma
ISBN: 9783463406251

Die Situation hat ihre Autorität verloren, wenn jemand pupst

Die Ich-Erzählerin, nennen wir sie Sarah, steckt in einer Krise. Das Kaninchen ist tot, der Freund bei der Verwandtschaft und es ist Silvester. Kurzerhand lädt sie wildfremde Leute, die sie im Supermarkt oder auf dem Weg dorthin trifft, zu einer Party ein. Doch das ist nicht die Geschichte – eigentlich. Vielmehr geht es um das Gedankenchaos in Sarahs Kopf, in dem sich allerlei zum Thema Scheitern ansammelt.
„Wenn man es nicht schafft, an sich selbst zu scheitern, dann sucht man sich jemanden, der einem dabei hilft“, so ihre Erkenntnis, während sie das streitende Ehepaar beobachtet, das auf ihrer Wohnzimmercouch sitzt. Silvester ist die Nacht der gescheiterten Existenzen und des existenziellen Scheiterns, daran hat die Protagonistin keinen Zweifel.
Vieles, was Sarah von sich gibt, ist lustig, einiges richtig tiefsinnig, manches oberflächlich, kurzum: es nettes Buch zum Lesen.
Ein paar Sätze, die durchaus Potenzial haben:
Es sind nie die Klugen, die laut sind, es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Lautstärke und Dummheit.
Es ist seltsam, wenn man sagt, jemand sei verstorben. Das klingt so als hätte er etwas falsch gemacht. Als hätte er sich im Datum vertan und wollte erst morgen sterben.
Mit 30 hat man die erste Stufe der Unumkehrbarkeit erreicht.
Manchmal merkt man erst sehr spät und zufällig, dass man an etwas gescheitert ist.
Man kann Kritik umgehen oder mit Kritik umgehen.
Ich bin sehr hübsch, das sieht man nur nicht so
von Sarah Bosetti, ISBN: 9783499633171

Kein Zeitalter kommuniziert flüchtiger als das unsere.

Es ist schlecht bestellt um die Aufklärung. Galt im 18. Jahrhundert die Vernunft als vorherrschende Kraft, mit deren Einsatz man endlich Licht in so vieles brachte, das das dunkle Mittelalter prägte, so scheint es heute kein Privileg mehr zu sein, die Vernunft als ein Werkzeug einzusetzen, das es einem ermöglicht, selbst zu denken, sich eine Meinung zu bilden, kritisch zu hinterfragen, ohne blind irgendwelchen Demagogen zu folgen. „Habe Mut, die deines eigenen Verstanden zu bedienen“, dieses Credo von Imanuel Kant, wurde zum Leitspruch einer ganzen Epoche.  Ein wichtiger Faktor war dabei die Bildung: „Wissen ist Macht“, so wusste es der Philosoph Francis Bacon, der erkannte, dass es einem Menschen erst durch Bildung und Wissen ermöglicht wird, seinen Verstand zu benutzen und eine eigenständige und unabhängige Person zu werden. Und heute?
Ist die Bildung in ihrem ursprünglichen Sinn überhaupt noch zeitgemäß? Geht es nicht längst schon nur noch um Kompetenz? Um das Erlernen von gewissen Fähigkeiten, um in der Welt einen Platz zu finden? Kompetenz zielt immer auf ein Können, eine Anwendung, die Lösung eines Problems. Bildung hingegen ist so viel mehr. Es ist die Einsicht über die eigenen Unzulänglichkeit. Es ist die Fähigkeit innezuhalten und sich auch selbst eine Meinung zu bilden ohne in einer sozialen Filterblase zu ertrinken. Es ist eine gewisse Gelassenheit gegenüber der permanenten Skandalisierung, der Panikmache, der Ausrufung des Weltuntergangs, um ernsthaft zu prüfen, was an der Sache dran ist. Das mag nur dann gelingen, wenn man nicht nur Fähigkeiten besitzt, sondern auch ein solides Grundwissen – beispielsweise über die Vergangenheit, über die Geschichte, über Denkrichtungen, die es sicher alle schon einmal gegeben hat, usw.
Liessmann, als Universitätsprofessor für Methoden der Vermittlung von Philosophie und Ethik erhebt einmal mehr den mahnenden Zeigefinger und erinnert uns daran, dass wir – die wir einer breiten bürglichern Schicht angehören – schon etwas mehr tun sollten, als nur Beiträge anderer zu liken. Selber denken ist zu einem Luxusgut geworden. Nicht immer alles Abnicken und automatisch für gut befinden, nur weil alle ins selbe Horn blasen, ist mitunter eine Herausforderungen.
Bildung als Provokation
von Konrad Paul Liessmann, 9783552058248

Was man bereit ist für die Liebe zu tun

Dies ist die Geschichte von Martin Gilmore. Seine Jugend, seine Schulzeit, sein Niedergang. Schuld an allem ist Ben, sein Freund aus Schultagen, den Martin eigentlich liebt. Nur, dass er das nicht zugeben will. Und so passiert es, dass er für Ben gerade steht, als dieser im Alkoholrausch eine Straftat begeht. Die Familie von Ben zeigt sich großzügig und dennoch will sich das Leben nicht so entwickeln, wie sich Martin das vielleicht gewünscht hätte. Mit von dieser Psychoparty sind Martins Ehefrau und Bens Frau. Jede für sich ein Charakter, der in Kombination hochexplosiv ist. Und so kommt es eines Tages zum Supercrash, der das Leben von Martin und seiner Frau Lucy nachhaltig verändert. Nur Ben scheint wieder einmal davon zu kommen …
Der Roman von Elizabeth Day ist ein Psychogramm, dass wir uns Schicht für Schicht anschauen. Geschrieben aus der Sicht von Lucy, aus der Sicht von Martin und dann wieder aus der Vogelperspektive der Autorin ergibt sich auf diese Weise nach und nach ein Bild. Es ist nicht das spannendste Szenario, das ich jemals gelesen hab, aber durchaus lesenswert
Die Party, von Elizabeth Day, ISBN: 973-832198671

Ein Stück Zeitgeschichte

Hitler steht kurz davor in der Tschechoslowakei einzumarschieren, um die Sudetendeutschen zu „befreien“. Europa steht neuerlich am Rande eines großen Krieges. Dem britischen Premierminister Neville Chamberlain gelingt es buchstäblich in letzter Minute, eine Konferenz ins Spiel zu bringen, auf der Frankreich, England, Italien und Deutschland gemeinsam eine friedliche Lösung der tschechischen Krise zustande bringen sollen. Der Coup gelingt. Hitler unterschreibt das Abkommen und ganz Europa atmet auf, angesichts der Tatsache, dass der Krieg nun abgewendet ist. Wir alle wissen, was nicht einmal ein Jahr später passierte …
Robert Harris nimmt diesen geschichtsträchtigen Akt der Historie rund um den Beginn des zweiten Weltkriegs und lässt den Leser daran teilhaben. An den Ängsten der Bevölkerung, die mit ihren Kindern bereits das Tragen von Gasmasken üben, am Fanatismus, aber auch an den Gegenkräften, die in Deutschland verzweifelt versuchen, das Unabwendbare doch noch zu verhindern. Man liest und weiß, wie es geendet hat – und das ist jedes Mal aus Neue erschütternd.
München von Robert Harris
978-3-453-27143-2

Drehschwindel bei einer Zeitreise der Sonderklasse

Jack the Ripper treibt sein Unwesen und ausgerechnet die Geliebte von Andrew Harrington findet einen grausamen Tod. Seinem Leben kann er keinen Sinn mehr abtrotzen, so beschließt Andrew dem Elend ein Ende zu bereiten. In letzter Minute hält ihn sein Cousin Charles davon ab: er weiß einen Weg das Geschehen rückgängig zu machen. Ein neues Unternehmen ist in London aufgetaucht, das Zeitreisen verspricht. So könnte man doch ungehindert zurückreisen und die Tat ungeschehen machen. Gesagt, getan, die beiden begeben sich zu Gilmore Murray, der ihnen das Geheimnis um die Zeitreise erklärt, die – so bedauerlich es auch ist – nur nach vorne in die Zukunft funktioniert. Genauer gesagt nur an einen bestimmten Tag im Mai des Jahres 2000. Doch – so der Zeitreisen-Experte – es könnte einen Mann in London geben, der dennoch eine Lösung wüsste: ein Schriftsteller namens H.G. Wells …
So beginnt das viktorianische Abenteuer in Felix J. Palmas überaus unterhaltsamen 1. Teil einer Trilogie, in der uns noch weitere bekannte Persönlichkeiten begegnen. Der Schreibstil des Buches ist gediegen, ja durchaus von feiner Feder und er ist insofern besonders, als dass der Autor selbst sich immer wieder an den Leser wendet. Man taucht also in die Geschichte ein, wird irgendwo vom Autor abgeholt und sozusagen herausgehoben, um eine Szene von außen zu betrachten, um letztendlich wieder hineinzufallen in das Abenteuer rund um H.G. Wells und seinem Roman „Die Zeitmaschine“. Es ist wie das Luft holen vor einem Tauchgang.
Warum ich in der Überschrift „Drehschwindel“ schreibe? Weil man in die Zukunft reist – und irgendwie doch nicht. Weil man in die Vergangenheit reist, die so gar nicht existiert, um dann wieder zum Sprung in die Zukunft anzusetzen, die nur ein Traum zu sein scheint? Letzen Endes bleibt es dem Leser überlassen, was man glauben will und was nicht, aber unzweifelhaft sitzt man in einem Karussell, das einen in den Epochen herumschleudert.
Ich habe keine Ahnung, warum ich sechs Jahre gebraucht habe, um dieses Buch zu finden! Es ist großartig!
Landkarte der Zeit
von Felix J. Palma, ISBN: 9783463405773