Alter ist vor allem Ansichtssache.

Es kommt der Tag, da beginnt es zu zwicken und zu zwacken – nicht nur körperlich, sondern auch mental. Man merkt, dass man nicht mehr gewillt ist, gewisse Dinge hinzunehmen, oder aber, dass es immer öfter Dinge gibt, die einen schlichtweg nerven. Ist es das Alter, dass uns da zu schaffen macht? Wird die Seele, der Geist, mit dem Alter träge? Ist es nicht nur der Körper, der dem Zerfall ausgesetzt ist, sondern sind es auch die Gedanken?
Uwe Böschemeyer nimmt in seinem neuen Buch, die Wehwehchens genauer unter die Lupe. Das Gute dabei: er nimmt sie nicht allzu ernst! Vielmehr versucht der bekennende Logotherapeut und Theologe uns auf jenen Pfad zu führen, der da lautet: es geht auch anders –  und zwar immer – und zwar in jedem Alter. Ja, man kann sich über vieles Sorgen machen, man muss aber nicht.
Und ja, man kann sich immer öfter die Sinnfrage stellen, oder darauf vertrauen, dass der Sinn ein uns durchflutendes Energetikum ist, dass man nur finden muss. Sicher, jene, welche gerade in einer Krise stecken, mögen vielleicht die Stirn runzeln. Aber der Autor sagt mit keinem Wort, dass es leicht wäre. Er zeigt vielmehr in ganz vielen Sätzen auf, dass es oftmals nur um die Fragestellung geht. Wie etwa die Frage: „Was bin ich?“, die nur allzu oft mit negativen Assoziationen behaftet ist. Wenn man aber die Folgefrage stellt: „Was bin ich auch?“, dann blickt man darüber hinweg und mag die schönen Seite entdecken.
Ein paar Sätze aus dem Buch:
Unser Leben ist eine Kette von Sinnmöglichkeiten.
Jede Idee hat die Tendenz sich zu verwirklichen.
Das größere Vertrauen sucht nach größeren Zusammenhängen.
Der Mensch muss erfahren, was ihn trägt, wenn er sich selbst nicht mehr tragen kann. Einzig diese Erfahrung gibt im eine unzerstörbare Grundlage. (C.G. Jung zitiert)
Der Wunsch nach Sinn ist der Stärkste aller Wünsche.
Jede Zeit hat ihre eigene Art und ihren eigenen Wert.
Wie Sie beim Altern ganz sicher scheitern,
Von Uwe Böschemeyr, ISBN: 978-3-7110-0113-9

Ein Riese kommt selten allein.

Themis, der Roboterriese, dessen Teile Dr. Rose Franklin vor 10 Jahren gefunden und zusammengebaut hat, steht vor einer neuen Herausforderung, als plötzlich in London ein weiterer Giant auftaucht. Größer, moderner und ganz offenbar schlagfertiger, denn einen ganzes Eck von London wird durch einen einzigen Lichtkreis pulverisiert. Und so tritt die alte Truppe wieder auf den Plan. Die beiden Piloten Kara und Vincent, die Themis steuern, der unbekannte Mann, der die Macht und die Mittel besitzt, der geheimnisvolle Mr. Burns, der sich als eine besondere Spezies offenbart und natürlich Dr. Rose Franklin, die eigentlich gar nicht da sein sollte, weil sie vor 4 Jahren starb …
Auch die Fortsetzung von Giants ist ein unterhaltsamer und spannender Pageturner, der über weite Strecken nicht in der Erzählform, sondern in direkten Dialogen, die als Protokolle dargestellt werden, funktioniert. Gerade dieser Schreibstil ist es, der das Buch auch irgendwie so spannend macht. Die Geschichte selbst endet vielleicht nicht unbedingt so, wie man sich das erhofft, auch die Tatsache, dass ein 10jähriges Mädchen zum Wunderkind wird, mag unglaubwürdig erscheinen. Dennoch tut es dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Giants (2)
Zorn der Götter, von Sylvain Neuvel, ISBN 978-3-453-53480-3

Stell dir vor, es ist Geschichte und keiner hat Bock drauf.

Digitalisierung, Klimawandel, Völkerwanderungen – die Gesellschaft hat es derzeit nicht leicht, wird sie doch von vielen Seiten subtil bedroht. Es passiert schleichend und doch spüren es viele: das Leben, so wie wir es führen, ist auf die Dauer nicht mehr tragbar. Die Ressourcen der Erde werden über die Maßen strapazier – heuer im Jahr 2017 war es der 2. August, der jenen Stichtag markierte, ab dem wir „auf Pump“ leben. Die Digitalisierung – so sehr sie eine Errungenschaft darstellt – ist vielmehr eine Revolution. Doch anders als bei der letzten (der industriellen) werden nicht Jobs verloren gehen und andere geschaffen, sondern diesmal wird der Mensch durch Roboter ein für alle Mal ersetzt. Die Prognosen sprechen davon, dass in absehbarer Zeit 40 % keine Arbeit mehr finden werden. „Jede politische Partei, die jetzt noch Vollbeschäftigung in ihr Wahlprogramm schreibt, arbeitet am Problem vorbei“ – davon ist der Autor überzeugt. Doch es geht um sehr viel mehr. Es geht darum, dass der Kitt, der unsere Nachkriegsgesellschaft zusammenhält, der Konsum ist. Solange die Menschen Befriedigung darin finden, wenn sie sich etwas kaufen, solange wird jeder darauf bedacht sein, dass das System funktioniert, das allen etwas bringt. Doch: nach dem dritten Fernseher lässt das Glückgefühl zwangsläufig nach. Es gibt aber sonst nichts mehr, was die Menschen dazu bringen würde, für etwas aufzustehen. Keine Ideologie (gefährliches Wort) und keine Idee lohnt es, sich vom Sofa zu erheben und dafür zu kämpfen. Und so fällt die Gesellschaft auseinandern, weil sie keine Zeit und keine Muse mehr hat über das eigene Selfie hinauszudenken. Darüber nachzudenken, was jeder einzelne bereit ist zu tun und vor allem: was man gerne zum allgemein gültigen Gesetz machen möchte.
Der Autor beschreibt ein Gedankenspiel, bei dem die Teilnehmer dazu aufgefordert wurden, eine neue Gesellschaftsform durchzudenken. Ein Modell des Zusammenlebens, wie es beispielsweise die Demokatrie ist, unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Ressourcen und Möglichkeiten. Das Entscheidende bei diesem Gedankenmodell war, dass man selber erst am  Ende gesagt bekam, welche Rolle man selbst einnehmen dürfe! Das ist ein ganz wesentlicher Faktor, weil man eben Gesetze so definieren muss, dass selbst ein Bettler noch gut aussteigt. Könnte ja sein, dass man als solcher endet.
Philip Blom wiederum zeichnet in seinem Buch ein düsteres Bild unserer Zukunft, die schneller Realität wird, als die Menschen sich zu ändern imstanden sind. Zitat: „Wenn der technologische Wandel schneller ist, als der Generationenwechsel, ensteht eine gewisse Verwerfung.“ Mehr noch: der Statuserhalt wird natürlich so lange wie möglich zum Ziel erkoren, wohlwissend, dass man in jedem Fall verlieren wird. Gegen Ende des Buches skizziert der Autor auch eine mögliche neue Gesellschaftsform und Zukunft für unseren Planeten, bei der nur jene gut aussteigen werden, die bereit sind zu verzichten – ein Unwort in unserer Gesellschaft (und ich nehme mich selbst da nicht aus).
Das Buch sollte jene Menschen lesen, die der festen Überzeugung sind, dass alles in Ordnung ist. Ihnen werden vielleicht etwas die Augen geöffnet. Es sollten auch jene Menschen lesen, die spüren, aber nicht erklären können, dass etwas nicht stimmt. Ihnen werden die Worte für ihre Gefühle geliefert.
Weitere Sätze aus dem Buch:
„Die sophistische digitale Verdummung erodiert die Demokratie mit beachtlicher Effizienz, denn sie lässt jede Debatte erlöschen.“
„Die dauernde Transformation, das Wegfegen des Alten, das Weggehen aus einer vertrauten Welt, die bald darauf zerstört wird, üben einen immensen Druck auf die Menschen aus, die sich in der rasend schnell verändernden Welt nicht mehr zurechtfinden, sich nicht mehr zu Hause fühlen.“

„Konsum als Lebensvision ist ein Phänomen der Nachkriegszeit.“
„Konsum ist Selbstverwirklichung und damit sinnstiftend.“
„Untergangspropheten sind eine ermüdende Begleiterscheinung kultureller Spannungen. Dumme Optimisten sind noch anstrengender.“
„Die Alchemie des kollektiven Handelns macht das Unmögliche immer wieder möglich, wenn es genug Menschen gibt, die überzeugt und entschlossen sind, sich dafür einzusetzen.“

Was auf dem Spiel steht, von Philipp Blom, ISBN: 978-3-44625664-4

In die Berg’ bin i gern … oder doch lieber nicht?

Jeremiah Salinger ist ein amerikanischer Drehbuchautor, der mit seiner Ehefrau Anneliese und seiner Tochter Clara den weiten Weg von New York nach Siebenhoch auf sich nimmt – einem kleinen Südtiroler Bergdorf aus der Anneliese stammt. Ein schwerer Schicksalsschlag, bei dem Salinger fast ums Leben kommt sorgt dafür, dass sie länger in Südtirol bleiben als erwartet. Salinger, der dennoch stets seinen Instinkten auf der Suche nach eine guten Story folgt, hört irgendwann zum ersten Mal die Geschichte vom Blettenbach-Massaker, bei dem drei Menschen auf grauenvolle Weise hingemetzelt wurden. Die Geschichten, die sich darum ranken und die Schlucht selbst beherbergen Geheimnisse und Wahrheiten in sich, die man besser im Verborgenen lassen sollte, doch Salinger lässt nicht locker. Im weiter und weiter zieht es ihn hinab in einen Strudel aus Lügen und Vermutungen, bis er schließlich die ganze Wahrheit erfährt – zu einem hohen Preis, den seine Familie zu bezahlen hat …
Der Autor, Luca d’Andrea, stammt selbst aus der Gegend, von der er schreibt und das merkt man in jedem Detail: bei den Charakteren, bei der Landschaft, bei den Eigenheiten, wie sie einem Bergvolk eben innewohnen. Obwohl die Geschichte Fiktion ist, stellt man sich dennoch die Frage: Gibt es die Blettenbachschlucht wirklich? Und ist sie von prähistorischer Natur, mit all seinen dunklen Facetten? D’Andrea hat einen ausgesprochen guten Schreibstil, der fast jedes Kapitel mit einem Cliffhanger enden lässt. Immer wieder dreht sich das Schicksal-Karussell und es wird nicht langsamer bis zur letzten Seite. Das Buch verdient zu Recht das Prädikat „Spiegel-Bestseller“ und es würde mich nicht wundern, wenn aus diesem Plot eines Tages ein spannender Kinofilm gedreht werden würde.
Für mich gehört das Buch zu den Favoriten „Bestes Buch des Jahres 2017“
Der Tod so kalt
von Luca d’Andrea, ISBN: 978-3342104759-5

Überlebenskampf im Eismeer

Matt Lewis ist Meeresbiologie. Als er endlich die Chance erhält auf einem Fischtrawler ins Südpolarmeer mitzufahren, ist die Freude zunächst groß. Sie wird schon etwas kleiner, als der das Schiff, das in Kapstadt vor Anker liegt, sieht. Es ist nicht im besten Zustand und obwohl es in die wildesten Gewässer dieses Planeten geht, scheint die ganze Mannschaft nicht gerade bestens ausgerüstet zu sein. Das Schiff sticht in See mit dem Ziel Seehechte zu fangen. Sie fahren südlicher und südlicher hinab ins Polarmeer weit über den 50. Breitengrad. Ein Unwetter braut sich zusammen und wie so oft ist es menschliches Versagen, das zu jener Katastrophe führt, für die Matt Lewis Jahre braucht, um überhaupt darüber berichten zu können …
Das vorliegende Buch ist ein Seefahrerbericht. Ohne viel Emotion, aber voller Fakten, die umso anschaulicher demonstrieren, wie eine Fehlentscheidung nach der anderen dazu führt, dass letztendlich 17 Mann in einer gefluteten Rettungsinsel sitzen, bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt.

Wer wahre Geschichten mag, ist mit diesem Buch gut beraten. Wer in der Sommerhitze nach Abkühlung sucht ebenso, denn man spürt förmlich den eisigen Wind, der einem ins Gesicht bläst. Und sollte jemand beim Lesen dieses Buches gerade die Füße ins Meer hängen haben, wird er sie vielleicht ängstlich zurückziehen, wenn davon die Rede ist, dass Salzwasser auch Minusgrade haben kann.

Das verfluchte Schiff
von Matt Lewis, ISBN 978-3-95898-009-9

Das Digitale ist und bleibt eine Simulation – das echte Leben findet analog statt

Viele werden gleich sagen, dass da schon wieder einer dem Digitalen den Schwarzen Peter zuschiebt, oder einfach nicht mit der Zeit gehen will. Aber genauso viele werden zustimmend nicken und feststellen: was David Sax in seinem vorliegen Buch „Die Rache des Analogen“ schreibt, ist wahr – und real. So skizziert der Autor den Niedergang der Musikbranche, als zunächst Vinyl und Audiokassetten und zugute rletzt auch noch CD obsolet wurden, weil die Musik plötzlich überall konsumierbar geworden war. Er beschreibt – und das Gefühl kenne ich nur allzu gut – den Verlust von echtem Hörvergnügen, dem eine Vorfreude vorausging, als man die Schallplatte zunächst im Geschäft anhörte, dann nach Hause tragen musste und schließlich auf den Plattenspieler legte, um sich im satten Klang eingehend mit dem Plattencover und -inlay zu beschäftigen, das immer ein Kunstwerk war. Er erzählt uns auch die Geschichte von analoger Fotografie, die einen neuen Weg findet in Kameras, die bewusst nicht perfekt sind, sonder eben das reale Leben widerspiegeln. Ebenso die Geschichte des berühmtesten Notizbuchs der Welt – Moleskine, oder jene einer Uhrenmanufaktur, die ausgerechnet vom darniederliegenden Detroit aus die Welt erobert. Auch die Tatsache, dass Brettspiele sich erstarkter Beliebtheit erfreuen und Spiele-Cafes aus dem Boden schießen, wo man sich zum Brettspiel mit Freunden an einen Tisch setzt, anstatt zuhause alleine mit einem Kopfhörer vor dem flimmernden Bildschirm zu sitzen, ohne Ansprache, ohne Gelächter, ohne freundschaftliches Gespräch. Das und vieles mehr zeigt uns, dass das Analoge zwar gerne totgeredet wird (wie schon die Bücher), dass es aber nicht tot zu kriegen ist. Und wenn selbst im Silikon Valley in den Hochburgen der digitalen Technologie, die Büroräume aussehen als wären sie Kinderzimmer, vollgestopft sind mit analogem Tand und Meditationen ganz ohne Handyanschluss zum täglichen Fixpunkt gehören, dann wissen wir, dass das Digitale in mancher Hinsicht dienlich ist, einiges erleichtert, aber niemals das ersetzen kann, was uns zu Menschen macht: das reale Leben.
„Niemand ist für die Rückkehr zum vordigitalen Leben von früher. Niemand schmeisst sein Telefon in den See oder lebt gänzlich ohne Internet. Eine rein analoge Existenz ist ebenso unerreichbar und unattraktiv wie das rein digitale Pendant. Ideal wäre ein Gleichgewicht zwischen beiden Polen. Ein sich ergänzen ohne das andere für obsolet zu erklären, oder zu verfluchen“, sagt David Sax abschließend in seinem Buch, dass ich für mehr als lesenwert halte.

Die Rache des Analogen
von David Sax, ISBN 9783701734078

Das Leben als ewige Schleife voller Möglichkeiten

Harry August stirbt – schon wieder. Und er kommt neuerlich auf die Welt. Sein Leben ist ein wiederkehrender Kreislauf mit der Fähigkeit, sich alles aus den vorigen Leben zu merken. So wird Harry Arzt und Drogendealer, Flugzeugtechniker und Visionär und immer wieder durchlebt er die selbe Zeit ab dem 1. Weltkrieg. Nach mehreren Leben weiß er, wie er den zweiten Weltkrieg überlebt, wie er schneller zu Geld kommt, wer einen Mord begeht, und wie er diesen im nächsten Leben verhindern kann. Eines Tages jedoch steht ein Mädchen an seinem Sterbebett und sagt ihm, dass die Welt in absehbarer Zeit im Begriff ist unterzugehen. So beginnt für Harry die Suche nach der Ursache, die wohl in seiner Zeit liegen muss. Mithilfe des Chronos-Clubs, einer Gemeinschaft gleichgesinnter kommt Harry dem Unausweichlichen Leben für Leben näher und wird schließlich auch fündig …
Was Claire North hier gelungen ist, wurde zu Recht als bester Science Fiction Roman ausgezeichnet. Er ist fantasievoll, komplex, unglaublich spannend und voller genialer Ideen. Darüber hinaus ist das Buch in deutscher Sprache eine echte Lesewohltat voller feingeschliffener Worte und wohlgeformter Sätze, sodass man davon ausgehen kann, dass das Original in englischer Sprache ebenso hochkarätig geschrieben ist. Spannung, Lesespaß, feine Wortwahl – ein echter Volltreffer!
Die vielen Leben des Harry August
von Claire North, ISBN: 978-3404175307

Traut man sich das heute überhaupt noch? Laut nachzudenken?

Hans Rauscher ist vielen bekannt als Journalist des Standard. Es ist Vertreter jener Journalistenzunft, die noch Wert darauf legt, dass Fakten doppelt und dreifach auf den Wahrheitsgehalt geprüft werden, bevor sie in einem Medium erscheinen. Dass man aber mittlerweile vieles unter dem fadenscheinigen Argument der „Political Correctness“ nicht mehr sagen darf, obwohl es den Fakten entspricht, das ist etwas mit dem Hans Rauscher seine Probleme hat. Darum hat er auch dieses Buch hier geschrieben, dass sich mit lauter heißen Eisen befasst. Allem voran ist das Thema der Zuwanderung ein roter Faden im Buch, ist sie doch der Grund für ganz vieles, das jetzt nicht mehr so gut läuft, wie früher. Sei es die Politik, die darauf Profit schlägt, sei es generell die Stimmung und die Angst in der Gesellschaft. Man muss schon auch mal den Mut haben in Ruhe darüber zu lesen, bevor man gleich wieder „Zündler“ schreit. Ja, er hat schon Recht, der Hans Rauscher, leicht ist es nicht, über manche Dinge einmal ohne Emotionen zu reden. Natürlich geht es auch um andere Themen, wie beispielsweise die Rechte der Frauen, den Zerfall der EU oder darüber, dass gerade jene, die ständig fordern (z.B. die Gewerkschaften) ebensolche sind, die es mittlerweile besser haben, als manch normaler Hackler. Das Privileg in einem geschützten Bereich, wie dem Beamtentum zu arbeiten, beschwert jenen höhere Gehälter, mehr Sozialleistungen und die Möglichkeit sehr viel früher in Pension zu gehen, während andere um dieselbe zittern.
Wie gesagt, es ist sicher kein Buch, das einen kalt lässt. Und vermutlich wird es genauso wieder wilde Attacken dagegen oder aggressiven Beifall dafür geben, eben weil die Gesellschaft nicht mehr fähig ist, sachlich und ruhig über etwas zu sprechen und die Vor- aber auch Nachteile einmal aufzulisten bzw. gar danach zu handeln und etwas zu verändern.
Ein Aufreger also in jeder Hinsicht.
Was gesagt werden muss, von Hans Rauscher, ISBN-NR. 9783711000668

Wenn du viele Möglichkeiten hättest dein Leben zu leben – möchtest du tauschen?

Jason Dessen, Physiklehrer an einem College, liebt seine Frau und seinen Sohn über alles. Eines Abends besucht er die Feier eines alten Freundes, der soeben einen renommierten Wissenschaftspreis erhalten hat. Auf dem Heimweg wird er von einem mysteriösen Mann überfallen und entführt. Als er wieder zu sich kommt, liegt er in einem Krankenzimmer umringt von fremden Menschen, die ihm zur Rückkehr gratulieren. Nach und nach stellt sich heraus, dass er 14 Monate verschwunden war, nachdem er in einem Kubus gestiegen war und gestern plötzlich wieder auftauchte. Der begeisterte Applaus des Auditoriums, dem er vorgeführt wird, macht Jason Angst, denn er hat keine Ahnung für welche Leistung er hier bejubelt wird. Kurze Zeit später flieht er aus dem Gebäudekomplex, in dem er sich befindet, und versucht zu sich nach Hause zurückzukehren. Er findet die Straße, er findet das Haus, aber es ist irgendwie nicht seins. Die Schlüssel passen, doch als er in seinem Wohnzimmer steht, sieht er nirgendwo Familienfotos hängen, geschweige denn Spuren eines Teenagers. Seine Frau und sein Sohn sind nicht mehr da.
Was in der Folge passiert, ist selbst für den Physiker in Jason nur schwer zu verstehen: ganz offenbar hat er eine Maschine gebaut, die ihn in ein Parallel-Universum gebracht hat, in der es zwar die Stadt, die Straße, das Haus gibt, in dem er wohnt, nicht aber seine Familie. Oder ist dies sein reales Leben und er war in einem anderen Universum nur zu Gast? Dies herauszufinden gleicht einer Odysee, die immer mehr Dinge zu Tage bringt, die Jason lieber gar nicht wissen will.
BasierenD auf der „Theorie von Schrödingers Katze“ hat der Autor hier einen unglaublich spannenden Plot geschaffen, in dem alles möglich ist. Die Theorie aus der Quantenphysik besagt, dass eine Katze, die in einem Kasten eingesperrt ist, gleichzeitig lebendig und tot sein kann, solange, bis jemand durch seine Beobachtung (die Kiste wird geöffnet) einen Zustand manifestiert. Nach dieser Theorie kann es also durchaus mehrere Jasons geben, die alle in einem unterschiedlichen Zustand sind, solange, bis einer dieser Jasons eine Dummheit begeht …
Science-Fiction der feinsten Sorte!
Dark Matter – der Zeitenläufer, von Blake Crouch, ISBNA 978-3-442-20512-7

Roboter sind nicht unbedingt die besseren Menschen.

Bildschirmfoto 2017-04-23 um 08.25.12Mr. Sapien hat sich in einem Strandhaus eingemietet. Er ist in einem desolaten Zustand. Der linke Arm fehlt, die rechte Hand ist nur noch ein simple Greifklaue. Mr. Sapien ist ein alter Roboter, der noch von Menschen gebaut wurde, als diese Spezies noch den Planeten beherrschte. Heute sind sie eine Rarität. Geduldet, aber nicht geschätzt. Und für manche eine Studienobjekt, um jenen Teil zu erforschen, der Robotern irgendwie versagt ist: die Welt der echten, tiefen Gefühle. Das Herrenhaus, zu dem das Strandhaus gehört, wird von einer Roboterfamilie bewohnt und ganz offenbar gibt es auch einen Menschen in diesem Haus. Mr. Sapien erkundet die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner und lernt auch im echten Leben die Protagonisten kennen. Dabei stellt sich bald heraus, dass sich Mensch und Roboter nur in einem unterscheiden: Roboter können ewig leben, wenn sie wollen. Doch in punkto Grausamkeit, Hass und Gier stehen sie sich in nichts nach. Verworren ist die Geschichte von Mary Asimov 3000 und ihrem Bruder Kent, sowie einem weiteren Roboter namens Clarke. Und tragisch jene von Mr. Blackstone, jenem Menschen, der in seinem Sterbebett liegt.
Die Geschichte ist düster, aber durchwegs faszinierend, weil sie die Welt aus Sicht der Roboter zeigt. Hier betrinkt man sich nicht, sondern man zieht sich im wahrsten Sinne einen Chip rein. Hier können Ersatzteile problemlos gekauft werden und Roboter dennoch eine gewisse Todessehnsucht verspüren. Es erinnert an Frankenstein, wenn der Mensch versucht seinen eigenen Sohn zu bauen und scheitert. Und es bleibt auch nicht die Erkenntnis aus, dass Roboter in keinster Weise die besseren Menschen sind.
Warum der Titel „Mr. Sapien träumt vom Menschsein“ heißt, entzieht sich meinem Verständnis, da so gut wie gar nichts über das Leben von Mr. Sapien erzählt wird.
Mr. Sapien träumt vom Menschsein von Ariel S. Winter, ISBN 978-3-426-51932-5