Roboter sind nicht unbedingt die besseren Menschen.

Bildschirmfoto 2017-04-23 um 08.25.12Mr. Sapien hat sich in einem Strandhaus eingemietet. Er ist in einem desolaten Zustand. Der linke Arm fehlt, die rechte Hand ist nur noch ein simple Greifklaue. Mr. Sapien ist ein alter Roboter, der noch von Menschen gebaut wurde, als diese Spezies noch den Planeten beherrschte. Heute sind sie eine Rarität. Geduldet, aber nicht geschätzt. Und für manche eine Studienobjekt, um jenen Teil zu erforschen, der Robotern irgendwie versagt ist: die Welt der echten, tiefen Gefühle. Das Herrenhaus, zu dem das Strandhaus gehört, wird von einer Roboterfamilie bewohnt und ganz offenbar gibt es auch einen Menschen in diesem Haus. Mr. Sapien erkundet die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner und lernt auch im echten Leben die Protagonisten kennen. Dabei stellt sich bald heraus, dass sich Mensch und Roboter nur in einem unterscheiden: Roboter können ewig leben, wenn sie wollen. Doch in punkto Grausamkeit, Hass und Gier stehen sie sich in nichts nach. Verworren ist die Geschichte von Mary Asimov 3000 und ihrem Bruder Kent, sowie einem weiteren Roboter namens Clarke. Und tragisch jene von Mr. Blackstone, jenem Menschen, der in seinem Sterbebett liegt.
Die Geschichte ist düster, aber durchwegs faszinierend, weil sie die Welt aus Sicht der Roboter zeigt. Hier betrinkt man sich nicht, sondern man zieht sich im wahrsten Sinne einen Chip rein. Hier können Ersatzteile problemlos gekauft werden und Roboter dennoch eine gewisse Todessehnsucht verspüren. Es erinnert an Frankenstein, wenn der Mensch versucht seinen eigenen Sohn zu bauen und scheitert. Und es bleibt auch nicht die Erkenntnis aus, dass Roboter in keinster Weise die besseren Menschen sind.
Warum der Titel „Mr. Sapien träumt vom Menschsein“ heißt, entzieht sich meinem Verständnis, da so gut wie gar nichts über das Leben von Mr. Sapien erzählt wird.
Mr. Sapien träumt vom Menschsein von Ariel S. Winter, ISBN 978-3-426-51932-5

„Erinnerungen sind wie Geschosse. Manchen zischen vorbei, andere reißen dich in Stücke.“

Bildschirmfoto 2017-03-27 um 07.25.26Peter Kautz ist Literaturagent. Eines Tages landet das Exposée eines unbekannten Schriftstellers auf seinem Tisch. Es enthält Teile eines Manuskripts, das die Erinnerungen des Autors, Richard Flynn, wiedergibt. Zunächst lässt Peter das Paket achtlos liegen. Als er es jedoch irgendwann zu lesen beginnt, ist er sogleich fasziniert von der Geschichte. Nach 70 Seiten endet das Skript, das – so erkennt es Peter – als Buch mit Sicherheit ein Knüller wird, handelt es doch vom Mord an einem nicht unbekannten Psychologie-Professor in Princeton, der vor 30 Jahren geschah und niemals aufgeklärt wurde. Peter will sich mit dem Autor treffen, muss aber feststellen, dass dieser ihm keine Antworten mehr geben kann ….
Der vorliegende Krimi ist das Erstlingswerk eines rumänischen Schriftstellers, und man kann ohne Übertreibung sagen, dass es mehr als gelungen ist. Die Geschichte, die auf mehreren Erzählsträngen beruht, ist faszinierend und zieht einen unweigerlich ins Buch hinein. Von der ersten Seite weg will man mehr wissen – ganz so, wie eine gute Geschichte eben aufgebaut sein muss.

Das Buch der Spiegel von E.O. Chirovici
ISBN: 978-3-442-31449-2

„Welche großartigen Erfindungen sollen jetzt noch folgen?“

Bildschirmfoto 2017-03-16 um 16.35.00Die Welt steht kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert als drei der berühmtesten Erfinder ihrer Zeit einander begegnen. Thomas Edison, Nikola Tesla und George Westinghouse. Diesen drei Personen ist es zu verdanken, dass wir heute nicht mehr gezwungenermaßen bei Kerzenlicht  oder dem dumpfen Leuchten einer Gaslampe unserer Arbeit nachgehen, sondern ohne viel Nachzudenken einen Schalter umlegen und elektrisches Licht genießen. Thomas Edison wird die Erfindung der Glühlampe zugesprochen, Nikola Tesla hat den Wechselstromgenerator erfunden, und George Westinghouse verhalf dieser Erfindung zum Durchbruch. Bevor es jedoch so weit war, fand in Amerika der größte Patentstreit der Geschichte statt, der als „der Stromkrieg“ in die Annalen einging. Graham Moore nimmt diese Fakt auf und erzählt uns davon, wie ein junger Anwalt, auf Seiten von George Westinghouse den aussichtslosen Kampf gegen den Titanen Thomas Edison aufnimmt, wie Intrigen gesponnen werden, Firmenspionage betrieben wird, Lügen im Umlauf gebracht werden, um dem jeweils anderen zu schaden, bis schlussendlich ein Banker dem Streit ein Ende setzt: J.P. Morgan.
Es ist überaus spannend darüber zu lesen, wie in dieser pulsierenden Zeit eine der größten Erfindungen der Menschheit an der Sturheit der Protagonisten beinahe scheitert. Und wenn Thomas Edison im Buch am Ende traurig meint, dass es das wohl war, mit den großen Entdeckern, und dass des wohl nicht mehr vergleichbares geben wird, das noch erfunden werden kann, dann lächelt man als Leser wohlwissend, dass knapp 100 Jahre später eine weitere Erfindung den ganzen Erdball auf den Kopf stellt: das Internet.
Wer Spaß an der Vermischung aus Fakt und Fiktion hat und sich gerne auf eine Zeitreise begibt, der wird mit diesem Buch seine Freude haben.

Die letzten Tage der Nacht, von Graham Moore
ISBN: 978-3-847906247

Der „Weltenerklärer“ denkt über die Ära Trump nach

Bildschirmfoto 2017-02-12 um 14.40.27Hugo Portisch ist für mich der beste Geschichtsprofessor, den Österreich hat. Kaum einer kennt die Zusammenhänge so gut und war bei so vielen politischen Weltereignissen hautnah dabei. Will man die Welt verstehen, fragt man am besten den mittlerweile 90jährigen Journalisten. Schon sein Buch „Was jetzt“, das das Grundprinzip der Europäischen Union anschaulich erklärt, hat mich sehr beeindruckt, ja sogar belehrt. In seinem aktuellen Buch „Leben mit Trump“ analysiert er den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten und alle Politiker, die mit ihm die nächsten Jahre bestimmen werden. Und was man da für Gestalten kennenlernt ist alleine schon Grund genug zur Sorge. Nicht nur, dass alle Personen aus dem engen Politik-Kreis von Trump unermesslich reich sind, sie sind auch noch auf ihre Art extrem. Sei es die Bildungsministerin, die Waffen in Schulen befürwortet, oder der General, der jetzt als Verteidigungsminister angelobt wird, obwohl ein Kriterium für den Posten des Verteidigungsministers immer jener war, dass er eine Zivilperson sein müsste. Oder der Mann, der jetzt das Umweltressort leitet und dabei im Wahlkampf nichts anderes im Sinn hatte, als genau jenes Amt kalt zu stellen. Aber Hugo Portisch wagt auch den Blick in die Zukunft und versucht zu analysieren, wo es mit Trump hingehen wird. Was daraus zu lernen ist? Dass die Europäische Union drauf und dran ist, nicht nur innerpolitisch von den Nationalisten überrannt zu werden, sondern auch außenpolitisch völlig in die Bedeutungslosigkeit abzudriften. So lautet der eindringliche Weckruf von Portisch beispielsweise, dass die EU unbedingt mitentscheiden sollte, wie es mit der Ukraine weitergeht, bevor ein Trump und ein Putin, sich das still und heimlich ausmachen. Das neue Buch von Hugo Portisch ist einmal mehr eine Geschichtsstunde, wie man sie sich nur wünschen kann – mit Analysen, Bestandsaufnahmen und möglichen Optionen. Lesen, um zu verstehen!

Leben mit Trump – ein Weckruf, von Hugo Portisch, ISBN: 978-3-711001276

Der Mensch im Zeitalter der Überforderung taumelt von einem Kontrollverlust zum nächsten

Bildschirmfoto 2017-02-05 um 20.09.04Wir spüren es alle – die Welt gerät mehr und mehr aus den Fugen. Da wird ein gefährlicher Narzisst plötzlich zum Präsidenten der Vereinigten Staaten angelobt. Da beschließt ein ganzes Land in Europa aus dem größten Friedensprojekt der Nachkriegsgeschichte – der EU – auszusteigen. Da stehen von heute auf morgen Zigtausende Menschen vor der Grenze und verunsichern mit ihrer Massenankunft die Bürger. Mit einem Wort: Wir sind überfordert.

Und da kommt Gabor Steingart ins Spiel, der zunächst einmal sagt: Nur wer die Überforderung versteht, kann ihr begegnen. Kein Schönreden, kein Augen zu und durch, sondern ein aufmerksamen Hinschauen auf die Gegebenheiten ist gefragt. Und gleichzeitig erinnert er uns daran, sich die „Sensibilität des historischen Hinhörens“ zu erhalten, sprich: sich zu erinnern, was in der Geschichte bereits passiert ist, was funktioniert hat oder eben nicht. Er macht keinen Hehl daraus, dass wir auf dem besten Weg sind, eine Menge zu verlieren. Die Schuldfrage ist ebenso vielschichtig, wie die Frage, warum der Politik zu den aktuellen Themen so wenig einfällt.

Und weil es so kompliziert geworden ist, arbeitet der Autor die Probleme nach Kapiteln ab:
Amerika (und sein historisches Verschulden am Chaos im Nahen Osten, der uns heute die Terroristen ins Land bringt),
Europa (und seine Unfähigkeit an einem Strang zu ziehen),
Terrorismus (der nicht mehr im Kampfanzug sondern in Jeans und Turnschuhen praktiziert wird),
Kapitalismus (der jegliches Maß verloren hat),
Finanzmarkt (der immer noch Geld bekommt, um den nächsten Supergau möglich zu machen),
Digitalisierung (die uns nur allzu deutlich aufzeigt, dass wir weniger gebraucht werden),
Populismus (die Geschichtenerzähler haben die Macht übernommen),
Demokratie (die immer schon vom Volk ausging, erfindet sich in den unteren Etagen neu)

Wer das Buch zu Ende liest, kann vermutlich nicht mehr so gut schlafen. Aber man darf sich solchen Tatsachenberichten auch nicht verweigern, schließlich kann man dem Feind besser begegnen, wenn man ihn kennt.
Ist es tröstlich, wenn der Autor schreibt? „Zwischen dem Ende einer alten und dem Beginn einer neuen Zeit wohnt das Chaos.“ ? Leider nein. Dennoch sollte man das Buch unbedingt gelesen haben!

Ein paar bemerkenswerte Zitate aus dem Buch:

„An das Gute im Menschen zu glauben, ist eine Tugend.
An das Gute im Bösen zu glauben, ist eine Torheit.“

„Nicht nur Sprengkraft, auch Naivität kann tödlich sein.“

„Die Weltgeschichte kennt keine unverzichtbaren Mächte.“

„Um den Status Quo zu verändern, muss man ihn zunächst anerkennen.“

„Jeder ist der Empiriker seines Lebens.“

„Emotionalität ist die neue Rationalität.“
_____
Weltbeben
von Gabor Steingart, ISBN: 978-3-8135-0519-1

Stand des Wissens vs. Stand des kollektiven Irrtums

Bildschirmfoto 2017-02-02 um 06.33.53Wer Eckart von Hirschhausen kennt, weiß zwei Dinge. Er ist Arzt. Er ist Komiker. Und er schafft es in jedem seiner Bücher aus diesen beiden Talenten eine einzigartige Mischung zu schaffen. Auch in seinem neuen Buch „Wunder wirken Wunder“ spart Hirschhausen nicht mit Situationskomik und schafft es gerade deshalb wichtige Themen auf den Punkt zu bringen. Diesmal geht es um die Frage: Was kann Schulmedizin und was kann Alternativmedizin? Was ist Humbug und was fundiert? Und dabei sind beide Segmente gemeint! Denn nicht nur in der sogenannten Alternativmedizin gibt es unzählige Fußangeln, die einen in mancher Not auch noch stolpern lassen. Die Medizin selbst weist ebenso viele Fehldiagnosen und -behandlungen auf! (Stichworte: Prostatavorsorge und Irisdiagnose) Und so hat es sich Hirschhausen zur Aufgabe gemacht von beiden Welten das Beste zu finden, ganz nach dem Motto: Was heilt, muss richtig sein. Oder – wie er es ausdrückt: Zum einen Arzt geht man, weil man etwas hat, zum anderen, weil einem etwas fehlt.
Am Ende des Buches ist übrigens etwas sehr Spannendes zu finden: eine Lotterie der etwas anderen Art.
Man wähle sechs Zahlen aus 49. Und suche sich zu den Zahlen, die jeweiligen Vorschläge, die auf den Folgeseiten zu finden sind und die einem sagen, was man heute mit seinem Leben anfangen soll. Dazu gehören so einfache Tipps wie barfuß über die Wiese laufen, oder einen alten Menschen besuchen, oder drei Dinge wegwerfen, oder keinen Zucker zu essen und vieles mehr.
Was ich an Hirschhausens Bücher so mag ist die unkomplizierte Schreibweise, die mit vielen lustigen Episoden und Witzen aufgewertet ist. Ja, Humor ist ohne Zweifel die beste Medizin und Hirschhausen verschreibt uns eine Menge davon. Wer also fachlich fundiertes Wissen über Sinn und Unsinn alle möglichen Medizinrichtungen erlangen will, ohne dabei zu verzweifeln, dem sei das Buch wärmstens empfohlen.
Schöne Zitate:
„Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung. Aber nicht auf eigene Fakten.“ (Das sollte mal jemand dem neuen amerikanischen Präsidenten sagen)
„Solange du atmest, ist mehr an dir gesund, als krank.“
„Der Wert der Alternativmedizin hängt entscheidend davon ab, was die Alternative ist.“
„Wissenschaft heißt zweifeln. Mensch sein heißt auch glauben und irren und weiter auf der Suche sein.“
„Psychoanalyse auf den Punkt gebracht: Wer jemand eine Schraube locker hat, liegt es an der Mutter.“

Wunder wirken Wunder, von Eckhart von Hirschhausen, ISBN: 978-3-498-09187-3

Who want’s to live forever?

Bildschirmfoto 2017-01-22 um 10.34.28Ben Kari arbeitet in einem Unternehmern, das sogenannte „Ewige“ verifiziert. Ewige – das sind Replikate von verstorbenen Menschen, die echt wirken, im richtigen Leben agieren und kommunizieren und mit anderen Menschen zusammenleben. Dass es „nur“ Replikate sind erkennt man daran, dass sie nichts essen oder trinken und dass man sie nicht berühren kann. Auch in der Kommunikation gibt es Einschränkungen: Ewige sprechen nicht über den Tod bzw. den Umstand, wie sie im echten Leben zu Tode kamen. Und: man kann sie – Vampiren gleich – weder im Spiegel noch auf Videoaufzeichnungen sehen. Dennoch leben die Menschen in dieser fiktiven Zukunft mit sogenannte Lebenstrackern, die ihr Dasein detailgenau aufzeichnen, sodass der Ewige, der eines Tages ihren realen Platz einnimmt, möglichst authentisch ist. Was die wenigsten wissen: man kann die Programmierung der Ewigen modifizieren. So wurde dem neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten – JFK – ein bisschen etwas vom Charakter Jimmy Carters hinzugefügt. Ja, die Menschen wählen sogar Ewigen zu ihren Anführern, sie scheinen die besseren Menschen zu sein. Eines Tages erhält Ben Kari einen heiklen Auftrag. Marlene Dietrich – die Ewige – ist verschwunden. Und es steht der Verdacht im Raum, dass sie Selbstmord begangen hat. Eine Tatsache, die bei Ewigen, die ja über den Tod nicht sprechen – defakto unmöglich ist. Ben begibt sich auf Spurensuche und muss schon bald feststellen, dass die Ewige Marlene Dietrich ganz offenbar mehr konnte als andere: sie ist nämlich auch für den Bruchteil einer Sekunde auf einem Überwachungsvideo zu sehen! Kann es sein, dass Ewige beginnen physisch zu werden? Und was würde das für die Welt bedeuten?  Und: wenn Ewige nun physisch werden, werden sie dann auch sterblich? Ben’s Suche lässt ihn immer tiefer eindringen in die Welt von Inmortality, jenem Konzern, der die Ewigen produziert.
Der Debütroman von Jens Lubbadeh ist ein hervorragendes Stück Science Fiction mit außerordentlich kreativen Ideen. Es ist ein Blick in eine mögliche Zukunft, basierend auf dem, was heute schon alles möglich ist, beispielsweise die Tatsache, dass wir all unsere Daten bis hin zu Gesundheitschecks in einer Cloud speichern. Warum also sollte es nicht eines Tages möglich sein, daraus ein Duplikat seiner Selbst ins Leben zu rufen?
Wer spannende Zukunftsszenarien mag, die immer noch auf unserer Erde und in unserer Gesellschaft passieren, wird mit diesem Buch seine Freude haben.
Dave Eggers „The Circle“ könnte die Vorgeschichte sein!

Zwei neue Schnüffler in bester Holmes-Manier

bildschirmfoto-2017-01-08-um-17-35-01Sherlock Holmes und sein Kompagnon Watson haben Konkurrenz bekommen. Ganz in der Manier der klassischen englischen Kriminalromane geschrieben – und auch in dieser Zeit spielend – betreten Sidney Grice und March Middleton die Bühne. Grice genauso verschroben wie das Original, Middleton hingegen erfrischend anders als Watson, was zu einem Großteil daran liegt, dass sie eine Frau ist. In ihrem ersten gemeinsamen Fall geht es genauso geheimnisvoll und verwirrend zu wie in den Holmes-Fällen. Ein Mord geschieht, ein Verdächtiger wird gefunden, verurteilt, gehängt und entpuppt sich schließlich als der Falsche. Die Jagd nach dem wahren Mörder ist überaus unterhaltsam und erfrischend, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass die Sprache der Zeit angepasst ist. Dort in jenem Jahrhundert klang selbst das Fluchen noch vornehm.

Der Autor schafft es auf sehr geschickte Weise, das, was man von Sherlock Holmes kennt auf seine Protagonisten zu übertragen. Fast ist man geneigt zu glauben, dass die beiden vor dem berühmten Duo zugange waren, vor allem dann, als am Ende ein Arzt auftaucht, der seine Liebe zur Schriftstellerei gesteht. Sein Name: Arthur Conan Doyle.

Könnte als also sein, dass besagter Mr. Doyle nichts anderes tat, als die Fälle von Sidney Grice und March Middleton aufzuschreiben, um damit berühmt zu werden?
Wer gute Krimis mag, gerne in eine andere Zeit reist und die Komplexität von Sherlock Holmes Geschichten immer schon mochte, wird an diesem Buch seine Freude haben!

Mord in der Mangle Street, von M.R.C. Kasasian, ISBN: 978-3-455-60051-3

Wen interessiert es, ob die Herren Seesterne tragen?

bildschirmfoto-2017-01-03-um-15-07-51Karl Hellmann macht sich auf dem Weg in ein Dorf um dort mittels eines Fragebogens das Glück der Menschen zu hinterfragen. So steht es zumindest in der Beschreibung des Buches. Tatsächlich begegnen wir in diesem Buch einem Mann, den man nach Seiten als Karl Hellmann identifiziert. Tatsächlich hat er einen Fragebogen bei sich, aber die Beantwortung der Fragen scheint nicht der Inhalt des Buches zu sein. Selbst die Personen die vorkommen lernt man als Leser nur als M1 (männlich 1) oder F2 (feminin 2) kennen. Namen fallen nur zufällig. Das macht es schwer die Personen richtig kennenzulernen und es lässt auch kaum einen kausalen Zusammenhang zu. Ja, das gibt es das Hotel Post, ja, es scheint, als hätte das schon bessere Tage gesehen. Was der Wirtin passiert ist? Erfährt man nicht. Was eigentlich mit Karl selbst los ist? Erfährt man auch nicht. Ob es seine Frau Margit tatsächlich gibt, jemals gegeben hat oder nicht mehr gibt? Bleibt dem Leser überlassen. Weshalb die Herren Seesterne tragen? Ist so eine Nebensächlichkeit, dass man sich fragen muss, warum es der Titel des Buches wurde. Muss man solche Bücher lesen? Nein, nicht unbedingt. Sie sind anstrengend. Nicht nur, weil man die Hälfte nicht versteht, sondern auch, weil es keinen einzigen Satz mit direkter Rede gibt. Das Buch ist Arbeit und kein Vergnügen.
Weshalb die Herren Seesterne tragen, von Anna Weidenholzer, ISBN: 978-3-95757-323-0

Ein Plädoyer für einen humanen Tod

bildschirmfoto-2016-12-28-um-22-46-26Terry Pratchett, seines Zeichens Erfinder der Scheibenwelt und der unzähligen daraus resultierende Romane, hat schon in seinem ersten Buch dem Tod eine wichtige Bedeutung beigemessen. Er ist nicht einfach nur der Sensenmann, sondern voller Gefühle und manchmal auch Zweifel. Und zugegeben: in den Scheibenwelt-Romanen ist der Tod, der gerne in GROSSBUCHSTABEN spricht, auch noch ausgesprochen unterhaltsam.

Im März 2015 hat der Tod den Autor selbst geholt, nachdem er an einer heimtückischen, frühzeitigen, aggressiven Form von Alzheimer erkrankt war. Es ist anzunehmen, dass der Autor still und heimlich mit dem Gevatter einen Deal vereinbart hat, der in etwas so gelautet haben dürfte: „Du brauchst mich nicht zu holen, es genügt, wenn du die Tür einfach nur aufmachst und das Licht im Gang brennen lässt. Ich komme von alleine.“ Denn genau darum geht es in dem letzten Büchlein, das Terry Pratchett veröffentlicht hat. Es handelt sich dabei eigentlich um eine Rede, die er halten sollte und die er zum Anlass nahm, um über den Tod und der Chance auf Sterbehilfe sprach. Und tatsächlich haben seine Worte, die im Jahr 2010 von BBC aufgezeichnet wurden auch Wirkung gezeigt. In England entbrannte eine neue Diskussion darüber, ob und in welcher Form Sterbehilfe möglich sein sollte.
Man kann dem Thema skeptisch oder positiv gegenüber stehen, es lohnt sich allemal die letzten Worte Terry Pratchetts zu lesen, auch wenn diesmal nicht allzuviel zum Schmunzeln darunter zu finden ist.

Dem Tod die Hand reichen, von Terry Pratchett, ISBN 978-3-442-54781-4