Vong Sprache her ein Desaster

Andreas Hock könnte man als depressiven Menschen einstufen. Und es ist auch kein Wunder, beschäftigt er sich doch mit dem Niedergang eines der wichtigsten Kulturgüter überhaupt: der Sprache. Die Anglizismen sind es diesmal, die ihm Sorgen bereiten, weil sie sich nicht nur in Wörtern wie „cool“ längst in unseren Wortschatz eingebrannt haben, sondern weil sie neuerdings die Speisekarten jedes Gasthauses verfremden, sodass man nicht mal mehr Gasthaus sagen darf, geschweige denn versteht, was einem eigentlich serviert wird. Darüber hinaus trauert er unter anderem auch dem handgeschriebenen Brief nach, der so viel mehr zu erzählen hat, als nur von der momentanen Gefühlswelt. Selbst die erschein in einem verfassten Brief wesentlich tiefer und ausdrucksstärker, als es ein Emoji jemals ausdrücken könnte. Warum? Weil sich der Verfasser wirklich Zeit nehmen muss, um das zum Ausdruck zu bringen, was ihn bewegt, anstatt auf vorgefertigte Icons zurückzugreifen. Dies sind nur einige Beispiele dessen, was Andreas Hock in die Verzweiflung treibt und unsereins gemahnen sollte, doch ein bisschen sorgsamer in der Sprache umzugehen – vong Prinzip her!
Wenn du mich frägst, macht das in keiner Weise Sinn
von Andreas Hock, ISBN 978-3742-30251-9

Es ist vernünftig Hoffnung zu haben …

Wir befinden uns am Ende einer Epoche. Es ist dies der Übergang in eine neue Zeit. Die alles verändernde Technologie, das schnelle Wachstum der Weltbevölkerung, die Klimaveränderung … Veränderungen dieser Dimension machen Angst und bringen Unsicherheit, weil man sie spürt, ohne sie greifen zu können, ohne zu verstehen, dass dieser Übergang auch ein Bereich voller Chancen ist. Nathalie Knapp erklärt anhand von Vergleichen mit der Natur, was es mit Übergängen auf sich hat. Ökoton, so nennt man diese Bereiche, beispielsweise zwischen Wald und Wiese, wo am meisten Artenvielfalt herrscht, weil dieser schmale Streifen von zwei Welten gespeist wird – vom Wald und von der Wiese. Auch für Menschen gibt es solche Übergänge, beispielsweise vom Kind zum Jugendlichen, vom Erwachsenen zum Alten, von der Schule ins Berufsleben, usw. Diese Veränderungen passieren meist schleichend, machmal in Form von Schicksalsschlägen auch sehr plötzlich. Und dann gilt es als Mensch zu erkennen: dass es jene Veränderungen sind, die das größte Potenzial in sich bergen.
Was wir dafür brauchen ist ein größeres Maß an Unsicherheitstoleranz. Nathalie Knapp nimmt uns also mit auf eine Reise quer durch die Geschichte, die Philosophie, eines ganzen Lebens um am Ende festzustellen: „Es ist klug davon auszugehen, dass wir unsere Sache immer gut machen, wenn wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten aufrichtig bemühen.“
Was also können wir aus diesem Buch mitnehmen?
Es gewisse Demut vielleicht, dass wir eben trotz den unbändigen Wunsches ein Individuum zu sein, auch Teil eines großen Ganzen sind, dass einem „höheren Plan“ folgt.
Die Erkenntnis vielleicht, dass Monokulturen in der Natur keine Überlebenschance haben, sondern dass es der Austausch ist, der die Vielfalt bringt, sprich: Gemeinschaft statt Egotrip.
Das Vertrauen vielleicht, in die fünf Urkräfte, die uns Stabilität und Wandlung ermöglichen: Akzeptanz, Vertrauen, Hoffnung, Liebe, Lebendigkeit
Das notwendige Abbremsen eines Hochgeschwindigkeitszuges, der Leistungsgesellschaft heißt, um ein Umleiten in eine ressourcen- und naturschonende Gesellschaft zu ermöglichen.
Das Erkennen der Zeit, nicht nur als Abfolge von Terminen und Verfallsdaten, sondern manchmal auch als Kapseln, in denen man verweilen sollte.
Ein Buch zum Nachdenken also.
Der unendliche Augenblick, von Natalie Knapp
ISBN: 978-3-498-034030

Und diesmal ist die Zeitreise echt

In der Antarktis landet ein Raumschiff aus dem ein Außerirdischer entsteigt. Wäre nicht prompt zu jener Zeit ein Forschungsschiff in diesen Breiten unterwegs, um nach dem Einstieg zum Mittelpunkt der Erde zu suchen, wäre dieses Ereignis ohne Folgen geblieben. So aber findet eine ganze Mannschaft bis auf zwei Männer den Tod und ein Wesen aus den Weiten des Universums einen Weg in die Zivilisation. 70 Jahre später schreibt H.G.Wells einen Roman über den „Krieg der Welten“, die in London ihren Anfang findet, ein Mann, der seit zwei Jahren tot ist, erwacht zum Leben und will seiner Angebeteten einen unmöglichen Wunsch erfüllen und ein Außerirdischer beginnt seine Invasion, die durch nichts aufzuhalten ist. Und einmal mehr ist es unser wunderbarer Schriftsteller, der eine Lösung herbeiführen kann und diesmal ist alles an der Zeitreise echt …
Felix J. Palmas Fortsetzungsroman im viktorianischen London erzählt uns einmal mehr von den wundersamen Verknüpfungen des Schicksals, lässt uns Eintauchen in eine Science-Fiction-Vorstellung, ohne jemals gekünstelt zu wirken und wieder ist es die Schreibweise des Autors, die diesen Spannungsbogen bildet, indem er sich immer wieder direkt an den Leser wendet, um ihn aus der momentan aussichtslosen Situation herauszunehmen und einfach an einer anderen Stelle der Geschichte wieder abzusetzen. Auf diese Weise wirken 900 Seiten keineswegs langatmig, vielmehr fragt man sich, was wohl am Ende rauskommen mag, und: war das überhaupt das Ende?
Die Landkarte des Himmels, von Felix J. Palma
ISBN: 9783463406251

Die Situation hat ihre Autorität verloren, wenn jemand pupst

Die Ich-Erzählerin, nennen wir sie Sarah, steckt in einer Krise. Das Kaninchen ist tot, der Freund bei der Verwandtschaft und es ist Silvester. Kurzerhand lädt sie wildfremde Leute, die sie im Supermarkt oder auf dem Weg dorthin trifft, zu einer Party ein. Doch das ist nicht die Geschichte – eigentlich. Vielmehr geht es um das Gedankenchaos in Sarahs Kopf, in dem sich allerlei zum Thema Scheitern ansammelt.
„Wenn man es nicht schafft, an sich selbst zu scheitern, dann sucht man sich jemanden, der einem dabei hilft“, so ihre Erkenntnis, während sie das streitende Ehepaar beobachtet, das auf ihrer Wohnzimmercouch sitzt. Silvester ist die Nacht der gescheiterten Existenzen und des existenziellen Scheiterns, daran hat die Protagonistin keinen Zweifel.
Vieles, was Sarah von sich gibt, ist lustig, einiges richtig tiefsinnig, manches oberflächlich, kurzum: es nettes Buch zum Lesen.
Ein paar Sätze, die durchaus Potenzial haben:
Es sind nie die Klugen, die laut sind, es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Lautstärke und Dummheit.
Es ist seltsam, wenn man sagt, jemand sei verstorben. Das klingt so als hätte er etwas falsch gemacht. Als hätte er sich im Datum vertan und wollte erst morgen sterben.
Mit 30 hat man die erste Stufe der Unumkehrbarkeit erreicht.
Manchmal merkt man erst sehr spät und zufällig, dass man an etwas gescheitert ist.
Man kann Kritik umgehen oder mit Kritik umgehen.
Ich bin sehr hübsch, das sieht man nur nicht so
von Sarah Bosetti, ISBN: 9783499633171

Kein Zeitalter kommuniziert flüchtiger als das unsere.

Es ist schlecht bestellt um die Aufklärung. Galt im 18. Jahrhundert die Vernunft als vorherrschende Kraft, mit deren Einsatz man endlich Licht in so vieles brachte, das das dunkle Mittelalter prägte, so scheint es heute kein Privileg mehr zu sein, die Vernunft als ein Werkzeug einzusetzen, das es einem ermöglicht, selbst zu denken, sich eine Meinung zu bilden, kritisch zu hinterfragen, ohne blind irgendwelchen Demagogen zu folgen. „Habe Mut, die deines eigenen Verstanden zu bedienen“, dieses Credo von Imanuel Kant, wurde zum Leitspruch einer ganzen Epoche.  Ein wichtiger Faktor war dabei die Bildung: „Wissen ist Macht“, so wusste es der Philosoph Francis Bacon, der erkannte, dass es einem Menschen erst durch Bildung und Wissen ermöglicht wird, seinen Verstand zu benutzen und eine eigenständige und unabhängige Person zu werden. Und heute?
Ist die Bildung in ihrem ursprünglichen Sinn überhaupt noch zeitgemäß? Geht es nicht längst schon nur noch um Kompetenz? Um das Erlernen von gewissen Fähigkeiten, um in der Welt einen Platz zu finden? Kompetenz zielt immer auf ein Können, eine Anwendung, die Lösung eines Problems. Bildung hingegen ist so viel mehr. Es ist die Einsicht über die eigenen Unzulänglichkeit. Es ist die Fähigkeit innezuhalten und sich auch selbst eine Meinung zu bilden ohne in einer sozialen Filterblase zu ertrinken. Es ist eine gewisse Gelassenheit gegenüber der permanenten Skandalisierung, der Panikmache, der Ausrufung des Weltuntergangs, um ernsthaft zu prüfen, was an der Sache dran ist. Das mag nur dann gelingen, wenn man nicht nur Fähigkeiten besitzt, sondern auch ein solides Grundwissen – beispielsweise über die Vergangenheit, über die Geschichte, über Denkrichtungen, die es sicher alle schon einmal gegeben hat, usw.
Liessmann, als Universitätsprofessor für Methoden der Vermittlung von Philosophie und Ethik erhebt einmal mehr den mahnenden Zeigefinger und erinnert uns daran, dass wir – die wir einer breiten bürglichern Schicht angehören – schon etwas mehr tun sollten, als nur Beiträge anderer zu liken. Selber denken ist zu einem Luxusgut geworden. Nicht immer alles Abnicken und automatisch für gut befinden, nur weil alle ins selbe Horn blasen, ist mitunter eine Herausforderungen.
Bildung als Provokation
von Konrad Paul Liessmann, 9783552058248

Was man bereit ist für die Liebe zu tun

Dies ist die Geschichte von Martin Gilmore. Seine Jugend, seine Schulzeit, sein Niedergang. Schuld an allem ist Ben, sein Freund aus Schultagen, den Martin eigentlich liebt. Nur, dass er das nicht zugeben will. Und so passiert es, dass er für Ben gerade steht, als dieser im Alkoholrausch eine Straftat begeht. Die Familie von Ben zeigt sich großzügig und dennoch will sich das Leben nicht so entwickeln, wie sich Martin das vielleicht gewünscht hätte. Mit von dieser Psychoparty sind Martins Ehefrau und Bens Frau. Jede für sich ein Charakter, der in Kombination hochexplosiv ist. Und so kommt es eines Tages zum Supercrash, der das Leben von Martin und seiner Frau Lucy nachhaltig verändert. Nur Ben scheint wieder einmal davon zu kommen …
Der Roman von Elizabeth Day ist ein Psychogramm, dass wir uns Schicht für Schicht anschauen. Geschrieben aus der Sicht von Lucy, aus der Sicht von Martin und dann wieder aus der Vogelperspektive der Autorin ergibt sich auf diese Weise nach und nach ein Bild. Es ist nicht das spannendste Szenario, das ich jemals gelesen hab, aber durchaus lesenswert
Die Party, von Elizabeth Day, ISBN: 973-832198671

Ein Stück Zeitgeschichte

Hitler steht kurz davor in der Tschechoslowakei einzumarschieren, um die Sudetendeutschen zu „befreien“. Europa steht neuerlich am Rande eines großen Krieges. Dem britischen Premierminister Neville Chamberlain gelingt es buchstäblich in letzter Minute, eine Konferenz ins Spiel zu bringen, auf der Frankreich, England, Italien und Deutschland gemeinsam eine friedliche Lösung der tschechischen Krise zustande bringen sollen. Der Coup gelingt. Hitler unterschreibt das Abkommen und ganz Europa atmet auf, angesichts der Tatsache, dass der Krieg nun abgewendet ist. Wir alle wissen, was nicht einmal ein Jahr später passierte …
Robert Harris nimmt diesen geschichtsträchtigen Akt der Historie rund um den Beginn des zweiten Weltkriegs und lässt den Leser daran teilhaben. An den Ängsten der Bevölkerung, die mit ihren Kindern bereits das Tragen von Gasmasken üben, am Fanatismus, aber auch an den Gegenkräften, die in Deutschland verzweifelt versuchen, das Unabwendbare doch noch zu verhindern. Man liest und weiß, wie es geendet hat – und das ist jedes Mal aus Neue erschütternd.
München von Robert Harris
978-3-453-27143-2

Drehschwindel bei einer Zeitreise der Sonderklasse

Jack the Ripper treibt sein Unwesen und ausgerechnet die Geliebte von Andrew Harrington findet einen grausamen Tod. Seinem Leben kann er keinen Sinn mehr abtrotzen, so beschließt Andrew dem Elend ein Ende zu bereiten. In letzter Minute hält ihn sein Cousin Charles davon ab: er weiß einen Weg das Geschehen rückgängig zu machen. Ein neues Unternehmen ist in London aufgetaucht, das Zeitreisen verspricht. So könnte man doch ungehindert zurückreisen und die Tat ungeschehen machen. Gesagt, getan, die beiden begeben sich zu Gilmore Murray, der ihnen das Geheimnis um die Zeitreise erklärt, die – so bedauerlich es auch ist – nur nach vorne in die Zukunft funktioniert. Genauer gesagt nur an einen bestimmten Tag im Mai des Jahres 2000. Doch – so der Zeitreisen-Experte – es könnte einen Mann in London geben, der dennoch eine Lösung wüsste: ein Schriftsteller namens H.G. Wells …
So beginnt das viktorianische Abenteuer in Felix J. Palmas überaus unterhaltsamen 1. Teil einer Trilogie, in der uns noch weitere bekannte Persönlichkeiten begegnen. Der Schreibstil des Buches ist gediegen, ja durchaus von feiner Feder und er ist insofern besonders, als dass der Autor selbst sich immer wieder an den Leser wendet. Man taucht also in die Geschichte ein, wird irgendwo vom Autor abgeholt und sozusagen herausgehoben, um eine Szene von außen zu betrachten, um letztendlich wieder hineinzufallen in das Abenteuer rund um H.G. Wells und seinem Roman „Die Zeitmaschine“. Es ist wie das Luft holen vor einem Tauchgang.
Warum ich in der Überschrift „Drehschwindel“ schreibe? Weil man in die Zukunft reist – und irgendwie doch nicht. Weil man in die Vergangenheit reist, die so gar nicht existiert, um dann wieder zum Sprung in die Zukunft anzusetzen, die nur ein Traum zu sein scheint? Letzen Endes bleibt es dem Leser überlassen, was man glauben will und was nicht, aber unzweifelhaft sitzt man in einem Karussell, das einen in den Epochen herumschleudert.
Ich habe keine Ahnung, warum ich sechs Jahre gebraucht habe, um dieses Buch zu finden! Es ist großartig!
Landkarte der Zeit
von Felix J. Palma, ISBN: 9783463405773

Der Datenstrom übernimmt das Leben

Gleich vorweg: das ist kein Buch, das man nebenbei liest! Es bedarf hoher Aufmerksamkeit und dem Willen sich auf ein Gedankenmodell einzulassen, das die Zukunft der Menschheit skizziert, wie sie uns vielleicht gefällt – oder ängstigt.
In Yuval N. Hararis Buch „Homo Deus“ geht es um nicht weniger, als den nächsten Evolutionsschritt, den der Mensch machen wird. Waren die dringendsten Fragen des 20. Jahrhundert jene, wie man Krieg, Hunger und Krankheit besiegen (oder zumindest in den Griff bekommen kann) so geht es in diesem Jahrhundert wohl mehr und mehr um die Frage, wie der Mensch glücklich, gesund und letztendlich unsterblich werden kann. Das klingt jetzt trivial und viele werden aufschreien und sagen: „Weder Hunger noch Kriege sind aus der Welt“. Dennoch sieht der Autor über den Tellerrand lokaler Problemherde hinweg und fragt, was der Mensch als solches wohl als nächstes anstreben wird.
Dazu begibt er sich zunächst mit dem Leser in die Vergangenheit und versucht in drei Etappen zu erklären, wie der Mensch zu jenem machtvollen Individuum werden konnte, das er heute ist. Was unterscheidet den Menschen vom Tier? Wie konnten wir die Welt erobern? Eine der beeindruckendsten Erkenntnisse ist wohl jene, dass der Mensch deshalb am Ruder ist, weil er es geschafft hat, sich zu koordinieren – zu vernetzen. (Zitat: Der entscheidende Faktor für unsere Macht war nicht die Intelligenz oder das Geschick eines einzelnen, sondern die Fähigkeit viele Menschen in Verbindung zu bringen. Es ist diese Fähigkeit zur Kooperation, die uns stark macht.) Beginnend bei der Einführung der Schrift, die es überhaupt erst möglich machte über Distanzen und Epochen zu kommunizieren, bis hin zu der Frage, welchen Sinn das Leben für den Menschen eigentlich hat. Was uns natürlich zu den Religionen bringt und der Erkenntnis, dass die Religion der Moderne der Humanismus ist, der in allem den Menschen in den Vordergrund stellt, manchmal mit fatalen Folgen, wenn man an das „Reinheitsgebot“ der Nazis denkt.
Das alles bringt den Autor und damit auch den Leser der Frage näher, um die es eigentlich geht: wie kann der Mensch dem Leben weiterhin Sinn geben, wenn jetzt doch jenes Zeitalter angebrochen ist, wo Homo Sapiens zusehends obsolet wird. „Das Problem ist nicht die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Das Problem ist die Schaffung neuer Jobs, die Menschen besser verrichten können als Algorithmen“, meint der Autor. Wo Roboter also endgültig die Arbeiten übernehmen und bald auch schon künstliche Intelligenzen für uns Entscheidungen treffen werden, ganz einfach aus dem Grund, weil sie uns besser kennen als wir selbst. „Menschen verfügen über zwei grundlegende Arten von Fähigkeiten: physische und kognitive. Bislang wurden die Menschen nur im physischen Bereich durch Maschinen ersetzt. Jetzt aber kommen Computer, Programme und Algorithmen, die uns auch kognitiv überlegen sind“, so skizziert Harari die nahe Zukunft. Schon jetzt sind es die Apps die unser Leben diktieren – das Fitness-App, das Finanz-App, das Einschlaf-App, das Abnehm-App usw. Ohne Handy und ohne Anweisungen von irgendeinem App scheint der Mensch gar nicht mehr zu wissen, was er tun soll. So ist es auch kein Wunder, dass der Autor zu dem Schluss kommt, dass die nächste Religion – nach dem Humanismus – der Dataismus ist. Der Datenstrom der gefüttert werden will, der Mensch, der seinen Sinn darin findet, alles in diesem großen Strom zu integrieren. Um es mit den Worten des Autor zu sagen: „Dataismus ist die neue Weltreligion. Der Datenstrom gibt uns Sinn, leitet uns, zeigt auf, wie es besser geht, übernimmt das Leben.“

Schöne neue Zukunft oder Angstvision? Der Leser ist dazu angehalten sich sein eigenes Bild zu machen und darüber nachzudenken, wie die Zukunft aussehen mag, denn „In früheren Zeiten bedeutete Macht, Zugang zu Daten zu haben. Heute bedeutet Macht zu wissen, was man ignorieren kann.“ Wofür werden wir uns entscheiden?Noch eine Prognose meinerseits: Dieses Buch wird denselben Effekt haben, wie Talebs „Der Schwarze Schwan“ – es ist ein visionäres, welterklärendes Buch!

Homo Deus,  von Yuval Noah Harari, ISBN 978-3-406-70401-7

Wenn die Wissenschaft die Existenz Gottes widerlegt …

Als Robert Langdon von einem seiner ehemaligen Schüler, dem Computergenie Edmond Kirsch, eine mysteriöse Einladung ins Guggenheim Museum nach Bilbo erhält, ahnt er nicht, dass er einmal mehr mit dem Glauben konfrontiert wird. Doch diesmal geht es der Religion an sich an den Kragen, denn Edmond Kirsch behauptet, auf die elementaren Fragen der Menschheit „Woher komme ich“ und „Wohin gehe ich“ Antworten gefunden zu haben, die sämtliche Glaubensgemeinschaften der Welt endgültig ins  Reich der Märchen und Fantasien schicken würde. Die Präsentation wird zum Schauplatz eines Attentats und der berühmte Symbolforscher aus Harvard findet sich bald in ein Komplott wieder, in dem das spanische Königshaus ebenso verwickelt ist, wie Würdenträger dreier Weltreligionen und eine mysteriöse katholische Sekte, die enorme Macht zu besitzen scheint. Angeleitet von Winston, einer von Edmond Kirsch geschaffenen künstlichen Intelligenz, irrt Robert Langdon durch die dunkle Nacht von Bilbao bis nach Barcelona in die berühmte Sagrada Famiglia. In seiner Begleitung die schöne Ambra Vidal, ihres Zeichens Kuratorin des Guggenheim Museums und Verlobte des spanischen Kronprinzen.
Wer die Bücher von Dan Brown kennt, weiß, dass es immer um historische Gebäude geht, um mystische Geschichten und jede Menge Symbole. Man kann getrost neben dem Lesen der Lektüre Wikipedia aufsuchen und wird vieles bestätigt finden. Und zweifelsohne ist der Autor ein begnadeter Schreiber, denn das Buch zieht einen von der ersten Seite weg in den Bann.
Wie schon bei seinem letzen Werk „Infero“ geht es auch diesmal um die Zukunft der Menschheit, in dem der Autor darüber nachdenkt, wie der nächste Schritt der Evolution wohl aussehen könnte – und was das für den Glauben bedeutet. Und seine Antwort ist so logisch wie erschütternd, weil wir schon mitten drin sind in der Metamorphose …
Beste Leseunterhaltung!
Origin, von Dan Brown, ISBN 973-431-03999-3