Traut man sich das heute überhaupt noch? Laut nachzudenken?

Hans Rauscher ist vielen bekannt als Journalist des Standard. Es ist Vertreter jener Journalistenzunft, die noch Wert darauf legt, dass Fakten doppelt und dreifach auf den Wahrheitsgehalt geprüft werden, bevor sie in einem Medium erscheinen. Dass man aber mittlerweile vieles unter dem fadenscheinigen Argument der „Political Correctness“ nicht mehr sagen darf, obwohl es den Fakten entspricht, das ist etwas mit dem Hans Rauscher seine Probleme hat. Darum hat er auch dieses Buch hier geschrieben, dass sich mit lauter heißen Eisen befasst. Allem voran ist das Thema der Zuwanderung ein roter Faden im Buch, ist sie doch der Grund für ganz vieles, das jetzt nicht mehr so gut läuft, wie früher. Sei es die Politik, die darauf Profit schlägt, sei es generell die Stimmung und die Angst in der Gesellschaft. Man muss schon auch mal den Mut haben in Ruhe darüber zu lesen, bevor man gleich wieder „Zündler“ schreit. Ja, er hat schon Recht, der Hans Rauscher, leicht ist es nicht, über manche Dinge einmal ohne Emotionen zu reden. Natürlich geht es auch um andere Themen, wie beispielsweise die Rechte der Frauen, den Zerfall der EU oder darüber, dass gerade jene, die ständig fordern (z.B. die Gewerkschaften) ebensolche sind, die es mittlerweile besser haben, als manch normaler Hackler. Das Privileg in einem geschützten Bereich, wie dem Beamtentum zu arbeiten, beschwert jenen höhere Gehälter, mehr Sozialleistungen und die Möglichkeit sehr viel früher in Pension zu gehen, während andere um dieselbe zittern.
Wie gesagt, es ist sicher kein Buch, das einen kalt lässt. Und vermutlich wird es genauso wieder wilde Attacken dagegen oder aggressiven Beifall dafür geben, eben weil die Gesellschaft nicht mehr fähig ist, sachlich und ruhig über etwas zu sprechen und die Vor- aber auch Nachteile einmal aufzulisten bzw. gar danach zu handeln und etwas zu verändern.
Ein Aufreger also in jeder Hinsicht.
Was gesagt werden muss, von Hans Rauscher, ISBN-NR. 9783711000668

Wenn du viele Möglichkeiten hättest dein Leben zu leben – möchtest du tauschen?

Jason Dessen, Physiklehrer an einem College, liebt seine Frau und seinen Sohn über alles. Eines Abends besucht er die Feier eines alten Freundes, der soeben einen renommierten Wissenschaftspreis erhalten hat. Auf dem Heimweg wird er von einem mysteriösen Mann überfallen und entführt. Als er wieder zu sich kommt, liegt er in einem Krankenzimmer umringt von fremden Menschen, die ihm zur Rückkehr gratulieren. Nach und nach stellt sich heraus, dass er 14 Monate verschwunden war, nachdem er in einem Kubus gestiegen war und gestern plötzlich wieder auftauchte. Der begeisterte Applaus des Auditoriums, dem er vorgeführt wird, macht Jason Angst, denn er hat keine Ahnung für welche Leistung er hier bejubelt wird. Kurze Zeit später flieht er aus dem Gebäudekomplex, in dem er sich befindet, und versucht zu sich nach Hause zurückzukehren. Er findet die Straße, er findet das Haus, aber es ist irgendwie nicht seins. Die Schlüssel passen, doch als er in seinem Wohnzimmer steht, sieht er nirgendwo Familienfotos hängen, geschweige denn Spuren eines Teenagers. Seine Frau und sein Sohn sind nicht mehr da.
Was in der Folge passiert, ist selbst für den Physiker in Jason nur schwer zu verstehen: ganz offenbar hat er eine Maschine gebaut, die ihn in ein Parallel-Universum gebracht hat, in der es zwar die Stadt, die Straße, das Haus gibt, in dem er wohnt, nicht aber seine Familie. Oder ist dies sein reales Leben und er war in einem anderen Universum nur zu Gast? Dies herauszufinden gleicht einer Odysee, die immer mehr Dinge zu Tage bringt, die Jason lieber gar nicht wissen will.
BasierenD auf der „Theorie von Schrödingers Katze“ hat der Autor hier einen unglaublich spannenden Plot geschaffen, in dem alles möglich ist. Die Theorie aus der Quantenphysik besagt, dass eine Katze, die in einem Kasten eingesperrt ist, gleichzeitig lebendig und tot sein kann, solange, bis jemand durch seine Beobachtung (die Kiste wird geöffnet) einen Zustand manifestiert. Nach dieser Theorie kann es also durchaus mehrere Jasons geben, die alle in einem unterschiedlichen Zustand sind, solange, bis einer dieser Jasons eine Dummheit begeht …
Science-Fiction der feinsten Sorte!
Dark Matter – der Zeitenläufer, von Blake Crouch, ISBNA 978-3-442-20512-7

Roboter sind nicht unbedingt die besseren Menschen.

Bildschirmfoto 2017-04-23 um 08.25.12Mr. Sapien hat sich in einem Strandhaus eingemietet. Er ist in einem desolaten Zustand. Der linke Arm fehlt, die rechte Hand ist nur noch ein simple Greifklaue. Mr. Sapien ist ein alter Roboter, der noch von Menschen gebaut wurde, als diese Spezies noch den Planeten beherrschte. Heute sind sie eine Rarität. Geduldet, aber nicht geschätzt. Und für manche eine Studienobjekt, um jenen Teil zu erforschen, der Robotern irgendwie versagt ist: die Welt der echten, tiefen Gefühle. Das Herrenhaus, zu dem das Strandhaus gehört, wird von einer Roboterfamilie bewohnt und ganz offenbar gibt es auch einen Menschen in diesem Haus. Mr. Sapien erkundet die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner und lernt auch im echten Leben die Protagonisten kennen. Dabei stellt sich bald heraus, dass sich Mensch und Roboter nur in einem unterscheiden: Roboter können ewig leben, wenn sie wollen. Doch in punkto Grausamkeit, Hass und Gier stehen sie sich in nichts nach. Verworren ist die Geschichte von Mary Asimov 3000 und ihrem Bruder Kent, sowie einem weiteren Roboter namens Clarke. Und tragisch jene von Mr. Blackstone, jenem Menschen, der in seinem Sterbebett liegt.
Die Geschichte ist düster, aber durchwegs faszinierend, weil sie die Welt aus Sicht der Roboter zeigt. Hier betrinkt man sich nicht, sondern man zieht sich im wahrsten Sinne einen Chip rein. Hier können Ersatzteile problemlos gekauft werden und Roboter dennoch eine gewisse Todessehnsucht verspüren. Es erinnert an Frankenstein, wenn der Mensch versucht seinen eigenen Sohn zu bauen und scheitert. Und es bleibt auch nicht die Erkenntnis aus, dass Roboter in keinster Weise die besseren Menschen sind.
Warum der Titel „Mr. Sapien träumt vom Menschsein“ heißt, entzieht sich meinem Verständnis, da so gut wie gar nichts über das Leben von Mr. Sapien erzählt wird.
Mr. Sapien träumt vom Menschsein von Ariel S. Winter, ISBN 978-3-426-51932-5

„Erinnerungen sind wie Geschosse. Manchen zischen vorbei, andere reißen dich in Stücke.“

Bildschirmfoto 2017-03-27 um 07.25.26Peter Kautz ist Literaturagent. Eines Tages landet das Exposée eines unbekannten Schriftstellers auf seinem Tisch. Es enthält Teile eines Manuskripts, das die Erinnerungen des Autors, Richard Flynn, wiedergibt. Zunächst lässt Peter das Paket achtlos liegen. Als er es jedoch irgendwann zu lesen beginnt, ist er sogleich fasziniert von der Geschichte. Nach 70 Seiten endet das Skript, das – so erkennt es Peter – als Buch mit Sicherheit ein Knüller wird, handelt es doch vom Mord an einem nicht unbekannten Psychologie-Professor in Princeton, der vor 30 Jahren geschah und niemals aufgeklärt wurde. Peter will sich mit dem Autor treffen, muss aber feststellen, dass dieser ihm keine Antworten mehr geben kann ….
Der vorliegende Krimi ist das Erstlingswerk eines rumänischen Schriftstellers, und man kann ohne Übertreibung sagen, dass es mehr als gelungen ist. Die Geschichte, die auf mehreren Erzählsträngen beruht, ist faszinierend und zieht einen unweigerlich ins Buch hinein. Von der ersten Seite weg will man mehr wissen – ganz so, wie eine gute Geschichte eben aufgebaut sein muss.

Das Buch der Spiegel von E.O. Chirovici
ISBN: 978-3-442-31449-2

„Welche großartigen Erfindungen sollen jetzt noch folgen?“

Bildschirmfoto 2017-03-16 um 16.35.00Die Welt steht kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert als drei der berühmtesten Erfinder ihrer Zeit einander begegnen. Thomas Edison, Nikola Tesla und George Westinghouse. Diesen drei Personen ist es zu verdanken, dass wir heute nicht mehr gezwungenermaßen bei Kerzenlicht  oder dem dumpfen Leuchten einer Gaslampe unserer Arbeit nachgehen, sondern ohne viel Nachzudenken einen Schalter umlegen und elektrisches Licht genießen. Thomas Edison wird die Erfindung der Glühlampe zugesprochen, Nikola Tesla hat den Wechselstromgenerator erfunden, und George Westinghouse verhalf dieser Erfindung zum Durchbruch. Bevor es jedoch so weit war, fand in Amerika der größte Patentstreit der Geschichte statt, der als „der Stromkrieg“ in die Annalen einging. Graham Moore nimmt diese Fakt auf und erzählt uns davon, wie ein junger Anwalt, auf Seiten von George Westinghouse den aussichtslosen Kampf gegen den Titanen Thomas Edison aufnimmt, wie Intrigen gesponnen werden, Firmenspionage betrieben wird, Lügen im Umlauf gebracht werden, um dem jeweils anderen zu schaden, bis schlussendlich ein Banker dem Streit ein Ende setzt: J.P. Morgan.
Es ist überaus spannend darüber zu lesen, wie in dieser pulsierenden Zeit eine der größten Erfindungen der Menschheit an der Sturheit der Protagonisten beinahe scheitert. Und wenn Thomas Edison im Buch am Ende traurig meint, dass es das wohl war, mit den großen Entdeckern, und dass des wohl nicht mehr vergleichbares geben wird, das noch erfunden werden kann, dann lächelt man als Leser wohlwissend, dass knapp 100 Jahre später eine weitere Erfindung den ganzen Erdball auf den Kopf stellt: das Internet.
Wer Spaß an der Vermischung aus Fakt und Fiktion hat und sich gerne auf eine Zeitreise begibt, der wird mit diesem Buch seine Freude haben.

Die letzten Tage der Nacht, von Graham Moore
ISBN: 978-3-847906247

Der „Weltenerklärer“ denkt über die Ära Trump nach

Bildschirmfoto 2017-02-12 um 14.40.27Hugo Portisch ist für mich der beste Geschichtsprofessor, den Österreich hat. Kaum einer kennt die Zusammenhänge so gut und war bei so vielen politischen Weltereignissen hautnah dabei. Will man die Welt verstehen, fragt man am besten den mittlerweile 90jährigen Journalisten. Schon sein Buch „Was jetzt“, das das Grundprinzip der Europäischen Union anschaulich erklärt, hat mich sehr beeindruckt, ja sogar belehrt. In seinem aktuellen Buch „Leben mit Trump“ analysiert er den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten und alle Politiker, die mit ihm die nächsten Jahre bestimmen werden. Und was man da für Gestalten kennenlernt ist alleine schon Grund genug zur Sorge. Nicht nur, dass alle Personen aus dem engen Politik-Kreis von Trump unermesslich reich sind, sie sind auch noch auf ihre Art extrem. Sei es die Bildungsministerin, die Waffen in Schulen befürwortet, oder der General, der jetzt als Verteidigungsminister angelobt wird, obwohl ein Kriterium für den Posten des Verteidigungsministers immer jener war, dass er eine Zivilperson sein müsste. Oder der Mann, der jetzt das Umweltressort leitet und dabei im Wahlkampf nichts anderes im Sinn hatte, als genau jenes Amt kalt zu stellen. Aber Hugo Portisch wagt auch den Blick in die Zukunft und versucht zu analysieren, wo es mit Trump hingehen wird. Was daraus zu lernen ist? Dass die Europäische Union drauf und dran ist, nicht nur innerpolitisch von den Nationalisten überrannt zu werden, sondern auch außenpolitisch völlig in die Bedeutungslosigkeit abzudriften. So lautet der eindringliche Weckruf von Portisch beispielsweise, dass die EU unbedingt mitentscheiden sollte, wie es mit der Ukraine weitergeht, bevor ein Trump und ein Putin, sich das still und heimlich ausmachen. Das neue Buch von Hugo Portisch ist einmal mehr eine Geschichtsstunde, wie man sie sich nur wünschen kann – mit Analysen, Bestandsaufnahmen und möglichen Optionen. Lesen, um zu verstehen!

Leben mit Trump – ein Weckruf, von Hugo Portisch, ISBN: 978-3-711001276

Der Mensch im Zeitalter der Überforderung taumelt von einem Kontrollverlust zum nächsten

Bildschirmfoto 2017-02-05 um 20.09.04Wir spüren es alle – die Welt gerät mehr und mehr aus den Fugen. Da wird ein gefährlicher Narzisst plötzlich zum Präsidenten der Vereinigten Staaten angelobt. Da beschließt ein ganzes Land in Europa aus dem größten Friedensprojekt der Nachkriegsgeschichte – der EU – auszusteigen. Da stehen von heute auf morgen Zigtausende Menschen vor der Grenze und verunsichern mit ihrer Massenankunft die Bürger. Mit einem Wort: Wir sind überfordert.

Und da kommt Gabor Steingart ins Spiel, der zunächst einmal sagt: Nur wer die Überforderung versteht, kann ihr begegnen. Kein Schönreden, kein Augen zu und durch, sondern ein aufmerksamen Hinschauen auf die Gegebenheiten ist gefragt. Und gleichzeitig erinnert er uns daran, sich die „Sensibilität des historischen Hinhörens“ zu erhalten, sprich: sich zu erinnern, was in der Geschichte bereits passiert ist, was funktioniert hat oder eben nicht. Er macht keinen Hehl daraus, dass wir auf dem besten Weg sind, eine Menge zu verlieren. Die Schuldfrage ist ebenso vielschichtig, wie die Frage, warum der Politik zu den aktuellen Themen so wenig einfällt.

Und weil es so kompliziert geworden ist, arbeitet der Autor die Probleme nach Kapiteln ab:
Amerika (und sein historisches Verschulden am Chaos im Nahen Osten, der uns heute die Terroristen ins Land bringt),
Europa (und seine Unfähigkeit an einem Strang zu ziehen),
Terrorismus (der nicht mehr im Kampfanzug sondern in Jeans und Turnschuhen praktiziert wird),
Kapitalismus (der jegliches Maß verloren hat),
Finanzmarkt (der immer noch Geld bekommt, um den nächsten Supergau möglich zu machen),
Digitalisierung (die uns nur allzu deutlich aufzeigt, dass wir weniger gebraucht werden),
Populismus (die Geschichtenerzähler haben die Macht übernommen),
Demokratie (die immer schon vom Volk ausging, erfindet sich in den unteren Etagen neu)

Wer das Buch zu Ende liest, kann vermutlich nicht mehr so gut schlafen. Aber man darf sich solchen Tatsachenberichten auch nicht verweigern, schließlich kann man dem Feind besser begegnen, wenn man ihn kennt.
Ist es tröstlich, wenn der Autor schreibt? „Zwischen dem Ende einer alten und dem Beginn einer neuen Zeit wohnt das Chaos.“ ? Leider nein. Dennoch sollte man das Buch unbedingt gelesen haben!

Ein paar bemerkenswerte Zitate aus dem Buch:

„An das Gute im Menschen zu glauben, ist eine Tugend.
An das Gute im Bösen zu glauben, ist eine Torheit.“

„Nicht nur Sprengkraft, auch Naivität kann tödlich sein.“

„Die Weltgeschichte kennt keine unverzichtbaren Mächte.“

„Um den Status Quo zu verändern, muss man ihn zunächst anerkennen.“

„Jeder ist der Empiriker seines Lebens.“

„Emotionalität ist die neue Rationalität.“
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Weltbeben
von Gabor Steingart, ISBN: 978-3-8135-0519-1

Stand des Wissens vs. Stand des kollektiven Irrtums

Bildschirmfoto 2017-02-02 um 06.33.53Wer Eckart von Hirschhausen kennt, weiß zwei Dinge. Er ist Arzt. Er ist Komiker. Und er schafft es in jedem seiner Bücher aus diesen beiden Talenten eine einzigartige Mischung zu schaffen. Auch in seinem neuen Buch „Wunder wirken Wunder“ spart Hirschhausen nicht mit Situationskomik und schafft es gerade deshalb wichtige Themen auf den Punkt zu bringen. Diesmal geht es um die Frage: Was kann Schulmedizin und was kann Alternativmedizin? Was ist Humbug und was fundiert? Und dabei sind beide Segmente gemeint! Denn nicht nur in der sogenannten Alternativmedizin gibt es unzählige Fußangeln, die einen in mancher Not auch noch stolpern lassen. Die Medizin selbst weist ebenso viele Fehldiagnosen und -behandlungen auf! (Stichworte: Prostatavorsorge und Irisdiagnose) Und so hat es sich Hirschhausen zur Aufgabe gemacht von beiden Welten das Beste zu finden, ganz nach dem Motto: Was heilt, muss richtig sein. Oder – wie er es ausdrückt: Zum einen Arzt geht man, weil man etwas hat, zum anderen, weil einem etwas fehlt.
Am Ende des Buches ist übrigens etwas sehr Spannendes zu finden: eine Lotterie der etwas anderen Art.
Man wähle sechs Zahlen aus 49. Und suche sich zu den Zahlen, die jeweiligen Vorschläge, die auf den Folgeseiten zu finden sind und die einem sagen, was man heute mit seinem Leben anfangen soll. Dazu gehören so einfache Tipps wie barfuß über die Wiese laufen, oder einen alten Menschen besuchen, oder drei Dinge wegwerfen, oder keinen Zucker zu essen und vieles mehr.
Was ich an Hirschhausens Bücher so mag ist die unkomplizierte Schreibweise, die mit vielen lustigen Episoden und Witzen aufgewertet ist. Ja, Humor ist ohne Zweifel die beste Medizin und Hirschhausen verschreibt uns eine Menge davon. Wer also fachlich fundiertes Wissen über Sinn und Unsinn alle möglichen Medizinrichtungen erlangen will, ohne dabei zu verzweifeln, dem sei das Buch wärmstens empfohlen.
Schöne Zitate:
„Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung. Aber nicht auf eigene Fakten.“ (Das sollte mal jemand dem neuen amerikanischen Präsidenten sagen)
„Solange du atmest, ist mehr an dir gesund, als krank.“
„Der Wert der Alternativmedizin hängt entscheidend davon ab, was die Alternative ist.“
„Wissenschaft heißt zweifeln. Mensch sein heißt auch glauben und irren und weiter auf der Suche sein.“
„Psychoanalyse auf den Punkt gebracht: Wer jemand eine Schraube locker hat, liegt es an der Mutter.“

Wunder wirken Wunder, von Eckhart von Hirschhausen, ISBN: 978-3-498-09187-3

Who want’s to live forever?

Bildschirmfoto 2017-01-22 um 10.34.28Ben Kari arbeitet in einem Unternehmern, das sogenannte „Ewige“ verifiziert. Ewige – das sind Replikate von verstorbenen Menschen, die echt wirken, im richtigen Leben agieren und kommunizieren und mit anderen Menschen zusammenleben. Dass es „nur“ Replikate sind erkennt man daran, dass sie nichts essen oder trinken und dass man sie nicht berühren kann. Auch in der Kommunikation gibt es Einschränkungen: Ewige sprechen nicht über den Tod bzw. den Umstand, wie sie im echten Leben zu Tode kamen. Und: man kann sie – Vampiren gleich – weder im Spiegel noch auf Videoaufzeichnungen sehen. Dennoch leben die Menschen in dieser fiktiven Zukunft mit sogenannte Lebenstrackern, die ihr Dasein detailgenau aufzeichnen, sodass der Ewige, der eines Tages ihren realen Platz einnimmt, möglichst authentisch ist. Was die wenigsten wissen: man kann die Programmierung der Ewigen modifizieren. So wurde dem neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten – JFK – ein bisschen etwas vom Charakter Jimmy Carters hinzugefügt. Ja, die Menschen wählen sogar Ewigen zu ihren Anführern, sie scheinen die besseren Menschen zu sein. Eines Tages erhält Ben Kari einen heiklen Auftrag. Marlene Dietrich – die Ewige – ist verschwunden. Und es steht der Verdacht im Raum, dass sie Selbstmord begangen hat. Eine Tatsache, die bei Ewigen, die ja über den Tod nicht sprechen – defakto unmöglich ist. Ben begibt sich auf Spurensuche und muss schon bald feststellen, dass die Ewige Marlene Dietrich ganz offenbar mehr konnte als andere: sie ist nämlich auch für den Bruchteil einer Sekunde auf einem Überwachungsvideo zu sehen! Kann es sein, dass Ewige beginnen physisch zu werden? Und was würde das für die Welt bedeuten?  Und: wenn Ewige nun physisch werden, werden sie dann auch sterblich? Ben’s Suche lässt ihn immer tiefer eindringen in die Welt von Inmortality, jenem Konzern, der die Ewigen produziert.
Der Debütroman von Jens Lubbadeh ist ein hervorragendes Stück Science Fiction mit außerordentlich kreativen Ideen. Es ist ein Blick in eine mögliche Zukunft, basierend auf dem, was heute schon alles möglich ist, beispielsweise die Tatsache, dass wir all unsere Daten bis hin zu Gesundheitschecks in einer Cloud speichern. Warum also sollte es nicht eines Tages möglich sein, daraus ein Duplikat seiner Selbst ins Leben zu rufen?
Wer spannende Zukunftsszenarien mag, die immer noch auf unserer Erde und in unserer Gesellschaft passieren, wird mit diesem Buch seine Freude haben.
Dave Eggers „The Circle“ könnte die Vorgeschichte sein!

Zwei neue Schnüffler in bester Holmes-Manier

bildschirmfoto-2017-01-08-um-17-35-01Sherlock Holmes und sein Kompagnon Watson haben Konkurrenz bekommen. Ganz in der Manier der klassischen englischen Kriminalromane geschrieben – und auch in dieser Zeit spielend – betreten Sidney Grice und March Middleton die Bühne. Grice genauso verschroben wie das Original, Middleton hingegen erfrischend anders als Watson, was zu einem Großteil daran liegt, dass sie eine Frau ist. In ihrem ersten gemeinsamen Fall geht es genauso geheimnisvoll und verwirrend zu wie in den Holmes-Fällen. Ein Mord geschieht, ein Verdächtiger wird gefunden, verurteilt, gehängt und entpuppt sich schließlich als der Falsche. Die Jagd nach dem wahren Mörder ist überaus unterhaltsam und erfrischend, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass die Sprache der Zeit angepasst ist. Dort in jenem Jahrhundert klang selbst das Fluchen noch vornehm.

Der Autor schafft es auf sehr geschickte Weise, das, was man von Sherlock Holmes kennt auf seine Protagonisten zu übertragen. Fast ist man geneigt zu glauben, dass die beiden vor dem berühmten Duo zugange waren, vor allem dann, als am Ende ein Arzt auftaucht, der seine Liebe zur Schriftstellerei gesteht. Sein Name: Arthur Conan Doyle.

Könnte als also sein, dass besagter Mr. Doyle nichts anderes tat, als die Fälle von Sidney Grice und March Middleton aufzuschreiben, um damit berühmt zu werden?
Wer gute Krimis mag, gerne in eine andere Zeit reist und die Komplexität von Sherlock Holmes Geschichten immer schon mochte, wird an diesem Buch seine Freude haben!

Mord in der Mangle Street, von M.R.C. Kasasian, ISBN: 978-3-455-60051-3