Man kann zwar Probleme beheben, nicht aber Veränderungen. Ihnen kann man sich nur anpassen …

 … unter diesem Aspekt lehrt uns der Autor den Blick zu schärfen, für die Veränderungen, die in unserem „System“ passieren. Gemeint ist damit im kleineren Sinn das Wirtschaftssystem, das aber nicht isoliert betrachtet werden kann, weil es ja Teil eines Gesellschaftssystems ist und das wiederum ist Teil eines Ökosystems. Denn, so der Autor, alles hängt immer irgendwie zusammen.
Systeme haben generell ein gewisses Talent zur Selbstreparatur, sprich: wenn sie halbwegs flexibel sind, dann versucht ein System immer die „Sache“ (was auch immer das ist) wieder ins Lot zu bringen. In der Natur geschieht das andauernd, vor allem dann, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass eine Katastrophe nur subjektiv betrachtet eine solche ist. Objektiv gesehen, ist es der Druckausgleich, den ein System braucht, um weiter zu funktionieren. Wichtig sind dabei auch die Rückkopplungseffekte, von einem Teil des Systems zum nächsten, ähnlich einer Lawine. Und was wissen wir von einer Lawine? Sie findet den Weg ins Tal und: sie macht das mit zunehmender Intensität!
Der Autor versucht uns also einzuführen in das Verständnis und Funktionieren von Systemen. Dazu greift er nicht selten auf wirtschaftliche oder physikalische Gesetze zurück, auf Formeln, bei denen ein Normalsterblicher mit Sicherheit aussteigt. Doch darüber muss man einfach hinweglesen und kann dies auch tun, ohne Angst haben zu müssen, den Faden im Buch zu verlieren.
Was also wird erklärt?
Zunächst einmal wird erklärt, warum man überhaupt vom Seneca-Effekt spricht. Gemeint ist damit eine Aussage des Philosophen Seneca, der bereits erkannt hat, dass Dinge eine lange Zeit brauchen, um zu wachsen, jedoch in vergleichsweise kurzer Zeit kollabieren und verschwinden können.
Dann geht es ins Detail: Wie funktioniert ein System? Welche Energien wirken darauf ein?. Warum kann es plötzlich kollabieren? Gibt es dafür Vorzeichen und kann man einen sich abzeichnenden Kollaps umgehen? Und wann es Zeit ist zur akzeptieren, dass der Kollaps eben unvermeidlich ist?
Erklärt wird das anhand mehrerer Beispiele:
• Der Untergang des römischen Imperiums (Wie konnte so eine Großmacht letztendlich völlig verschwinden?)
• Das Aussterben der Dinosauier, die nicht an den Folgen eines Asteroideneinschlags starben, sondern eher an magmatischen Großeflächenereignissen, die einen immensen Gasausstoß zur Folge hatten und die Atmosphäre verseuchten.
• Anhand der sogenannten Gaia-Hypothese:
Unser Ökosystem verfügt über eine gewissen Fähigkeit, Bedingungen zu schaffen und aufrechtzuerhalten, und Leben zu ermöglichen. Und unsere Erde verhält sich zeitweilig selbst wie ein Lebewesen. Gaia hält die Homöostase des Planeten aufrecht, sodass das Ökosystem in der Lage ist große Katastrophen zu vermeiden und sich von unvermeidbaren zu erholen. Biosphäre, Hydrosphäre, Geosphäre, Atmosphäre – wenn Teilbereiche Systemveränderungen ausgesetzt sind, beginnen Rückkoppelungen mit anderen Systeme und in der Folge dann eben eine radikale Veränderung. Diese wird den Planeten nicht unbewohnbar machen – zumindest nicht für alle Spezies, wohl aber für den Menschen und sein System. Dennoch: Kollaps ist kein Defizit, sondern eine Eigenschaft, die Dinge wieder ins Lot bringt.
• Und schließlich gibt es da noch die Resilienz. Wir kennen das Wort eher aus dem psychologischen Bereich, dabei hat es seinen Ursprung in der Wirtschaft. Egal, wofür man es einsetzt, Resilienz bedeutet immer das Gleiche, nämlich die Fähigkeit sich von einem Negativereignis wieder zu erholen und/oder gestärkt daraus hervorzugehen. Zwei Fähigkeiten von Resilienz scheinen hier besonders wichtig zu sein: a) das Unvermeidliche zu akzeptieren, b) sich aus den Trümmern zu erheben.
Warum uns der Autor das erzählt?
Weil er der Meinung ist, dass man auch in der Wirtschaft und im Handel, im speziellen im Verbrauch von Ressourcen erkennen sollte, ab wann es keinen Sinn mehr hat noch mehr Energie hineinzustecken, weil das „System“ schlicht und ergreifend bereits in eine andere Richtung zieht, und es somit klüger, sich den Veränderungen anzupassen.
Wer sollte dieses Buch lesen?
Menschen, die die größeren Zusammenhänge begreifen wollen.
Der Seneca-Effekt, von Ugo Bardi, ISBN: 9783960060109