Man kann zwar Probleme beheben, nicht aber Veränderungen. Ihnen kann man sich nur anpassen …
Zum Nachdenken / 20. Februar 2018

 … unter diesem Aspekt lehrt uns der Autor den Blick zu schärfen, für die Veränderungen, die in unserem „System“ passieren. Gemeint ist damit im kleineren Sinn das Wirtschaftssystem, das aber nicht isoliert betrachtet werden kann, weil es ja Teil eines Gesellschaftssystems ist und das wiederum ist Teil eines Ökosystems. Denn, so der Autor, alles hängt immer irgendwie zusammen. Systeme haben generell ein gewisses Talent zur Selbstreparatur, sprich: wenn sie halbwegs flexibel sind, dann versucht ein System immer die „Sache“ (was auch immer das ist) wieder ins Lot zu bringen. In der Natur geschieht das andauernd, vor allem dann, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass eine Katastrophe nur subjektiv betrachtet eine solche ist. Objektiv gesehen, ist es der Druckausgleich, den ein System braucht, um weiter zu funktionieren. Wichtig sind dabei auch die Rückkopplungseffekte, von einem Teil des Systems zum nächsten, ähnlich einer Lawine. Und was wissen wir von einer Lawine? Sie findet den Weg ins Tal und: sie macht das mit zunehmender Intensität! Der Autor versucht uns also einzuführen in das Verständnis und Funktionieren von Systemen. Dazu greift er nicht selten auf wirtschaftliche oder physikalische Gesetze zurück, auf Formeln, bei denen ein Normalsterblicher mit Sicherheit aussteigt. Doch darüber muss man einfach hinweglesen und kann dies auch…

Es ist vernünftig Hoffnung zu haben …
Zum Nachdenken / 15. Januar 2018

Wir befinden uns am Ende einer Epoche. Es ist dies der Übergang in eine neue Zeit. Die alles verändernde Technologie, das schnelle Wachstum der Weltbevölkerung, die Klimaveränderung … Veränderungen dieser Dimension machen Angst und bringen Unsicherheit, weil man sie spürt, ohne sie greifen zu können, ohne zu verstehen, dass dieser Übergang auch ein Bereich voller Chancen ist. Nathalie Knapp erklärt anhand von Vergleichen mit der Natur, was es mit Übergängen auf sich hat. Ökoton, so nennt man diese Bereiche, beispielsweise zwischen Wald und Wiese, wo am meisten Artenvielfalt herrscht, weil dieser schmale Streifen von zwei Welten gespeist wird – vom Wald und von der Wiese. Auch für Menschen gibt es solche Übergänge, beispielsweise vom Kind zum Jugendlichen, vom Erwachsenen zum Alten, von der Schule ins Berufsleben, usw. Diese Veränderungen passieren meist schleichend, machmal in Form von Schicksalsschlägen auch sehr plötzlich. Und dann gilt es als Mensch zu erkennen: dass es jene Veränderungen sind, die das größte Potenzial in sich bergen. Was wir dafür brauchen ist ein größeres Maß an Unsicherheitstoleranz. Nathalie Knapp nimmt uns also mit auf eine Reise quer durch die Geschichte, die Philosophie, eines ganzen Lebens um am Ende festzustellen: „Es ist klug davon auszugehen, dass wir unsere Sache…

„Jeder hat Anspruch darauf, nicht verletzt zu werden.“
Zum Nachdenken / 1. Oktober 2017

„Anstand ist der Sinn für Gerechtigkeit, ein grundsätzliches Gefühl für Solidarität mit anderen Menschen, für Fairness, also für den Gedanken, dass man sich an die Regeln auch dann hält, wenn grad keiner hinguckt.“ So steht es ziemlich am Anfang von Axel Hackes Buch, in dem er den Versuch unternimmt, diesem Begriff ein Fundament zu geben. Denn – so scheint es – der Anstand gerät zusehends in Vergessenheit. Was die Gründe dafür sind, das versucht der Autor im Dialog mit einem (fiktiven) Freund herauszufinden. Dabei durchstreift er in Gedanken allerlei gesellschaftliche Probleme, gibt sich selbst eine Gedankenrichtung, um diese dann auch wieder umgehend zu verlassen. Kurzum: die Gedanken drehen sich mehr oder weniger Kreis. Dennoch schafft es der Autor, zumindest gewisse Eckdaten zu erfassen, wenn er sagt: „Es geht um ein gewissen Unbehagen, wenn man sich die gesellschaftliche Entwicklung ansieht.“ Da hat er wohl nicht unrecht, ebensowenig mit der Aussage, dass „es darum geht, dass Dinge ins Rutschen geraten.“ Ja, einmal mehr skizziert ein Schreiber und Denker, was man als halbwegs aufmerksamer Mensch selber fühlt: dass dieses Ideal – der Anstand – im Moment gerade nicht sehr hoch im Kurs steht. Ein paar Sätze aus dem Buch: „Wenn man von Anstand redet, sprach…

In welchem Glauben findet man Halt?
Zum Nachdenken / 15. Dezember 2016

Rudolf Taschner ist eigentlich Mathematiker. Umso erstaunlicher, dass er sich mit einem Thema beschäftigt, dass so gar nicht mit Formeln belegbar ist – dem Glauben. In seinem Werk nimmt er uns mit auf eine Gedankenreise zu den möglichen Standpunkten des Glaubens: Ist es die Geschichte, an die man glaubt? Oder die Kunst? Ist es die Natur oder die Kirche? Ist es der Genuss oder das Ich? Der Autor zwingt einem dabei keineswegs ein Endergebnis seiner Gedanken auf, sondern lässt vielmehr Raum für die eigenen Gedanken und die Frage: Ja, woran glaubst du eigentlich? Was gibt dir Halt in schweren Zeiten? Was macht dir Mut? Rudolf Taschner führt den Leser unterhaltsam, wertfrei und mit offenem Geist durch die Vielfalt an Glaubensrichtungen, die es einem Menschen ermöglichen, seinem Leben einen Anker zu geben. Ein paar interessante Sätze aus dem Buch: „Man fühlt sich frei, wenn man weder inneren Druck noch inneren Widerstand spürt.“ „Es scheint schwer zu fallen, das Leise zu ertragen, weil es den Horizont der eigenen Existenz allzu intensiv erweitert, die Belanglosigkeit fühlen lässt.“ „Das Gewissen ist das Wissen um das Gute.“ „Der Forschergeist des Menschen will vom Staunen zum Wissen gelangen, von der Ahnung zur Klarheit.“ „Die Geschichte ist mächtig….

Die wirkliche Freiheit liegt nicht darin alles zu tun, sondern alles denken zu können.
Zum Nachdenken / 15. August 2016

Bertrand Piccard stammt auf einer Familie von Pionieren, so ist es kein Wunder, dass auch er als solcher in die Geschichte eingehen wird. Piccard hat es geschafft zweimal die Welt mit außergewöhnlichen Flugmitteln zu umrunden: einmal in einem Heißluftballon und neuerdings mit einem SolarFlugzeug. Fast schon nebensächlich scheint da sein eigentlich Beruf zu sein – er ist Psychiater. Und als solcher ist er ebenso auf der Suche nach neuen Pfaden. So kombiniert er in seiner Praxis die klassische Psychologie mit Hypnose und gestattet sich aus Ausflüge in die Philosophie und Spirtualität. All das findet man kombiniert im vorliegenden Buch. Basierend auf seinen Erfahrungen als Ballonfahrer vertritt er die These, dass man auch im Leben des öfteren die Flughöhe wechseln muss, um wieder in eine richtige Strömung zu kommen, die einen vorantreibt. Bestückt mit allerlei Beispielen aus der Psychologiepraxis, aber auch aus seinen Abenteuern versucht er seine Theorie zu untermauern. Ein einziges Kapitel in seinem Buch scheint mit unglaubwürdig, bzw. fehl am Platz. Es ist dies der Abschnitt, in dem er sich in esoterischer Spiritualität verirrt. Doch nachdem er selbst befindet, dass man diesen Teil mitunter verstörend finden mag, und deshalb doch bitte nicht das Buch zuklappen sollte, liest man an…

Macht Glück immer glücklich?
Zum Nachdenken / 10. März 2013

JA! Endlich räumt mal jemand auf mit dem Glückswahn, der uns tagtäglich umgibt und uns suggeriert, dass Glück das einzig Erstrebenswerte im Leben ist. Doch Wilhelm Schmid steht dem „normativen“ Glücklich-sein eher kritisch gegenüber. Denn, wie er selbst sagt, „Gläser sind nicht immer nur halb voll oder halb leer, sondern gelegentlich auch ganz leer.“ Und nichts macht unglücklicher als diesen unausweichlichen Lauf des Lebens einfach zu negieren. „Je heftiger Menschen auf dem Positiven beharren, desto tiefer stecken sie im Negativen fest“. Glück muss atmen können, d.h. es braucht auch mal eine Auszeit. Und manchmal ist das Verharren in einer Traurigkeit oder Melancholie durchaus kraftschöpfend. Nicht umsonst ist der Autor überzeugt, dass gerade Melancholiker das Potenzial zu großer Sensibilität haben, das Gespür für Sinn und dessen Fehlen. Es ist ein Buch der leisen Töne, eine wahre Ermutigung dem Gefühl unglücklich zu sein, manchmal einfach freien Lauf zu lassen. „Das Leben kennt neben den guten Zeiten auch noch andere, die das Positive erst kostbar machen.“ Ein paar schöne Sätze aus dem Buch: „Glück ist wichtig, aber noch wichtiger ist Sinn.“ „Das übermäßige Reden über das Glück nährt die Illusion, es könne ein gelingendes Leben ohne Einbußen und Schattenseiten geben.“ „Die Chemie des…

Einem Phänomen und Menschenschlag auf der Spur
Zum Studieren / 9. März 2013

Der gemeine Nerd ist als Menschenschlag erst in der jüngeren Geschichte mit diesem Namen etikettiert worden, geben tut es ihn als Phänomen schon seit Anbeginn der Geschichte. In der Antike trat er unter dem Begriff Philosoph verstärkt auf. Archimedes, Heraklit und Diogenes waren nur einige Zeitgenossen, die sich nicht nur durch intelligente Gedanken, sondern auch durch ihr seltsames Gehabe hervortaten. Von mangelner Körperhygiene bis zu seltsamen Essgewohnheiten sind die Parallelen zum uns bekannten Nerd nicht von der Hand zu weisen. Selbst leicht autistische Züge und latent asoziales Verhalten, die dem Nerd nachgesagt werden, waren bei diesen genialen Köpfen festzustellen. Und so weist uns der Autor in seinem wirklich unterhaltsamen und sehr lesbaren Buch durch das Geäst der Zeit, um uns in jeder Epoche mit genialen Nerds bekannt zu machen. Nietzsche, Kant, Wittgenstein, Einstein, Marie Curie – bis hin zu den bekannten Zeitgenossen Mark Zuckerberg, Bill Gates und dem leider verstorbenen Steve Jobs. Auf diese Weise etwas über eine Vielzahl genialer Menschen zu lesen macht Spaß und ist durchaus lehrreich! Nerds – Wo eine Brille ist, ist auch ein Weg von Jörg Zittlau, ISBN: 978-3-548-37464-2

.. es ist, was es ist – sagt die Liebe
Zum Nachdenken / 4. Februar 2011

So einfach, wie in der Überschrift, macht es sich der Autor nicht. Vielmehr versucht Richard D. Precht den Begriff der Liebe von mehreren Seiten zu beleuchten, ohne einen weiteren Ratgeber zu schreiben. Das war zum einen eine sehr mutige Idee und zum anderen ist die dem Autor hervorragend gelungen. Er sucht aus sämtlichen wissenschaftlichen Sparten jene Elemente zusammen, die den Begriff der Liebe erläutern oder eben auslassen. Man kann sich schließlich den Dingen auch nähern, indem man beschreibt, was es NICHT ist. Und so begibt sich der Autor auf eine Reise von der Evolutionsbiologie über die Soziologie und Psychologie bis hin zu allen Epochen der menschlichen Kultur um festzuhalten, was im Grunde flüchtig ist – die Liebe. Dabei erklärt er auch den Unterschied zwischen Emotion und Gefühl, stellt sich der Frage ob alles Leben Chemie ist (die Macht der Hormone) und räumt mit dem Irrglauben auf, dass Liebe selbstlos sei. Dabei begegnen einem die Idee der Romantik ebenso, wie die Frage in wie weit das Internet unsere Beziehungen zueinander verändert. All diese verpackt der Autor ist gut verständliche Worte. Er erklärt Fachbegriffe, stellt Thesen gegenüber, bringt alle Für und Wider und schafft es so ein „Best of“ zu diesem Thema…

Sinn kann (nur) gefunden werden
Für die Seele / 20. Dezember 2010

Mit diesem ersten Band einer längereren Reihe gewährt uns die Autorin einen ersten Einblick in die Logotherapie nach Viktor Frankl. Sie beleuchtet dabei hauptsächlich den Aspekt der Depression und wie sich diese nicht nur selbst in den letzten Jahren verändert hat, sondern wie sich auch die Therapien verändern. Anhand anschaulicher Beispiele erläutert sie die Unterschiede zwischen endogener Depression (jemand KANN aufgrund fehlender Neurotransmitter nicht mehr nach dem Sinn suchen), reaktiver Depression (jemand WILL nicht mehr nach dem Sinn suchen – meist nach einem Verlusterlebnis), neurotische Depression (jemand sucht nach dem FALSCHEN.) Die noogene Depression (der Mensch sieht, dass er nicht seinem ureigensten Wesen gemäss leben) nach Frankl hingegen ist jenes geistige Vakuum, wenn man einfach keinen Sinn mehr sieht. Das können ältere Menschen sein, die nicht mehr wissen, wozu sie gut sind, das können auch Menschen sein, die lange arbeitslos sind oder jene, denen mehrere Schicksalsschläge den Glauben daran genommen haben, dass das Leben überhaupt Sinn macht. Man könnte es auch Wertevakuum über einen längeren Zeitraum nennen. Elisabeth Lukas zeigt dem interessierten Leser nicht nur die Unterschiede, sondern auch die Wege aus der jeweiligen Problematik und offenbart uns damit einen neuen und überaus sympathischen Zugang zur Psychotherapie. In vielen sehr…

Wer die Wahrheit liebt, bildet sich niemals ein sie zu besitzen
Zum Nachdenken / 17. Dezember 2010

Richard D. Precht schafft es auch in seinem dritten Buch dem Leser auf recht spannende Weise den philosophischen Spiegel vorzuhalten. Diesmal entführt er uns in die moralische Ecke unseres Daseins und fragt: Ist der Mensch von Natur aus Gut oder Böse? Woher kommt das Gefühl das wir gemeinhin als „menschlich“ bezeichnen? Fürsorge, Mitgefühl, Altruismus, Hilfsbereitschaft … Und: was hat sich daran in den letzten Jahrzehnten geändert? Die Reise führt uns weit zurück bis zu den Urphilosophen der Antike, deren Erkenntnisse bis zum heutigen Tag nichts von ihrem Aktualitätswert eingebüsst haben. Aber – und das ist die herausragende Stärke des Autors – er bezieht auch die Biologie und Soziologie der Gegenwart in seine Gedanken mit ein. Dabei lässt er am Ende jedes Kapitels genug Fragen offen, über die sich der Leser selbst Gedanken machen kann. Besonders den letzten Teil des Buches fand ich sehr spannend, denn hier versuchte Richard Precht sich als echter Vordenker und Visionaer, wenn er sich Gedanken ueber die Demokratie als Gesellschaftsstruktur macht. Durchaus kritisch aber niemals ohne Hoffnung und schon gar nicht polemisch zeigt er auf, was falsch läuft und wie es besser sein könnte. Menschen wie er haben das Talent einem alles ins Gesicht zu sagen,…