Stell dir vor, es ist Geschichte und keiner hat Bock drauf.

Digitalisierung, Klimawandel, Völkerwanderungen – die Gesellschaft hat es derzeit nicht leicht, wird sie doch von vielen Seiten subtil bedroht. Es passiert schleichend und doch spüren es viele: das Leben, so wie wir es führen, ist auf die Dauer nicht mehr tragbar. Die Ressourcen der Erde werden über die Maßen strapazier – heuer im Jahr 2017 war es der 2. August, der jenen Stichtag markierte, ab dem wir „auf Pump“ leben. Die Digitalisierung – so sehr sie eine Errungenschaft darstellt – ist vielmehr eine Revolution. Doch anders als bei der letzten (der industriellen) werden nicht Jobs verloren gehen und andere geschaffen, sondern diesmal wird der Mensch durch Roboter ein für alle Mal ersetzt. Die Prognosen sprechen davon, dass in absehbarer Zeit 40 % keine Arbeit mehr finden werden. „Jede politische Partei, die jetzt noch Vollbeschäftigung in ihr Wahlprogramm schreibt, arbeitet am Problem vorbei“ – davon ist der Autor überzeugt. Doch es geht um sehr viel mehr. Es geht darum, dass der Kitt, der unsere Nachkriegsgesellschaft zusammenhält, der Konsum ist. Solange die Menschen Befriedigung darin finden, wenn sie sich etwas kaufen, solange wird jeder darauf bedacht sein, dass das System funktioniert, das allen etwas bringt. Doch: nach dem dritten Fernseher lässt das Glückgefühl zwangsläufig nach. Es gibt aber sonst nichts mehr, was die Menschen dazu bringen würde, für etwas aufzustehen. Keine Ideologie (gefährliches Wort) und keine Idee lohnt es, sich vom Sofa zu erheben und dafür zu kämpfen. Und so fällt die Gesellschaft auseinandern, weil sie keine Zeit und keine Muse mehr hat über das eigene Selfie hinauszudenken. Darüber nachzudenken, was jeder einzelne bereit ist zu tun und vor allem: was man gerne zum allgemein gültigen Gesetz machen möchte.
Der Autor beschreibt ein Gedankenspiel, bei dem die Teilnehmer dazu aufgefordert wurden, eine neue Gesellschaftsform durchzudenken. Ein Modell des Zusammenlebens, wie es beispielsweise die Demokatrie ist, unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Ressourcen und Möglichkeiten. Das Entscheidende bei diesem Gedankenmodell war, dass man selber erst am  Ende gesagt bekam, welche Rolle man selbst einnehmen dürfe! Das ist ein ganz wesentlicher Faktor, weil man eben Gesetze so definieren muss, dass selbst ein Bettler noch gut aussteigt. Könnte ja sein, dass man als solcher endet.
Philip Blom wiederum zeichnet in seinem Buch ein düsteres Bild unserer Zukunft, die schneller Realität wird, als die Menschen sich zu ändern imstanden sind. Zitat: „Wenn der technologische Wandel schneller ist, als der Generationenwechsel, ensteht eine gewisse Verwerfung.“ Mehr noch: der Statuserhalt wird natürlich so lange wie möglich zum Ziel erkoren, wohlwissend, dass man in jedem Fall verlieren wird. Gegen Ende des Buches skizziert der Autor auch eine mögliche neue Gesellschaftsform und Zukunft für unseren Planeten, bei der nur jene gut aussteigen werden, die bereit sind zu verzichten – ein Unwort in unserer Gesellschaft (und ich nehme mich selbst da nicht aus).
Das Buch sollte jene Menschen lesen, die der festen Überzeugung sind, dass alles in Ordnung ist. Ihnen werden vielleicht etwas die Augen geöffnet. Es sollten auch jene Menschen lesen, die spüren, aber nicht erklären können, dass etwas nicht stimmt. Ihnen werden die Worte für ihre Gefühle geliefert.
Weitere Sätze aus dem Buch:
„Die sophistische digitale Verdummung erodiert die Demokratie mit beachtlicher Effizienz, denn sie lässt jede Debatte erlöschen.“
„Die dauernde Transformation, das Wegfegen des Alten, das Weggehen aus einer vertrauten Welt, die bald darauf zerstört wird, üben einen immensen Druck auf die Menschen aus, die sich in der rasend schnell verändernden Welt nicht mehr zurechtfinden, sich nicht mehr zu Hause fühlen.“

„Konsum als Lebensvision ist ein Phänomen der Nachkriegszeit.“
„Konsum ist Selbstverwirklichung und damit sinnstiftend.“
„Untergangspropheten sind eine ermüdende Begleiterscheinung kultureller Spannungen. Dumme Optimisten sind noch anstrengender.“
„Die Alchemie des kollektiven Handelns macht das Unmögliche immer wieder möglich, wenn es genug Menschen gibt, die überzeugt und entschlossen sind, sich dafür einzusetzen.“

Was auf dem Spiel steht, von Philipp Blom, ISBN: 978-3-44625664-4