Das Leben folgt bestimmten Gezeiten
Zum Lachen / 20. August 2018

Tom Hazard ist wahnsinnig verliebt. Seine Angebetete – Rose – erwidert diese Liebe, auch wenn sie zum Scheitern verurteilt ist, denn Tom erregt auf eine ungewöhnliche Art Aufmerksamkeit. Er altert nicht. Im Jahr 1599 ist dies eindeutig Teufelswerk und seine Mutter ist das erste Opfer seiner seltsamen Begabung. Auf der Flucht vor dem Grauen begegnet er also seiner Rose, verbringt die Zeit mit ihr in ständiger Sorge und immer fluchtbereit. Schließlich wird Rose schwanger und schenkt dem glücklichen Tom eine Tochter. Als sie einmal mehr in Gefahr geraten, beschließt Tom mit gebrochenem Herzen seiner Wege zu ziehen, um Frau und Kind in Sicherheit zu wissen. Über 400 Jahre später kehrt er nach London zurück, getrieben von einer unstillbaren Sehnsucht nach seiner Vergangenheit und nach Liebe, die er in all den Jahrhunderten für keinen mehr empfand. Sein neues Leben als Geschichtslehrer auf einer Schule lässt ihn schließlich Camille begegnen und mit ihr scheint es tatsächlich so etwas wie eine zweite Chance zu geben – wäre da nicht dieser ewig währende Fluch, der Zwang im verborgenen leben zu müssen und die Tatsache, dass seine Tochter ganz offenbar auch noch lebt … Der Autor ist ein Naturtalent, was die Fähigkeit anlangt bezaubernde Geschichten…

This is Ground Control …
Für die Seele , Zum Lachen / 12. Juli 2018

Tom Major wird durch einen blödes Zufall, bei dem er ein klein wenig nachhilft, zum 1. Astronauten auserkoren, der zum Mars fliegen soll, um dort den Bau einer Kolonie vorzubereiten. Dass seine Nominierung ausgerechnet am Todestag von David Bowie passiert – nun, manche sagen, das sei ein PR-Gag, denn plötzlich wird aus Tom Major, jener berühmte Major Tom. Da sitzt er alsdann in seinem Raumschiff auf dem Weg zum Mars, währenddessen sich irgendwo auf der Erde ein kleines familiäres Drama abspielt. Mrs. Gladys wird zunehmend dement und ihre beiden Enkel, die bei ihr in der Obhut sind, haben die größte Not dafür Sorge zu tragen, dass das nicht auffällt. Eines Tages läutet das Telefon bei Mrs. Gladys und in der Leitung ist Major Tom. Eigentlich wollte dieser ja ganz jemand anderen anrufen – aber egal, jetzt also führt er ein Gespräch mit der alten Dame und wird unweigerlich in das Schicksal dieser Familie hineingezogen. Kann ein Astronaut auf dem Weg zum Mars einer alten Dame helfen? Wer das Buch liest, wird es erfahren, dabei schmunzeln, ein bisschen weinen, manchmal herzhaft lachen und am Ende das Buch mit einem kleinen Seufzer schließen. Sommerlektüre pur! Mrs. Gladys und ihr Astronaut, von David…

Die Situation hat ihre Autorität verloren, wenn jemand pupst
Zum Lachen / 17. Dezember 2017

Die Ich-Erzählerin, nennen wir sie Sarah, steckt in einer Krise. Das Kaninchen ist tot, der Freund bei der Verwandtschaft und es ist Silvester. Kurzerhand lädt sie wildfremde Leute, die sie im Supermarkt oder auf dem Weg dorthin trifft, zu einer Party ein. Doch das ist nicht die Geschichte – eigentlich. Vielmehr geht es um das Gedankenchaos in Sarahs Kopf, in dem sich allerlei zum Thema Scheitern ansammelt. „Wenn man es nicht schafft, an sich selbst zu scheitern, dann sucht man sich jemanden, der einem dabei hilft“, so ihre Erkenntnis, während sie das streitende Ehepaar beobachtet, das auf ihrer Wohnzimmercouch sitzt. Silvester ist die Nacht der gescheiterten Existenzen und des existenziellen Scheiterns, daran hat die Protagonistin keinen Zweifel. Vieles, was Sarah von sich gibt, ist lustig, einiges richtig tiefsinnig, manches oberflächlich, kurzum: es nettes Buch zum Lesen. Ein paar Sätze, die durchaus Potenzial haben: Es sind nie die Klugen, die laut sind, es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Lautstärke und Dummheit. Es ist seltsam, wenn man sagt, jemand sei verstorben. Das klingt so als hätte er etwas falsch gemacht. Als hätte er sich im Datum vertan und wollte erst morgen sterben. Mit 30 hat man die erste Stufe der Unumkehrbarkeit erreicht….

Stand des Wissens vs. Stand des kollektiven Irrtums
Zum Lachen , Zum Studieren / 2. Februar 2017

Wer Eckart von Hirschhausen kennt, weiß zwei Dinge. Er ist Arzt. Er ist Komiker. Und er schafft es in jedem seiner Bücher aus diesen beiden Talenten eine einzigartige Mischung zu schaffen. Auch in seinem neuen Buch „Wunder wirken Wunder“ spart Hirschhausen nicht mit Situationskomik und schafft es gerade deshalb wichtige Themen auf den Punkt zu bringen. Diesmal geht es um die Frage: Was kann Schulmedizin und was kann Alternativmedizin? Was ist Humbug und was fundiert? Und dabei sind beide Segmente gemeint! Denn nicht nur in der sogenannten Alternativmedizin gibt es unzählige Fußangeln, die einen in mancher Not auch noch stolpern lassen. Die Medizin selbst weist ebenso viele Fehldiagnosen und -behandlungen auf! (Stichworte: Prostatavorsorge und Irisdiagnose) Und so hat es sich Hirschhausen zur Aufgabe gemacht von beiden Welten das Beste zu finden, ganz nach dem Motto: Was heilt, muss richtig sein. Oder – wie er es ausdrückt: Zum einen Arzt geht man, weil man etwas hat, zum anderen, weil einem etwas fehlt. Am Ende des Buches ist übrigens etwas sehr Spannendes zu finden: eine Lotterie der etwas anderen Art. Man wähle sechs Zahlen aus 49. Und suche sich zu den Zahlen, die jeweiligen Vorschläge, die auf den Folgeseiten zu finden sind und…

Wir kommen auch ohne Ziele an – wir wissen halt nur nicht wo.
Zum Lachen / 2. November 2015

Endlich ein Ratgeber nach meinem Geschmack! Schluss mit den Gesellschaftszwängen wie vegane Ernährung, Politic Correctness, Zwangsneurose Sport, Wochenendverplanung, gute Vorsätze, u.v.m. Sean Brummel alias Tommy Jaud sagt uns, wie es richtig geht und das alles mit einer gehörigen Portion Humor. Einen Scheiß muss ich! – dieser Satz bleibt unweigerlich haften. Und wenn das Buch zu Ende gelesen ist und man zufällig vor dem Geschirrspüler steht, der eigentlich ausgeräumt werden müsste, da blendet er sich auch schon zum ersten mal wie eine Leuchtreklame am Times Square ein: ESMI (so die Abkürzung für die genialste Lebensweisheit seit Götz von Berlichingen). Ich glaube, das wird für  mich das Buch des Jahres. Ein paar Erkenntnisse: Je härter wir in unserem Job arbeiten, desto mehr Geld brauchen wir, um ihn wieder zu vergessen. Bei den reichsten Menschen sieht es aus wie Sau. Es gibt mehr alte Kettenraucher als alte Veganer. Es gibt kein falsches Gewicht, es gibt nur falsche Klamotten. Wenn Sie keine Ziele haben, können Sie auch nicht scheitern. Einen Scheiß muss ich von Tommy Jaud, ISBN: 978-3-59603227-3

Von der „Allephobie“ bis zur „Universumme“
Zum Lachen / 29. Dezember 2014

Bei der rasanten Entwicklung des Menschen vom Affen zu seinem jetzigen Status hinkt eine Sache immer hinterher: Die Artikulation oder neudeutsch Sprache. Dabei geschehen beinahe täglich neue Dinge in unserem Leben für die uns schlichtweg die Worte fehlen. (Nicht zu verwechseln mit „Mir fehlen die Worte“) Sascha Lobo (vom bekannten Magazin NEON) setzt dem zwar kein Ende, bietet aber zumindest 698 neue Wörter an, die uns helfen sollen, den Alltag zu meistern. Allephobie? – ist nicht die Angst vor allen. Sondern die Angst davor, dass der Handy-, Laptop- oder Kamera-Akku leer sein könne (alle), bevor man eine Ladechance hat. In Zeiten wie diesen, wo selbst der Papst oder die Queen einen Tweet-Account haben, und damit lebensnotwendige Informationen schon veröffentlicht werden, bevor sie überhaupt relevant sind, ja da kann das ganz schön nerven, wenn man von der Natur dazu gezwungen wird, Rauchzeichen zu geben, weil das verd ….. Handy aus ist. Universumme? – die absolute Gesamtzahl von irgendetwas im gesamten Universum, jemals, aufaddiert. Beispiel: Die Universumme aller akzeptablen James-Bond-Darsteller ist zwei (Sean Connery und dieser andere da) Das Buch ist eine Bereicherung – in jeder Hinsicht. Nur die Zeichnungen gefallen mir nicht. Wortschatz von Sascha Lobo ISBN: 978-3-49962823-8

Kaum hat man im Kopf alles zusammen, fällt einem der Körper auseinander …
Zum Lachen / 2. September 2014

Renate Bergmann ist eine rüstige Dame mit 82 Jahren, viermal verheiratet, viermal verwitwet. Neuerdings hat sie Zwitscher und Fäßbuck entdeckt und kann seither nicht mehr hinterm Berg halten mit ihrer Lebenserfahrung. Und dass eine Dame ihres Alters viel zu berichten hat, liegt auf der Hand. Eigene Kinder („Wissense, nicht immer gelingt der Braten.“) , eine Handvoll tote Ehemänner („Im Grund ist der Tod immer gleich: am Ende gehts zum Leichenschmaus.“) und ein paar Freunde von denen der liebe Kurt beispielsweise so schlecht sieht, dass er beim Autofahren drauf schaut, die gestreifte Linie direkt unter sich zu haben. Und so gestattet Frau Bergmann einen kurzen Einblick in ihr Leben, was dem Leser eine Menge Lacher beschert. Beispielsweise: „Sparen heißt in der Politik heutzutage, dass man weniger Schulden macht. Das ist so, als wenn man zu dick ist und dem Arzt sagt: Ich nehme nächstes Jahr 2 Kilo weniger zu als dieses.“ Das Buch wird so ziemlich allen gefallen, die gerne mal wieder ein richtig lustiges Buch lesen wollen. Ältere Menschen werden wohl öfter mal wissend nicken, jüngere sich denken „Na hoffentlich werde ich nicht auch so.“ (nützt nix, kommt trotzdem) Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker von Renate Bergmann,…

Ein Außerirdischer möchte lieber Mensch sein
Zum Heulen , Zum Lachen , Zum Nachdenken / 5. Juli 2014

Andrew Martin ist nicht mehr er selbst. Genau genommen ist er tot und an seine Stelle hat ein Wesen von einem anderen Planeten Besitz vom Körper ergriffen. Das Ziel: Herauszufinden, wie viel Andrew Martin herumerzählt hat über seine mathematische Sensation, den Beweis der Riemannschen Vermutung. Zuvor muss das Wesen im irdischen Körper aber erst einmal lernen, was Menschen so tun – zum Beispiel nicht nackt herumlaufen. Der „neue“ Andrew beobachtet seine Frau und seinen Sohn, ist anfangs entsetzt über so vieles, was Menschen tun, lacht sich eins über die primitive Technologie und darüber, dass die Menschen glauben, der Mittelpunkt des Universums zu sein, kurzum: er mag die Menschen nicht. Doch dann passieren ein paar Dinge in seiner „Familie“ und er erkennt, zu was Menschen sonst noch fähig sind: zu tiefen Gefühlen – von Schmerz, über Mitleid, bis Liebe. Und dann beschließt Andrew etwas zu tun, das noch nie vor ihm einer seiner Rasse getan hat: er will ein echter Mensch werden und sein anderes Wesen ablegen. Das Buch von Matt Haig ist etwas Besonderes. Die Perspektive aus der es erzählt wird, ist jene vom außerirdischen Andrew und seine Sichtweise auf das Erdenleben ist überaus unterhaltsam, berührend, manchmal abstoßend, aber in…

Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
Zum Lachen / 6. Februar 2014

Sex, Drugs & Rock’n Roll – auch im dritten Buch von Moritz Matthies geht die Post ab! Der Erdmännchen-Clan im Zoo steht vor einer Menge neuer Herausforderungen. Und gäbe es nicht die beiden genialen Brüder Rufus und Ray würde es wohl schlecht aussehen, neuerdings wird nämlich gedealt im Zoo. Das Zeug, das vertickt wird, ist allerdings nicht ganz ungefährlich und ruft wohl alle möglichen Urinstinkte hervor: Justus das Nashorn schafft es plötzlich seinen Zaun zu durchbrechen, eine Antilope springt in das Löwengehege und den König der Tiere zu verhauen und selbst die strohdummen Flamingos kommen plötzlich auf neue Gedanken. Als es jedoch einen Bruder von Rufus und Ray erwischt und dieser fast draufgeht, beschließen die beiden, die Sache zu beenden. Dass da auch noch Phil, der Detektiv mit im Spiel ist und die Wasserleiche in der Kanalisation im direkten Zusammenhang mit den Vorkommnissen im Zoo steht, rundet das Feuerwerk an Spannung und Komik nur noch ab. Ich finde diese „Tiergeschichten“ rund um die Erdmännchen schlichtweg genial. Die Figuren sind so lebendig, haben Charakter (und -schwächen), Eigenheiten und Herz, mehr oder weniger Verstand, kurz: es macht Spaß im Zoo zu verweilen! Weiter so! Voll Speed von Moritz Matthies, ISBN: 978-3651000544

Ich bin nicht imaginär …
Zum Heulen , Zum Lachen / 17. August 2013

Budo sieht aus wie ein Mensch, kann sprechen, laufen, durch geschlossene Türen gehen und hat sogar Ohren. All das ist nicht selbstverständlich, denn Budo existiert nur, weil Max ihn so geschaffen hat. Budo ist der imaginäre Freund des 8jährigen Max Delaney, der autistische Züge aufweist und sich dementsprechend schwer tut mit seiner Umwelt zu kommunizieren. Mit Budo hingegen kann er alles besprechen, mehr noch, sein Freund spielt mit ihm, beschützt ihn und steht Schmiere an der Klotür. Eines Tages jedoch hat Max ein Geheimnis, das er Budo nicht verraten will und kurz darauf muss Budo zusehen, wie Max in das Auto seiner Lehrerin steigt und verschwindet. Während die Polizei verzweifelt nach dem Jungen sucht und seine Eltern hilflos zuhause auf Nachricht warten, muss Budo einsehen, dass er sich der Umwelt nicht zeigen und somit auch nicht erklären kann, was geschehen ist. Und plötzlich hat Budo nicht nur Angst um Max, sondern auch um sich, denn: was passiert, wenn Max stirbt? Matthew Dicks schreibt das Buch als Budo und öffnet damit eine völlig neue Perspektive. Nicht nur, dass wir Bekanntschaft machen, mit den Eigenheiten von imaginären Freunden – von denen es natürlich mehrere gibt – Budos Gedanken konfrontieren uns auch mit…